Browne, Sir Thomas

Browne, Sir Thomas (*19.10.1605 London; † 19.10.1682 Norwich), bedeutender englischer Arzt und erfolgreicher Schriftsteller.
B. promovierte nach einer längeren Reise durch Frankreich, Italien und Holland an der Universität Leyden in Medizin. Nach England zurückgekehrt, wurde er 1637 in die Universität von Oxford inkorporiert und am 26. Juni 1665 als Ehrenmitglied in das Royal College of Physicians aufgenommen.
Seine schriftstellerische Tätigkeit wurde durch den unerwarteten Erfolg seines Buches Religio Medici geweckt, das zunächst unter Freunden als Manuskript zirkulierte und 1642 ohne seine Zustimmung veröffentlicht wurde, da das Werk eine Reihe religiöser Spekulationen enthielt. Der purgierte und autorisierte Text erschien dann 1643. Die Purgierung konnte die Kontroverse jedoch nicht beenden, brachte B. den Vorwurf des Atheismus ein und 1645 eine Entgegnung durch Alexander Ross mit seinem Buch Medicus Medicatus. Religio Medici wurde auf den päpstlichen Index gestellt und für die Katholiken noch im gleichen Jahr verboten. Dennoch fand es einen solchen Anklang, dass es nicht nur in mehrere Sprachen übersetzt wurde, sondern sich in einer lateinischen Version auch in den gebildeten Kreisen Europas verbreitete. In Religio Medici bestätigt B. seinen Glauben an die Existenz von > Hexen. 1664 führte seine Zeugenaussage beim Bury St. Edmunds Hexenprozess, an dem er 1662 teilgenommen hatte, zur Verurteilung zweier Frauen.
Einen noch größeren Erfolg hatte sein 1646 veröffentlichtes Buch Pseudoxia Epidemica, or Vulgar Errors, in dem er die sog. „Volksirrtümer“ bekämpft: > Wunderglaube, falsche Ansichten über Pflanzen, Metalle, Tiere, Menschen und Bilder, kosmologische und historische Fehldeutungen sowie Absurditäten hinsichtlich des Unerklärlichen in der Welt. Bei dieser Kritik setzte er nicht selten an die Stelle des einen Irrtums einen anderen, obwohl das Buch im Großen und Ganzen ziemlich sachlich ist, wenn man das Datum seiner Entstehung bedenkt. 1658 veröffentlichte B. Hydriotaphia, Urn Burial, worin er sich mit den Beerdigungsbräuchen der Welt befasst.
Weitere Werke erschienen postum: A Letter to a Friend (1656, veröffentlicht 1690), Christian Morals (1670, veröffentlicht 1716) und Musaeum Clausum (veröffentlicht 1684).

Lit.: A Bibliography of Sir Thomas Browne Kt. M.D., by Geoffrey Keynes, Kt. 2nd ed. revised and augmented. Oxford: Clarendon Press, 1968.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2