Caroll, Lewis

Caroll, Lewis, Ps. für Charles Lutwidge Dodgson  (*27.01.1832 Daresbury im County Cheshire; † 14.01.1898 Guildford im County Surrey), britischer Schriftsteller, Fotograf, Mathematiker und Diakon der anglikanischen Kirche.
C. verbrachte als ältestes von neun Kindern seine Jugend im Kreise seiner Familie, wo er schon mit sieben Jahren Bücher zu lesen begann. Mit 12 Jahren wurde er 1844 auf eine Privatschule geschickt, wo gleich seine besondere mathematische Begabung auffiel und in ihm ein echtes Genie gesehen wurde, ohne dies kundzutun. An dieser mangelnden Bestätigung hat C. zeitlebens gelitten, und sie könnte eine Ursache für sein Stottern, sein mangelndes Selbstbewusstsein und seine Identitätskrise gewesen sein. Schon in der Schulzeit las er intensiv Literatur- und Geschichtsbücher und veröffentlichte seine mit Zeichnungen versehenen literarischen Versuche im Schulmagazin und in der Familienzeitschrift Rectory Umbrella.
1850 schrieb sich C. in die Universität Oxford ein und ein Jahr nach Abschluss seines Mathematikstudiums 1854 wurde er als Tutor für Mathematik in Christ Church eingestellt; diese Position sollte er die nächsten 26 Jahre ausfüllen, obwohl ihn der Unterricht langweilte. 1856 legte er sich den Künstlernamen Lewis Caroll zu, unter dem er weltbekannt wurde.
C. ist der Autor der berühmten Kinderbücher Alice im Wunderland, Alice hinter den Spiegeln (oder Alice im Spiegelland) und The Hunting of the Snark. Seine Werke wurden zunächst als sogenannte Nonsense-Literatur bezeichnet, sind jedoch bis heute populär geblieben und haben nicht nur die Kinderliteratur, sondern auch Schriftsteller wie James Joyce oder die Surrealisten und  Kognitionswissenschaftler beeinflusst.
Bekannt wurde C. nicht zuletzt als Fotograf, da er bereits ab Mitte des 19. Jh. Fotografie als Kunst betrieb.
Neuere Studien weisen darauf hin, dass C. in mehreren Passagen der Alice-Geschichten sowohl genaue Kenntnis von der psychedelischen Wirkung des Fliegenpilzes hatte als auch mit den Visionen und Halluzinationen auslösenden Methoden der > Spiegelmantik vertraut war. Zudem beschäftigte er sich mit paranormalen Erscheinungen und dem Phänomen des >
Automatischen Schreibens, um seine Einfälle zu verstärken. Davon zeugen die zahlreichen Wortspiele und Wortneuschöpfungen seiner Alice-Bücher sowie seine Scherze über die Relativität von Raum und Zeit. Der Sinn seines Lebens aber war die Liebe. So schreibt er in dem seiner Meinung nach besten Gedicht:
Denn ich denke es ist Liebe,
denn ich fühle es ist Liebe,
denn ich bin sicher, dass es nichts
anderes ist als Liebe.

W.: Alice im Wunderland. Köln: Anaconda, 2009.
Lit.: Green, Roger L. (Hrsg.): The Diaries of Lewis Carroll, 2 Bde. [s.l.]: Casell, 1953.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3