Buddhi

Buddhi (sanskr., Intellekt), höhere geistige Fähigkeit oder das Organ der Erkenntnis, Urteilskraft und Entscheidung. In den verschiedenen philosophischen Systemen wird B. zwar unterschiedlich definiert, steht aber insgesamt im Gegensatz zu > Manas, Verstand, dessen Bereich das gewöhnliche Bewusstsein und die Verbindung des > Atman mit den Sinnen ist. B. wirkt jedoch in den von Manas eingerichteten Sinnen als höhere Fähigkeit, befindet sich als solche im tiefsten Innern unseres Seins und ist die dem Atman, unserem Selbst oder Geist, am nächsten liegende geistige Gabe, im transzendentalen Sinn auch „Weltseele“ oder „Weltsubstanz“ genannt.
In der Samkhya-Yoga-Philosophie ist B. das erste Prinzip, das sich aus der > Prakriti, der unbewussten Materie, dem transparenten Reflektor für das reine Bewusstsein, > Purusha, herleitet, mit dem B. sich irrtümlich identifiziert. Zur Erlösung muss B. daher zur Unterscheidung zwischen sich selbst als unbewusster Materie, Prakriti, und dem unabhängigen und transzendenten Prinzip des reinen Bewusstseins, Purusha, gelangen. B. gilt als das hervorragendste innere Organ der Unterscheidung oder des Urteils.
Bei. H. P. > Blavatsky ist B. der 6. Körper des Menschen, bei Annie > Besant die 4. Ebene, die Ebene des spirituellen Körpers, der Glückseligkeit und der Einweihung, bei Rudolf > Steiner der „Äthergeist des höheren Menschen“ und bei > Paracelsus die Geistseele.

Lit.: Hartmann, Franz: Paracelsus als Mystiker. München-Pasing: Drei Eichen Verlag Hermann Kissener, 1963; Spiesberger, Karl: Magische Einweihung: esoterische Lebensformung in Theorie und Praxis. 2. Aufl. v. Hermetisches ABC Bd. I. Berlin: Richard Schikowski, 1976; Glasenapp, Helmuth von: Die Philosophie der Inder: eine Einführung in ihre Geschichte und ihre Lehren. Stuttgart: Kröner, 41985; Bhagavadgita: das Lied der Gottheit / Neu bearb. u. hg. v. Helmuth von Glasenapp. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2