Brot

Brot (lat. panis; engl. bread; it. pane), gebackener Teig, der aus einem gemahlenen Getreide, Wasser, Hefe und oft weiteren Zutaten hergestellt wird. Das feste, dunkle Äußere des Brotes heißt Kruste oder Rinde, das Innere Krume. Die Brotformen und Brotsorten sind vielfältig.
Das Getreide, seit Urzeiten ein Hauptnahrungsmittel des Menschen, umfasst sechs Arten, die auch heute noch einen wesentlichen Bestandteil der menschlichen Ernährung bilden: Hirse, Hafer, Gerste, Reis, Weizen und ab dem späteren Altertum auch Roggen. Mit der Entdeckung Amerikas gesellte sich noch der indianische Mais dazu.
Die älteste Zubereitung von Getreide ist der Brei. Später wurde dieser auf heißen Steinen oder in der Asche als Fladenbrot gebacken. Vor ca. 2000 Jahren begannen dann die Ägypter Brot zu backen, nachdem durch Zufall der Sauerteig entstanden war. Ein liegengelassener Teig für die Fladenbrotherstellung ging in Gärung über und wurde dennoch gebacken. Das Gebackene war aber nicht verdorben, sondern von Innen her durch viele kleine Gasbläschen aufgelockert und daher kaufähiger. Die anderen Völker nannten die Ägypter daraufhin, wie Hektaios von Milet um 500 berichtet, die „Brotesser“. Sie waren nämlich die Ersten, die Hefe kultivierten und damit die erste Bäckerhefe verwendeten. Im Kontakt mit Ägypten lernte Israel das B. kennen und über Israel gelangte die Kunst des Brotbackens schließlich nach Europa.
Als Hauptnahrungsmittel ist B. auch ein Symbol für spirituelle Nahrung, denn nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt. (Dt 8, 3; Mt 4, 3). So wurde bei den Ägyptern das auf den Altar gelegte B. von den Priestern gesegnet, und der Tote erwartete von den Göttern das B. des Lebens: „Ich sehe die Götter mir entgegenschreiten, sieben Brote tragend, die mir bestimmt sind, die mir das Leben verleihen" (Totenbuch, Kap. 1089).
Nach einem altmesopotamischen Mythos besitzt der Himmelsgott > An(u) das B. und das Wasser des Lebens. Im Judentum sind die ungesäuerten B. (massa, massot) Symbol des Passahfestes (Ex 23, 15) und die zwölf Schaubrote (Lev 24,5; Ex., 25, 30; Sam 21, 7) Sinnbild für das B. des Lebens. Im NT wird Christus zum Brot des Lebens (Joh 6, 48), zur Nahrung des ewigen Lebens und zum Fleisch für das Leben der Welt (Joh 6, 51).
Als Grundnahrungsmittel und somit als heilige Speise wird B. vor dem Anschneiden noch heute in manchen Gegenden mit einem Kreuz bezeichnet.
Bei den Germanen ist das älteste Wort „Laib“, während sich das Wort B. zuerst in der Zusammensetzung „Bîebrot“ findet (Paul, 146). Im Ringsmal der Edda nimmt die alte Edda einen Laib aus der Asche. Später kam das erhabene Brot auf (panis fermentatus), mit Hilfe eines Gärungsmittels gebacken. Die meiste Kraft hat nach deutschem Volksglauben das Schwarzbrot, denn die Seele des Hauses sitzt im grauen oder schwarzen Haus- oder Heimb. (Meyer, 209). Durch das Kreuzzeichen und die kirchliche Weihe wird das Brot zum Kraftträger für Leib und Seele (Franz 1, 262–278).

Lit.: Maurizio, Adam: Die Getreide-Nahrung im Wandel der Zeiten. Zürich: Orell Füssli, 1916; Meyer, Elard Hugo: Deutsche Volkskunde. Berlin; Leipzig: Vereinigung wissenschaftl. Verleger, 1921; Ägyptisches Totenbuch / übers. u. kommentiert von Gregoire Kolpaktchy. Bern: Barth, 1998; Franz, Adolf: Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. Bd. 1 u. 2. Bonn: Verl. Nova und Vetera, 2006; Deutsches Wörterbuch [Elektronische Ressource]: Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. Tübingen: Niemeyer, 2006; Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen / Übertr. v. Felix Genzmer; eingel. v. Kurt Schier. Kreuzlingen; München: Hugendubel, 2006.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2