Cäsarius von Heisterbach

Cäsarius von Heisterbach (* um 1180 vermutlich in Köln; † 1240 vermutl. im Kloster Heisterbach), Zisterzienser (OCist: Johann Vatiguerro = Br. Johann vom gespaltenen Felsen) und theologischer Schriftsteller. In Köln ausgebildet, wurde C. 1199 Zisterzienser, dann Novizenmeister und um 1227 Prior des Klosters. Um 1233 kam er nach Magdeburg, um Elisabeth von Thüringen aufzusuchen. C. verfasste zahlreiche Schriften, von denen er selbst 36 auflistete, angereichert mit zahlreichen Beispielen. Auf Befehl seines Abtes fasste er alle Erzählungen, die er beim Unterricht seiner Schüler benutzte, zusammen. Besonders der Novizenunterricht regte ihn an, Wunder-Beispiele einzubauen. So entstanden in der Zeit von 1219–1223 der Dialogus magnus visionum atque miracolorum (Großer Dialog von den Gesichten und Wundern) und zwischen 1225 und 1227 die Libri VIII miracolorum (Acht Bücher über die Wunder).
Sein Hauptwerk, der Dialogus, ist ein Lehrgespräch zwischen „fragenden Novizen“ und „antwortendem Mönch“. Die 746 Kapitel verteilen sich auf Codices (Bände) zu je 6 Distinctiones (Abteilungen). Jede der 12 Distinctiones behandelt ein eigenes Thema: äußere und innere Bekehrung zum Klosterleben, Beichte, Versuchung, Versucher, Herzenseinfalt, Marienwunder, Visionen, Eucharistie, allgemeine Wunder, das Sterben und das göttliche Gericht über die Sterbenden.
Die Abteilung 5 über den Versucher enthält 56 Teufelsgeschichten, die mehr dem Volksglauben als der Theologie entnommen sind. Der Teufel, der sich immer den Umständen anpasse und in Gestalt von Mensch und Tier (Kröte, Hund, Affe oder Katze) erscheinen könne, habe mit Personen beiderlei Geschlechts sexuellen Kontakt, mit den Frauen als > Incubus, mit den Männern als > Succubus. Durch das Kreuzzeichen und die Verwendung von Weihwasser könne man ihn wieder vertreiben.
Jeder Mensch habe zwei Engel, einen guten zum Schutz und einen bösen, der ihn versucht. Beide könnten ihn jedoch nicht gewaltsam beeinflussen, weil der Mensch den freien Willen hat. Die Visionen enthalten auch verschiedene Prophezeiungen, die sich vor allem auf das Schicksal der katholischen Kirche beziehen.
Von den ursprünglich geplanten 8 Libri vollendete C. nur 2 mit 45 und 42 Kapiteln. Diese sind nicht als Lehrgespräche verfasst und weisen keine thematische Bindung auf. Wegen der schlichten Sprache, der geistlichen Belehrung und der moralischen Erbauung wurden die Werke auch in die Volkssprachen übersetzt.
Der C. häufig zugeschriebene Liber mirabilis mit einer Prophezeiung für die Jahre 1774 bis 1809 ist ein anonymes Werk, das 1522 in Frankreich und 1524 in Rom erschien und öfters nachgedruckt wurde.

W. (Auswahl): Von Geheimnissen und Wundern des Caesarius von Heisterbach: ein Lesebuch. Bonn: Bouvier, 1991; Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach. Düsseldorf: Droste, 1993; Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach: aus der einzigen Londoner Handschrift. Hildesheim: Weidmann, 2002; Das Leben der Heiligen Elisabeth. Marburg: Elwert, 2007.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3