Caeculus

Caeculus (lat., „der ein wenig Blinde“, „der Feuergezeugte“). Nach Berichten von Cato und Plinius habe unter dem 5. römischen König Tarquinius Priscus (angeblich 616–579 v. Chr.) das Dienstmädchen der Königin Tanaquil, Ocresia, am Kaminfeuer sitzend einen Phallus im Feuer gesehen, der mehrere Tage sichtbar war. Wie Ovid in seinen Fasti weiter berichtet, sollte laut Prophezeiung der Etrusker jenes Mädchen, das sich mit dem im Feuer erschienenen Phallus vereinigte, ein Kind mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Welt bringen. Auf diese Weise wurde Servius Tullius, der Nachfolger des Tarquinius Priscus, bzw. C., gezeugt.
Ocresia setzte das neugeborene Kind unweit vom Tempel des > Jupiter aus, wo es Mädchen auf freiem Feld bei einem brennenden Feuer fanden, weshalb sie den Knaben für einen Sohn des > Vulcanus hielten; seiner kleinen Augen wegen nannten sie ihn C. Als Erwachsener gründete C. Praeneste bei Rom, lud zu öffentlichen Spielen ein, bezeichnete sich dabei selbst als Sohn des Vulcanus und forderte den Gott auf, seine Aussage durch ein Wunder zu bestätigen. Plötzlich wurde die ganze Versammlung von einer Flamme umgeben, alle wurden angehalten, Wohnung in Praeneste zu nehmen und C. als Regenten anzuerkennen.

Lit.: Cato, Marcus Porcius: Opere. Torino: Unione Tipografico-Editrice Torinese, 2001; Ovidius Naso, Publius: Fasti: München: Artemis & Winkler, 2001.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3