Buchanan, Joseph Rodes

Buchanan, Joseph Rodes (*11.12.1814 Frankfort, Kentucky, USA; † 26.12.1899 San José, Kalifornien). B. promovierte 1842 an der Louisville Universität in Medizin und war von 1846 bis 1856 Professor für Physiologie am Eclectic Medical Institute in Covington, Kentucky, wo er von 1849 bis 1856 das Journal of Man herausgab. In der Folge war er an einem ähnlichen Kolleg in New York und in Boston tätig.
B. bezeichnete sich als den Entdecker des „Phrenomesmerismus“ und veröffentlichte 1843 einen phrenologischen Atlas mit einer neuen Einteilung der Gehirnregionen, wobei er schon 1838, noch vor der Lokalisierung des „Gefühlszentrums“ durch David Ferrier, die „Sensibilitätsregion“ ausmachte. Er beobachtete nämlich an einem gewissen Mr. Charles Inman, dass wenn dieser mit seinen Händen für kurze Zeit den Kopf eines Menschen berührte, er in der Lage war, erstaunlich genaue Angaben über dessen Charakter zu machen, was ihm auch bei völlig fremden Personen gelang. Im Zuge weiterer Experimente stellte B. fest, dass Inman dieselbe Fähigkeit aufwies, sobald er einen Brief oder einige Zeilen von jemandem auch nur einen Augenblick anfasste. Dabei brauchte er keinen Blick auf die Schrift zu werfen oder gar Kenntnis vom Inhalt zu nehmen. Für diese bis dahin unbekannte psychische Fähigkeit prägte er 1942 den Begriff > Psychometrie (griech. psyche, Seele; metreo, messen), worunter er ganz allgemein das „Messen“ durch die Seele oder das Erfassen und die Abschätzung aller Dinge verstand, die sich im Bereich der menschlichen Intelligenz befinden. Reaktionen dieser unbekannten psychischen Kraft verband er mit der „Sensibilitätsregion“. Einen höchst ungewöhnlichen Sinn für atmosphärische, elektrische und physikalische Zustände stellte er bei dem Baptistenbischof Leonidas Polk fest. So brauchte Polk in der Dunkelheit nur ein Stück Metall zu betasten und wusste sekundenschnell, das es z. B. Messing war. Zugleich spürte er einen typischen Geschmack auf der Zunge. Am Geschmack konnte er bei verbundenen Augen auch jedes andere Metall erkennen. Weitere Versuche anhand von Schriftstücken und Fotos, vor allem mit seiner sensitiv begabten Frau Cornelia, führten ihn zur Aussage, dass auch Vergangenheit und Zukunft erfahrbar seien. Jeder Gegenstand, so auch der menschliche Körper, verfüge über eine subtile Emanation, die er „Nervenaura“ nannte.
Die Psychometrie ist für B. eine grundsätzlich menschliche Fähigkeit, die nicht der Geister bedarf, wenngleich er die spiritistische Hypothese nicht prinzipiell ablehnte. So war er von 1849–1855 der einzige Mediziner, der die > Fox-Schwestern verteidigte. Bei den Experimenten mit seiner Frau erhielt er in > direkter Schrift eine Botschaft vom „hl. Johannes“ und bei weiteren Sitzungen dieser Art sogar ein Porträt von Moses und anderen (Primitive Christianity). Diese Aussagen stießen natürlich auf Skepsis und stellten seine Arbeit in Frage. B. war jedoch ein intelligenter und ehrlicher Mediziner und Wissenschaftler.

W. (Auswahl): Manual of Psychometry: The Dawn of a New Civilization. Boston: F. H. Hodges, 1889; Primitive Christianity. San Jose, CA: Joseph Rodes Buchanan, 1897–1898.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2