Carlson, Chester Floyd

Carlson, Chester Floyd (* 8.02.1906 Seattle, Washington; †19.09.1968 New York), Physiker, Patentanwalt, Erfinder des modernen Fotokopierers.
C. studierte Physik und arbeitete nach Erlangung des B.S.-Grades in Physik am California Institute of Technology als Forschungsingenieur bei den Bell Telefon-Werken in New York City. Nach einem Jahr wechselte er in die Patentabteilung des Unternehmens und wurde dort Assistent eines Patentanwalts. Im Herbst 1934 heiratete er. Ab 1936 besuchte er die Abendklasse der New York Law School, wo er 1939 das Diplom als Patentanwalt erhielt, was ihm bei der Durchsetzung seiner Erfindungen sehr nützlich sein sollte.
An den Wochenenden studierte C. in der New York Public Library (NYPL). Da er die Bücher nicht kaufen konnte, unterzog er sich dem mühsamen Abschreiben. Dabei wurde ihm bewusst, welche Erleichterung ein einfaches Kopierverfahren bedeuten würde. Seine diesbezüglichen Versuche hatten zunächst keinen Erfolg, bis er in einer deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift auf einen Aufsatz des ungarischen Physikers Pál Sélenyi (1884–1954) stieß, in dem dieser über ein Verfahren zur elektrischen Übertragung und Aufzeichnung von fotografischen Bildern berichtete, das er bereits in den späten 1920er Jahren entwickelt hatte. Selényi nannte seine Erfindung „Elektrografie“ und beschrieb u.a. eine Methode, mit der er die zwecks Fernübertragung in elektrische Impulse zerlegten Bilder wieder sichtbar machen und auf einen Bildträger übertragen konnte. Diese Erfindung gab C. den entscheidenden Anstoß.
Er begann unverzüglich mit der Ausarbeitung eines Kopierverfahrens, das er „Electron Photography“ bzw. Xerografie (griech. xeros, trocken; graphein, schreiben), also „trocken schreiben“ nannte. Am 8. September 1938 meldete er die Erfindung als Patent an. Das erste Fotokopier-Experiment fand am 22. Oktober 1938 statt und wurde dann weiter ausgebaut. Ab 1960 wurde sein Konzept in allen xerografischen Bürokopierautomaten angewandt und bildet heute noch die Grundlage der digitalen elektrofotografischen Kopierer und Laserdrucker.
So wurde C. ein reicher Mann und förderte als solcher neben politischen, sozialen und humanitären Einrichtungen überraschenderweise auch die Parapsychologie. Dem ging eine völlige Abkehr vom Materialismus voraus, die vor allem von seiner Frau unterstützt wurde, welche um 1948 erste psychische Erlebnisse hatte. Eines Abends stellte sich C. selbst bei geschlossenen Augen, im Lehnstuhl sitzend, auf solche Erfahrungen ein. Ein Knall gleich einer Explosion ertönte im Raum, sodass der Hund aufsprang und die Frau Nachschau hielt.
C. begann daraufhin parapsychologische Literatur zu lesen, interessierte sich für > ASW und unterstützte die > American Society for Psychical Research (ASPR), was die Anstellung von Karlis > Osis, eine Programmerweiterung und die Errichtung des Chester F. Carlson Research Laboratory ermöglichte. C. selbst wurde Mitglied der ASPR und war von 1964 bis zu seinem Tod im Vorstand.

Lit.: Carlson, D.: The Beginning of Chester Carlson’s Interest in Parapsychology. PASPR 28 (1969) 5.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3