Cagliostro, Graf Alessandro

Cagliostro, Graf Alessandro, eigentlich Giuseppe Balsamo (*20.04.1743 Palermo; † 28.08.1795 Fort San Leo bei Urbino, Italien), Goldmacher, Betrüger, geistreichster Hochstapler des 18. Jh.
Als Sohn eines bankrotten Händlers ging C. bei einem Apotheker in die Lehre. 1769 verließ er nach mehreren Betrügereien seine Heimatstadt. In Messina wurde er angeblich von einem geheimnisvollen Griechen in die >
Alchemie eingeführt. In Rom heiratete er die erst vierzehnjährige Lorenza Feliziani, die ihm bei seinen Betrügereien eifrig zur Seite stand und durch ihre Schönheit interessante Bekanntschaften vermittelte. C. erhob sich schließlich selbst in den Rang eines Majors der preußischen Armee. Der Betrug wurde entdeckt, C. verhaftet und ausgewiesen. 1771 pilgerte er nach Santiago de Compostela, finanziert vor allem durch die Attraktivität seiner Frau. Dann reiste er nach London, wo er sich den Lebensunterhalt als Goldmacher, Wunderheiler und Geisterbeschwörer wie als Zuhälter und Liebhaber verdiente. Bei seinen Reisen durch Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien und Spanien fanden sich zunächst keine spendenfreudigen Opfer. C. behauptete daraufhin, im Besitz des > Steines der Weisen (lapis philosophorum) zu sein und nicht nur Gold machen, sondern auch Gesundheit, Schönheit und Jugend bewirken zu können.
Um 1775 begründete er eine eigene Freimaurerei, die er die > Ägyptische Freimaurerei nannte und die von da an zum System seiner Hochstapelei gehörte. In diesem ägyptischen Ritus, der zuerst um 1782 auftauchte und von Goethe im „Großkophta“ köstlich beschrieben wird, verfocht C. den Grundsatz, dass auch Frauen in den Orden aufgenommen werden müssten. Er behauptete, den exotischen Ritus durch ein in London entdecktes Manuskript kennengelernt zu haben, womit er in Bezug auf Vorschriften und Versprechungen zur einzigen Autorität wurde. Während des Rituals wurde der Großkophta, wie C. sich nannte, nackt und eine Schlange in der Hand haltend auf einer goldenen Kugel in einen Raum herabgelassen. Seine Jüngerinnen soll er aufgefordert haben, sich der profanen Kleider zu entledigen, denn wenn sie die Wahrheit empfangen wollten, müssten sie so nackt sein wie das Leben selbst. Zudem versprach er, dass die Ägyptische Freimaurerei ihre Mitglieder durch > Wiedergeburt zu körperlicher und moralischer Vollkommenheit führen und den Gnadenzustand vor dem Sündenfall herstellen würde. Zum Erreichen dieses Zieles erlegte er seinen Anhängern 40 Tage der Kasteiung und des Fastens auf und versprach ihnen dafür ein Leben von mindestes 5557 Jahren.
1776 faszinierte C. als Glücksritter die Londoner Gesellschaft. Er nannte die richtigen Zahlen der Staatslotterie, wurde der „Sabotage“ bezichtigt und ins Gefängnis geworfen. Dann verließ er das Land in Richtung Frankreich, wo er durch unerklärliche Heilkünste Aufsehen erregte. Im März 1779  kam er nach Mitau im damaligen zu Russland gehörenden Kurland und gründete eine Freimaurerloge, in der auch Frauen zugelassen wurden. Bei seinem anschließenden Aufenthalt in St. Petersburg scheiterte sein Versuch, dort unter dem Schutz von Katharina II. (1729/1762–1796) sein System zu verbreiten. Auch in Warschau  wurde C. nach anfänglichen Erfolgen entlarvt und musste die Stadt fluchtartig verlassen. Er begab sich sodann nach Straßburg, in die Hochburg der mystischen Freimaurerei, und erwarb sich die Gunst des Prinzen Louis René de Rohan (1734–1803), Kardinal und Erzbischof von Straßburg. Er begann ohne Unterschied Arme und Reiche zu heilen und erzielte mit seinen Methoden einer magischen Medizin auch gewisse Erfolge. Zudem sprach er fast alle europäischen Sprachen und besaß eine hinreißende Beredsamkeit. Für die einen war er ein göttlicher Wundermann, für die anderen ein geistreicher Betrüger. 1781 besuchte ihn sogar > Lavater in Straßburg, konnte ihm aber lediglich folgende Worte entlocken: „Sind Sie von uns beyden der Mann, der am besten unterrichtet ist, so brauchen Sie mich nicht; bin ich es, so brauche ich Sie nicht“ (Schreiber, S. 182).
C. reiste anschließend durch Italien und Südfrankreich, wo er 1784 die „Mutterloge“ seiner Ägyptischen Freimaurerei gründete. Inzwischen wurde sein System auch in Paris bekannt, wo am 5. Juli 1785 eine Loge genehmigt wurde. Damit war der Höhepunkt seiner Karriere als der von ihm selbst benannte „Großkophta“ der Ägyptischen Maurerei erreicht. Schon im folgenden Jahr wurde C. wegen seiner Beteiligung an der berühmten Halsbandaffäre mit der Königin zunächst in der Bastille inhaftiert und dann des Landes verwiesen. Sein Stern begann zu sinken. Nach vergeblichen Bemühungen in London ging er nach Rom, wo er eine Loge nach seinem System errichtete. Zwei Beauftragte der Inquisition ließen sich in das System aufnehmen und denunzierten es. Die Loge wurde geschlossen und C.  unter Berufung auf die Bullen von Clemens XII. und Benedikt XIV. der Häresie, Zauberei und Freimaurerei bezichtigt und zum Tod verurteilt, später jedoch (1791) zu lebenslanger Haft begnadigt. Er starb im päpstlichen Gefängnis San Leone bei Urbino. Seine Frau und Komplizin wurde in ein Kloster gesteckt.
Das Leben von C. diente häufig als Vorlage für künstlerische Gestaltungen, z.B.: Schiller, „Der Geisterseher“ (1789); Goethe, “Der Großkophta“ (1791); H. W. Geißler, „Der Zauberlehrling“ (1918); Tolstoi, „Graf Kaliostro“ (1921); A. Dumas, „Memoire d’un Medicine“ (1948) J. v. Günther, „C“ (1949).

W.: Barberi, Giovanni: Compendio della vita, e delle gesta di Giuseppe Balsamo denominato il conte Cagliostro. Roma, 1791; Marcello, Stefano Antonio: Leben und Thaten des Joseph Balsamo, des sogenannten Grafen Cagliostro. Zürich, 1791; McCalman, Iain: Der letzte Alchemist: die Geschichte des Grafen Cagliostro. Frankfurt a. M.: Insel-Verl., 2004; Schreiber, Hermann: Handbuch des Okkultismus. München: Drei-Ulmen-Verlag; AVA, 2006.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3