Canavesio, Orlando

Canavesio, Orlando (1915–1957), argentinischer Chirurg und Neurologe. Geboren in Buenos Aires, Argentinien, studierte C. Medizin und interessierte sich für die medizinischen und biologischen Aspekte der parapsychischen Phänomene. C. war einer der wenigen argentinischen Experten für die wissenschaftliche Diagnose von Geisteskrankheiten. Seine medizinische Doktorarbeit trug den Titel Electroencefalografia en los Estados Metapsiquicos. Es war dies die erste Dissertation in Lateinamerika mit einer parapsychologischen Thematik. 1946 gründete C. die Argentinische Medizinische Gesellschaft für Parapsychologie, die erste Gesellschaft überhaupt, welche Ärzte zur parapsychologischen Forschung anregte. Er gab auch die Revista Medica de Metapsiquica heraus. Zur Untersuchung des Verhältnisses von > ASW und Hirnphysiologie im Zusammenhang mit sog. Sensitiven bediente sich C. der Elektroenzephalographie (EEG). Dabei stellte er fest, dass sich Rute und Pendel für derartige Forschungen besser eigneten.
Ferner bemühte sich C., die Parapsychologie in den offiziellen Universitätslehrplan einzuführen. 1948 wurde er zum Vorsitzenden des Instituto de Psicopatología Aplicada ernannt, das im gleichen Jahr gegründet worden war, um abzuklären, ob die spiritistische Bewegung eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bedeute. C. hielt zahlreiche Vorträge zum Thema und befasste sich vornehmlich auf qualitativem Weg mit einer Reihe von Untersuchungen von Grenzfragen wie > Tischrücken, > Levitation, > Raps und anderen Phänomenen. Als führender Parapsychologe Argentiniens wurde er 1953 zum Ersten Internationalen Kongress für Parapsychologie in Utrecht, Holland, eingeladen. Leider starb C. allzu früh an den Folgen eines Verkehrsunfalls.
 
Lit.: Berger, Arthur S. / Berger, Joyce: The Encyclopedia of Parapsychology and Psychical Research. New York: Paragon House, 1991; Parra, Alejandro: Biology without  Metapsychics. A Bird without wings: Orlando Canavesio’s contribution to parapsychology. Journal of Parapsychology 71 (2007).
 


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3