Calvin, Jean

Calvin, Jean (10.07.1509–27.05.1564), christlicher Reformator und Theologe. Geboren in Noyon in der Picardie/Frankreich, studierte er in Paris, Orleans und Bourges. Ausgebildet in den Methoden der mittelalterlichen Scholastik und in Formen der humanistischen Gelehrsamkeit, erfuhr er unter protestantischer Beeinflussung 1530 eine entscheidende Veränderung seiner religiösen Einstellung: „Gott unterwarf mein Herz durch eine plötzliche Bekehrung der Gelehrigkeit.“ Er wandte sich dem Protestantismus zu, verließ wegen dessen Verfolgung 1534 Frankreich und verbrachte drei Jahre ohne festen Wohnsitz, indem er zwischen den Hauptstädten Europas hin- und herzog. Zu dieser Zeit schrieb er seine Psychopannychia (1534) und sein berühmtes Werk Institutio Christianae Religionis (1536). Ab 1536 fand er dann auf Einladung des reformierten Predigers Guillaume Farel in Genf eine bleibende Wirkungsstätte. Die Maßnahmen, die er und andere für die Kirchenreform vorsahen, erweckten jedoch den Widerstand einflussreicher Bürger und so wichen C. und Farel nach Straßburg aus, wo C. die Flüchtlingsgemeinde betreute. 1541 nach Genf zurückgerufen, verfasste er den Genfer Katechismus, worin der Sittenzucht absoluter Vorrang gegeben wurde. Übertretungen wurden aufgrund der vom Rat angenommenen „Ordonnances Ecclésiastiques“, die 1561 ihre endgültige Gestalt erhielten, hart bestraft, Todesurteile inbegriffen. 1559/60 erschien die Schlussfassung der Institutio.
Wie Luther wollte auch C. ausschließlich Schrifttheologe sein, wobei er besonderen Wert auf die unbedingte Prädestination, die Vorherbestimmung, legte.
In seinem Bemühen, das abgesunkene katholische Christentum zu strengen Moralbegriffen zurückzuführen, ließ er auch im Bereich des Okkulten volle Strenge walten, wie sein Eingreifen in die Hexer- und Hexenprozesse von Peney bei Genf 1545 zeigt. Ein halbes Dutzend Bürger wurden festgenommen, weil sie mit magischen Mitteln Mensch und Vieh verdorben hätten. Diese Hexer oder Ketzer wurden zweieinhalb Monate lang untersucht und gefoltert, damit sie ihre Sünden, nämlich die > Schwarze Magie, zugäben. Dann wurden sie zum Tod durch Erwürgen oder am Scheiterhaufen verurteilt. Wie im Ratsprotokoll vom 19. November 1545 zu lesen ist, griff C. persönlich in die Verfahren ein. „… [Calvin und Bernard] ersuchen, den Beamten des genannten Gebietes zu befehlen, dass sie die gesetzliche Untersuchung (Inquisition) gegen solche Häretiker anstellen, um diese so geartete Rasse des genannten Gebietes auszurotten“ (nach: O. R. Pfister, S. 33–34). C. verfolgte auch den berühmten Arzt und Wissenschaftler Michael Servet, der in Genf auf dem Scheiterhaufen als Häretiker endete, während der Spitalsdirektor von Genf und seine Frau als Pestseher auf grausamste Weise umgebracht wurden.
Den Gedanken der Gewissensfreiheit verwarf C., denn er war bis zum Fanatismus von prophetischem Eifer erfüllt. Einen Einblick in die Spannweite seines Geistes geben die Briefe. Zudem verfasste er Kommentare zu Büchern des AT und NT sowie Abhandlungen zu theologischen Einzelproblemen.

W.: Joh. Calvini Opera omnia in [novem] tomos digesta. Editio omnium novissima. Amstelodami, 1671.
Lit.: Pfister, Oskar Robert: Calvins Eingreifen in die Hexer- & Hexenprozesse von Peney, 1545, nach seiner Bedeutung für Geschichte & Gegenwart. Zürich: Artemis, 1947.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3