Carpenter-Effekt

Carpenter-Effekt (auch: ideomotorischer Effekt, ideomotorisches Gesetz), beruht auf dem Phänomen, dass vorgestellte oder wahrgenommene Bewegungen in Form von mikromotorischen Reaktionen durchgeführt werden. Dieser ideomotorische Effekt wurde erstmals 1852 von dem englischen Physiologen William Benjamin Carpenter (1813–1885) beschrieben. Nach Carpenter regen die Sinnesempfindungen Vorstellungen an, denen sich intellektuelle (ideomotorische) Prozesse anschließen, die dann zu den gewollten Bewegungen führen. Diese nicht dem Willen unterworfene Bewegung komme vor allem dann zustande, wenn man mit Aufmerksamkeit etwas erwarte (expectant attention).
Willy Hellpach hat dieses Phänomen 1933 als > Ideo-Realgesetz auf alle subjektiven Wahrnehmungs- und Vorstellungsinhalte ausgedehnt.
Der C.-E. findet heute vielfältige Anwendung, insbesondere auch bei der Analyse der Wirkung von Werbespots, um in Ergänzung zu kognitiven Methoden (Befragungen, Tests) die Wirkung von Spots technisch physio-psychologisch zu messen.
Auf paranormologischem Gebiet versucht man damit Bewegungsformen wie > Pendeln, > Gläserrücken, Wünschelrutenausschlag, die > Gestützte Kommunikation und die verschiedenen Automatismen (Schreiben, Malen, Zeichnen usw.) wissenschaftlich zu erklären. Ob dabei die auslösende Vorstellung und Sinnesempfindung ihrerseits noch von anderen Einwirkungen verursacht werden, bleibt unbeachtet, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Lit.: Carpenter, William B.: On the Influence of Suggestion in Modifying and Directing Muscular Movement, Independently of Volition. Royal Institution of Great Britain, 1852. Weekly Evening Meeting, Friday, March, 12, p. 147–153; Hellpach, Willy: Elementares Lehrbuch der Sozialpsychologie. Berlin: Springer, 1933.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3