Campanella, Tommaso

Campanella, Tommaso (*5.09.1568 Stilo / Süd-Kalabrien; † 21.05.1639 Paris), Dominikaner, Philosoph, Utopist, Revolutionär und Dichter; trat 1583 in den Dominikanerorden ein, studierte 1588 Theologie in Cosenza und kam 1589 nach Neapel. Wegen der Veröffentlichung der Schriften De investigatione rerum (1586, nicht erhalten) und Philosophia sensibus demonstrata (1589, erschienen 1591 in Neapel) wie auch wegen des Eintretens für die Lehre des Bernardinus Telesius (1508–1588) wurde C. 1591 und 1592 unter Häresieverdacht in Rom von der Inquisition festgenommen. Während mehrerer Prozesse veröffentlichte er die politischen Schriften De monarchia Christianorum (1593), De regimine Ecclesiae (1593), Discorsi ai principi d’Italia (1595) und Dialogo politico contra Luterani, Calvinisti ed altri eretici (1595). Als er 1598 freigelassen wurde, zettelte er in Kalabrien einen Aufstand gegen die spanische Vorherrschaft an, was ihm von 1599 bis 1626 eine Kerkerhaft in Neapel durch die Spanier einbrachte. In der Gefangenschaft verfasste er sein berühmtes Werk La città del sole (1602).
1602 wurde C. vom Heiligen Offizium in Rom verurteilt, was ihm von 1626–1629 eine weitere Kerkerhaft in Rom bescherte, aus der er von Urban VIII. befreit und rehabilitiert wurde. 1634 floh er vor den Nachstellungen der Spanier über Aix-en-Provence, wo er mit dem Astronomen N.C.F. de Peiresc und Pierre Gassendi zusammentraf, nach Paris. Dort stand er in enger Verbindung zu Richelieu und zum Kreis um Marin > Mersenne.
C. übernahm von Telesius einen erkenntnistheoretischen Sensualismus, trat gegen Kopernikus für Galilei ein und entwarf in seiner Metaphysik eine eigene Lehre von den „primalitates“ (Primalitäten): „Macht, Weisheit und Liebe“. Seine Philosophie im Denkstil der Renaissance ist eine Mischung aus Astrologie, Medizin, Kabbala und Theosophie. So finden sich unter seinen insgesamt 82 Schriften auch Abhandlungen über > Magie und >
Astrologie: De Sensu rerum et magia libri quattuor, pars mirabilis occultae philosophiae (1620), Tres magni influxus, welche gleichsam das 7. Buch der Astrologicorum libri 6 (1626) darstellt, die erstmals 1629 in Lyon erschienen.
In De Sensu rerum et magia entwickelte C. eine okkulte Philosophie. So werde die ganze Welt von einem Weltgeist, einem empfindenden Wesen erfüllt. Was nämlich in den Wirkungen vorhanden sei, müsse auch in den Ursachen enthalten sein. Daher könne kein Wesen einem anderen mitteilen, was es selbst nicht besitzt. Da auch Tiere Empfindungen hätten, die Empfindung aber nicht aus dem Nichts entstehe, sei anzunehmen, dass die Elemente als Ursachen ebenfalls empfinden, was besagt, dass auch Himmel, Erde, kurz: die ganze Welt ein empfindendes Wesen ist und der Mensch selbst eine verkleinerte Welt darstellt. Die Seele habe die Möglichkeit, aus dem Körper auszutreten und Verbindung mit der Geisterwelt aufzunehmen. Hierin sieht C. einen Beweis für die Unsterblichkeit. Was die Magie betrifft, so unterscheidet er eine göttliche, die auf dem festen Vertrauen zu Gott gründet; eine natürliche, die in der Kenntnis der Gestirne und der geheimen Naturkräfte besteht; eine dämonische, bei der man sich der Hilfe von bösen Geistern bedient. Hier ist auch sein Beitrag zur Medizin und Pharmazie in der Renaissance zu nennen.
In seinem „Sonnenstaat“ vermischt er Astrologie, Zahlenmystik und Sonnenkult. Der darin beschriebene Kommunismus hatte Einfluss auf die Geschichte des modernen Sozialismus.

W.: F. Campanellae: De sensu rerum et magia, libri quatuor, pars mirabilis occultae philosophiae, ubi demonstratur, mundum esse Dei vivam statuam, beneque cognoscentem; omnesque illius partes, partiumque particulas sensu donatas esse, alias clariori, alias obscuriori, quantus sufficit ipsarum conservationi ac totius, in quo consentiunt; & fere omnium naturae arcanorum rationes apetiuntur Tobias Adami recensuit, et nunc primum evulgavit. Francofurti: Apud Egenolphumg Emmelium, Impenisis Dodefridi Tampachii anno M. DC. XX, 1920; Campanella, Tommaso: Tutte le opere di Tommaso Campanella/a cura di Luigi Firpo. Milano: A. Mondadori, 1954.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3