Brotvermehrung

Brotvermehrung (engl. multiplication of the loaves; it. moltiplicazione di pane), außergewöhnliche Vermehrung des Brotes. Nach dem Bericht aller vier Evangelien speiste Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen 500 Mann (Mt 14, 13-21; Mk 6, 32-44; Lk 9, 10-17; Joh 6, 1-15), wobei 12 Körbe mit Resten übrig blieben. Zudem berichten Mk 8, 1-10 und Mt 15, 32-29 von einer zweiten B. von 7 Broten und einigen Fischen für 4.000 Menschen, bei der sieben Körbe mit Resten übrig blieben.
In der exegetischen Deutung der Stellen bringt man die B. in Zusammenhang mit den Speisungsgeschichten des AT von Mose (Ex 16 und Num 11: Bericht von Manna und den Wachteln) und von Elischa (1 Kön 17,8-16; 2 Kön 4, 42-44). Durch diesen Vergleich mit den alttestamentlichen Stellen sollte die Überlegenheit Jesu aufgezeigt werden. Eine Befragung nach sachhistorischen Informationsgehalten dieser Erzähltradition von so hohem Symbolwert sei hingegen unangebracht. „Die Erzählungen greifen alle auf die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Hoffnungen von Menschen nach Heilsfülle und Befreiung von Notlagen zurück, deren Stillung man bei Jesus findet“ (LThK 2, 707). Dies mag zutreffen, das Ereignis der B. bleibt dabei unangesprochen. Die große Menge haben sicherlich nicht die Botschaften so beeindruckt, dass alle vier Evangelisten davon berichten, vielmehr war das Ereignis der B. derart außergewöhnlich, dass es nicht unerwähnt bleiben konnte und als historische Begebenheit zu werten ist.
Paranormologisch gesehen ist die B. daher in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: zum einen als ein Wunder quoad modum, d. h. ein Modalwunder und nicht ein Seinswunder, da Brote nicht geschaffen, sonder nur in ihrer Art, nämlich in der Zahl, vermehrt wurden. Es handelt sich also um eine Multiplikation von Vorhandenem. Die Vermehrung erfolgte allerdings nicht von Menschenhand oder technisch, sondern spontan ohne jedwedes Zutun der Menschen, weshalb die Menge aus dem Staunen nicht herauskam.
Darin liegt die zweite und eigentliche theologische Bedeutung der B., nämlich die Konfrontation der Menschen mit der Vollmacht Jesu, die äußeren Ereignisse zu bestimmen. Die B. selbst kann man als Materialisationsmultiplikation bezeichnen, die das menschliche Gestaltungsvermögen jedoch völlig übersteigt. Dabei erfolgte sie nicht als rein spontanes, zielloses Ereignis, sondern als eine auf die Zahl der Anwesenden dosierte Begebenheit.
Als Zeichen der Sättigung und als Symbol der Fülle bleiben 12 bzw. 7 Körbe übrig, ist doch die Zahl 12 eine heilige Zahl, in der die 7 und alle anderen heiligen > Zahlen enthalten sind (Endres, 209–221).
Die Deutung der B. als rein innerbiblische Symbolik unter Verzicht auf das historische Ereignis geht an der Realität vorbei. Ohne außergewöhnliche Ereignisse ist das Interesse für Jesus in einem solchen Ausmaß nicht zu verstehen.
Schließlich wird von B. auch im Leben von Heiligen berichtet (Lambertini, IV, I. Kap. 23; Thurston, 457–468), wie etwa bei Don Bosco (Lemoyne 6, 777; 18, 579).

Lit.: Benedictus, Papa, XIV: De servorum Dei beatificatione et beatorum canonizatione: liber 1–4; indices. Editio novissima. Venetiis: Zatta, 1788; Lemoyne, Giovanni Battista: Memorie biografiche di Giovanni Bosco. 20 Bde. San Benigno Canavese bzw. Torino, 1898–1948; Thurston, Herbert: Die körperlichen Begleiterscheinungen der Mystik / M. e. Vorw. v. Gebhard Frei. Luzern: Räber & Cie., 1956; Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 1–4. Freiburg: Herder, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2