Carrel, Alexis

Carrel, Alexis (*28.06.1873 Lyon, Frankreich; † 5.11.1944 Paris), französischer Biologe und Chirurg, erhielt 1912 den Nobelpreis für Medizin und war Augenzeuge zweier Heilungen in Lourdes.
C., Sohn eines Kaufmanns, studierte nach der Ausbildung in seiner Heimatstadt mit dem Bakkalaureat in Sprache und Naturwissenschaft ab 1890 an der Universität Lyon Medizin, promovierte 1900 und war an der Universitätsklinik tätig. Dies gab ihm die Möglichkeit, sich neben den anatomischen und chirurgischen Arbeiten vor allem auf die experimentelle Chirurgie, die Transplantation von Geweben und gesamter Organe zu konzentrieren. Bereits 1902 veröffentlichte er die von ihm entwickelte chirurgische Nahttechnik zur erfolgreichen Verbindung getrennter Blutgefäße. 1903 ging er nach Lourdes, um für seine Erklärung der Heilungen als Suggestion Material zu sammeln. Da er Arzt war, bat man ihn, das junge Mädchen Marie Bailly, das an einer tuberkulösen Bauchfellentzündung litt, zu betreuen. Die Ärzte hatten M. als hoffnungslos aufgegeben. C. gab ihr während der Fahrt zur Linderung der Schmerzen eine Morphiumspritze und untersuchte sie nochmals. Bei der Ankunft in Lourdes stellte der Arzt den bereits eingetretenen Todeskampf fest. Sie wollte jedoch noch zur Grotte und C. begleitete sie. Man legte sie ins Bad und stellte dann die Bahre mit der Sterbenden vor der Grotte ab. C. beobachtete sie genau. Der Zustand verbesserte sich. Das Mädchen fühlte sich sehr schwach, aber geheilt. Als C. seinem Professor darüber berichtete, erwiderte dieser, dass er mit solchen Ideen an der Universität Lyon keinen Platz finden würde, woraufhin C. den Entschluss fasste: „Wenn es so steht, gehe ich meine Wege!“ Er beschrieb dieses Erlebnis in der Schrift „Le Voyage de Lourdes“. 1910 erlebte C. in Lourdes die Heilung eines blind geborenen Kindes. Auch in seinem 1935 erschienenen Werk L’homme, cet Inconnu (Der Mensch, das unbekannte Wesen) ging er auf die Frage des Wunders ein.
Da also seine Universitätskarriere in Lyon allein schon durch seinen Bericht blockiert war, ging er 1904 an die Universität von Chicago, USA, und trat dort 1906 als Mitarbeiter in das Rockefeller Institute for Medical Research ein. 1908 demonstrierte er die ersten Ergebnisse zur Organtransplantation, 1912 erhielt er dafür den Nobelpreis. Von 1914 bis 1919 diente er als Major im Medizinischen Armeekorps Frankreichs. 1935 konstruierte er gemeinsam mit dem Luftfahrtpionier Charles Lindbergh ein Gerät, welches entnommene Organe steril beatmen konnte. Mit dem französischen Chirurgen Theodore Tuffier (1857−1929) führte er erfolgreich eine Reihe von Herzklappen-Operationen durch und konnte Herzmuskelzellen in Kultur züchten.
1939 kehrte C. nach Frankreich zurück, übernahm eine Stelle im Gesundheitsministerium der Vichy-Regierung und wurde 1940 Direktor einer Fondation Carrel zum Studium menschlicher Probleme.
In seinen letzten Lebensjahren beschäftige sich C. mit philosophischen und religiösen Überlegungen. Sein Tod 1944 bewahrte ihn möglicherweise vor einer Verurteilung wegen Kollaboration mit der deutschen Besatzung.

W. (Auswahl): Das Wunder von Lourdes: mit Tagebuchblättern u. Betrachtungen aus d. Nachlass. Stuttgart: Deutsche Verl.-Anst, 1952; La prière. Paris: Plon, 1953; Der Mensch, das unbekannte Wesen. München: List, 1957; Tagebuch eines Lebens. München: List, 195


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3