Bulgarien

Bulgarien, Republik in Südosteuropa, die an Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Serbien und die Türkei grenzt. Seit 1. Januar 2007 ist B. Mitglied der Europäischen Union.
Geschichte
Die frühesten Bewohner von B. waren die Thraker, ein arisches Volk, das von den Römern zu Beginn der Kaiserzeit unterworfen wurde. Nach der Verwüstung durch die Völkerstürme der Goten und Hunnen wurde B. von Slawenstämmen besiedelt. 679 siedelte sich das nicht-slawische (finnische) Volk der Bulgaren zwischen der Donau und dem Balkan an und gründete ein großes Reich (681–1014/18). Kan Boris I. (852–889), der sich 864 taufen ließ, versuchte eine von Rom und Byzanz unabhängige Kirche zu errichten. 1018 wurde Bulgarien vom byzantinischen Kaiser Basilius II. unterworfen, die Privilegien der Kirche und des Adels blieben jedoch unangetastet. 1393 bzw. 1396 kam ganz Bulgarien unter osmanische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte. Um 1800 erhob sich der geistig-nationale Widerstand mit der Forderung nach Unabhängigkeit, die nach blutigen Kämpfen im russisch-türkischen Krieg (1877–1878) mit dem Friedensvertrag von San Stefano 1878 erlangt wurde.
Dabei knüpften die Bulgaren wieder an antike und frühere bulgarische und byzantinische Traditionen an, die sich in den Farben, Rhythmen und Melodien der bulgarischen Folklore, in der Schönheit der bulgarischen Künste und des Handwerks, in den lebendigen Sitten und Bräuchen widerspiegeln.
Paranormologische Aspekte
Im bulgarischen Teil Thrakiens folgte man zunächst dem gemäßigten Dualismus der gnostischen Gruppen der Altbogomilen (> Bogomilen) und > Paulizianer. Auf dem Katharer-Konzil von St. Félix-de-Caraman (1167) wurden die > Albigenser vom Bogomilen-Bischof Niketas für die radikal-dualistische Lehre der Kirche von Dragowista in Thrakien (B.) gewonnen.
Schon seit slawischer Zeit spielt in B. die Vorstellung von > Vampiren eine große Rolle.
Weiters gibt es im volkstümlichen Weltbild der Bulgaren die häufig beschriebene und mysteriöse Märchengestalt des bösen > Drachens. Von ihm handeln viele Volkslieder zu den Frühlingsfesten, dem Lazarustag, zu Ostern und am Georgstag. Das darin beschriebene Ungeheuer war eigentlich halb Mensch, halb Drache und konnte nur von seiner Auserwählten gesehen werden, die es angeblich nachts in der Gestalt eines schönen, jungen Mannes besuchte.
In die bulgarische Volkskunst kam die Gestalt des Drachens über die slawische Mythologie, in der die > Schlange vergöttert wurde. So erzählt auch die Legende über den Drachen, dass er sich mal in eine Schlange, mal in eine Eidechse oder in einen Fisch verwandelte. Die alten Bauern glaubten, dass der Gewittersturm ein Kampf unter Drachen sei; ferner, dass er die Regenwolken aufhalte und daher Dürre ausbrach. Daher veranstalteten die Männer nachts eine symbolische Drachenjagd und gingen anschließend gemeinsam baden, in der Hoffnung, dass nun der für die Ernte wichtige Regen einsetzen werde.
Die alten Bulgaren nannten den ersten Tag des Monats Mai auch den Schlangentag. Ging man an diesem Tag auf das Feld zur Arbeit, so der > Aberglaube, werde man im Sommer von einer Schlange gebissen. Um sich dagegen und überhaupt gegen die Einwirkung des Bösen zu schützen, wurde speziell an diesem Tag von den jungen Mädchen und Burschen auch > Knoblauch gepflückt.
In einer vielfältigen Symbolgestaltung und -deutung spiegelt die bulgarische Folklore einerseits den landwirtschaftlichen Jahreszyklus und den Lebenszyklus der Menschen wider, andererseits wird die historische Zeit der Bulgaren miteingeflochten, deren Interpretation ihren eindruckvollsten Ausdruck im bulgarischen Epos findet. Dort steht die Gestalt des Helden im Vordergrund, am häufigsten Krali Marko mit seiner unbändigen Kraft und seinem Sonderverhältnis gegenüber der türkischen Invasion auf dem Balkan im 14. Jh.
Später finden wir in B. auch die > Freimaurerei, während der aus B. stammende Philosoph und Pädagoge Omraam Mikhael > Aivanhov (1900–1986), Schüler von P. Deunov in Bonfin in Frankreich, die „Universelle Weiße Bruderschaft“ auf der Basis einer universellen Philosophie gründete, die anhand von > Theosophie, > Kabbala und östlichen Weisheitslehren Antworten auf Lebensfragen zu geben versucht.
Einen besonderen Stellenwert haben in B. nicht zuletzt alternative Heilmethoden (> alternatives Heilen).
In der wissenschaftlichen Erforschung des Paranormalen war vor allem Dr. Georgi > Lozanov, der am 22. Juli 1926 in Sofia geborene Begründer der > Suggestopädie, die treibende Kraft. Er wurde allerdings deswegen von den kommunistischen Machthabern lange Zeit verfolgt, bis er schließlich ins Exil nach Österreich ging. Später war es sogar möglich, dass eine vierköpfige Ärztekommission bei der Geistheilerin Krassimira > Dimowa deren Fähigkeit des Aurafühlens testete (Dimova). In diesem Zusammenhang hat vor allem auch die „blinde Prophetin“ Wanga > Dimitrowa Aufsehen erregt.

Lit.: Ostrander, Sheila: Psi: die wissenschaftliche Erforschung und praktische Nutzung außersinnlicher Kräfte des Geistes und der Seele im Ostblock / Schroeder, Lynn. Bern; München: Scherz, 171983; Aivanhov, Omraam Mikhael: Die Kraft der Gedanken. Fréjus (F): Prosveta Verlag, 21997; Dimova, Krassimirà: Mein Weg zur Heilerin. Grenzgebiete der Wissenschaft 40 (1991) 4, 311–333; Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000. Oberste, Jörg: Der „Kreuzzug“ gegen die Albigenser: Ketzerei und Machtpolitik im Mittelalter. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003; Lauhaus, Angelika: Bulgarien zwischen Byzanz und dem Westen: Beiträge zu Kultur, Geschichte und Sprache. Nümbrecht: Kirsch, W., 2008.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2