Cadmus

Cadmus, auch Kadmos, Sohn des Agenor, des Königs der Phönikier, und der Telphassa, Bruder der > Europa.
Nach der Entführung der Europa durch > Zeus wird C. vom Vater ausgesandt, seine Schwester zu suchen. Er wendet sich an das > delphische Orakel, das ihn beauftragt, einer Kuh bis zu ihrem Rastplatz zu folgen und dort eine Stadt zu gründen. C. folgt der Weisung und gründet Kadmeia, Burg und Stadtkern des späteren Theben. Einen von >
Ares abstammenden Drachen, der einige Gefährten des C. tötet, erlegt er mit Steinwürfen. Auf den Rat der > Pallas Athene hin reißt er ihm die Zähne aus und sät sie in die Erde. Aus der Saat gehen bewaffnete Männer hervor, die sich gegenseitig umbringen. Auf die fünf Überlebenden führten die thebanischen Adelsgeschlechter ihre Abstammung zurück.
Nach acht Jahren Buße wegen der Tötung des Drachens wird C. durch die Heirat mit > Harmonia, der Tochter des Ares, ausgezeichnet. Bei der Hochzeit auf Kadmeia sind alle Götter anwesend. > Hephaistos schenkt Harmonia das verhängnisvolle Halsband (> Alkmaion). Aus der Ehe gehen Polydoros und vier Töchter hervor.
C. soll das phönikische Alphabet nach Griechenland gebracht haben. Im Alter wurden er und Harmonia laut Ovid in Illyrien, wohin sie gezogen waren, in Schlangen verwandelt und zuletzt ins > Elysion versetzt.

Lit.: Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 1988; Calasso, Roberto: Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia. Frankfurt am Main: Insel-Verl, 1991; Kühr, Angela: Als Kadmos nach Boiotien kam: Polis und Ethnos im Spiegel thebanischer Gründungsmythen. Stuttgart: Steiner, 2006.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3