Brückenvision der Ida von Nivelles

Brückenvision der Ida von Nivelles (* um 1199 Nijvel, Belgien; † 12.12.1231 Rameige), Zisterziensernonne, Mystikerin, sel. ( Fest: 12. Dezember). Ida weigerte sich, zu heiraten, und floh nach dem Tod des Vaters aus dem elterlichen Haus zu den > Beginen. 1215 trat sie in das Zisterzienserinnenkloster Kerkom bei Tirlemont ein, das 1216 nach Rameige, Belgien, verlegt wurde, wo sie Freundschaft mit zwei anderen Mystikerinnen schloss, > Ida von Leeuw und > Beatrijs von Nazareth.
In ihrer Vita, die bald nach ihrem Tod von einem Mönch niedergeschrieben wurde, ist von mehreren Erscheinungen und Visionen die Rede, die ihr zuteil wurden. Darunter wird in Kapitel IX von einer B. berichtet. Ida flehte in der Sorge um eine ihr bekannte Frau Gott um Hilfe an. In dieser Angst brach sie Blut, was bei ihrer sensiblen Art öfters geschah, sank in Ekstase, ihre Seele entfernte sich vom Körper und sie sah einen breiten Fluss, aus dem die Schreie der > Armen Seelen zu hören waren; „und über dem Fluss sah sie eine  Brücke, deren vorderer Teil einem schmalen, scharf geschliffenen Schwert glich. Und siehe, an demselben Ort vor der Brücke erschien ihr jene Frau, für welche sie Gott, dem Herrn, viele Bitten und Tränen demütigst dargebracht hatte. Sie erhob ihre Augen und sah jenseits des Flusses einen erquickenden Ort, anmutig eben und von wunderbarer Lieblichkeit, gleichsam das Paradies des Herrn, und am selben Ort sah sie den Erlöser stehen ... Der Erlöser rief sie mit angenehmer Stimme herbei  und sprach: „Überschreite meine Freundin, den Fluss, und komm zu mir“ (nach Dinzelbacher, S. 179).

Lit.: Henriquez, Chrysostomus: Quinque Prudentes Virgines sive B. Beatricis de Nazareth, B. Aleydis de Scharenebecka, B. Idae de Nivellis ... Ord. Cisterc. praeclara gesta ... eruta / Hortensis Ord. Cisterc. Historiographus Generalis. Antverpiae, 1630; Dinzelbacher, Peter: Ida von Nijvels Brueckenvision. Sonderdruck aus: Ons geestelijk erf 52 (1978) 2, 179–194; ders.: Mittelalterliche Frauenmystik. Paderborn [u. a.]: Schöningh, 1993, S. 123–135.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2