Caedmon

Caedmon, auch Cadmon (*650?, † 680), hl. (Fest: 11. Februar), der erste christliche Dichter Englands. Der einzige Hinweis auf C. findet sich in der Historia Ecclesiastica gentis Anglorum (731) des englischen Theologen und Historikers > Beda Venerabilis („der Ehrwürdige“, um 673–735). Nach Beda (Hist. IV, 24) war C. ein ungebildeter Hirte und dann Angestellter des 657 von der hl. Hilda gegründeten Doppelklosters Whitby, and Streoneshalh. Eines Nachts sah C. im > Traum (Vision) jemanden neben sich stehen, der ihn beim Namen nannte und aufforderte, die Schöpfung zu preisen. Daraufhin begann er zum Lobpreis Gottes in Versen zu singen, die er vorher nie gehört hatte. Diese Verse sind als Cadmon’s Hymn (Caedmons Schöpfungshymnus) bekannt, die Beda ins Lateinische übertrug.
Am Morgen erzählte C. davon Hilda, der Äbtissin des genannten Klosters, und tat ihr und den Gelehrten des Klosters die Verse kund. Alle waren überzeugt, dass er eine göttliche Gabe erhalten hatte. Als C. weitere heilige Berichte in ausgezeichnete Verse goss, lud ihn Hilda ein, als Laienbruder in das Kloster einzutreten. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens durch Umsetzung biblischer, theologischer und spiritueller Texte in Verse. Er nahm ganze Texte auf und verwandelte sie dann, gleich einem Wiederkäuer, in liebliche Verse. Die sog. Caedmon-Gedichte finden sich in einem einzigen Manuskript, das aus dem 10. Jh. stammt und in der Bibliotheca Bodleiana der Oxford Universität aufbewahrt wird. Nicht wenige englische Wissenschaftler zweifeln die Autorschaft Caedmons jedoch inzwischen an.
C. starb im Kloster Whitby und wurde, wie auch viele andere Heilige, aufgrund der ihm zugeschriebenen Wunder vom Volk und auch kirchlich als Heiliger verehrt, ohne je formell heiliggesprochen worden zu sein.

Lit.: Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum. [Straßburg]: [Heinrich Eggestein], 1475; Grein, Christian Wilhelm Michael: Dichtungen der Angelsachsen, stabreimend übers. 2 Bde. Heidelberg: Carl Winter, 1930.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3