Bugni, Chiara

Bugni, Chiara (4.10.1471–17.09.1514), Franziskaner-Tertiarin, selig (Fest: 17. September nach dem Franziskanischen Martyrologium). In Venedig geboren, erhielt sie bei der Taufe den Namen Bianca. Schon früh zur Waise geworden, trat sie dann mit 18 Jahren bei den Franziskaner-Tertiarinnen des Spitals vom Heiligen Grab in Venedig ein, wobei sie den Namen Chiara annahm. Trotz ihrer schwächlichen Gesundheit führte B. ein strenges Bußleben, begleitet von außergewöhnlichen Phänomenen: mystische Vermählung, Stigmen, Erscheinungen von Jesus und Maria, häufige Ekstasen. Ihr tugendhaftes Leben wurde von vielen Menschen ihrer Zeit geschätzt, die sie des öfteren aufsuchten. Kardinal Grimani und der Patriarch von Venedig, Antonio Suriano, erkannten ihre mystischen Phänomene an. 1504 wurde sie einstimmig zur Oberin gewählt und sieben Jahre später hätten sie die Schwester in ihrem Amt bestätigt, doch setzte der zuständige Franziskanerprovinzial eine andere Oberin ein. Man beschuldigte sie, durch ihre Strenge die Gemeinschaft zu stören, und stellte sie vor die Alternative, entweder das Kloster zu verlassen oder sich in einer Einzelzelle weitab von den anderen einzuschließen. B. wählte die einsame Zelle, wo sie unter unsäglichen Leiden, jedoch in tiefer Verbundenheit mit Gott, die zwei letzten Jahre ihres Lebens verbrachte.

Lit.: Marcus Lisbonensis: Croniche degli ordini instituiti dal P. S. Francesco. In Napoli: per Nouello de Bonis ..., 1680; Cornaro, Flaminio: Ecclesiae Venetae antiquis monumentis nunc etiam primum editis illustratae ac in decades distributae. Venetiis: Pasquali, 1749.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2