Broad, Charlie Dunbar

Broad, Charlie Dunbar (* 30.12.1887 Harlesden, Middlesex; † 11.03.1971 Cambridge), britischer Philosoph.
B. studierte zunächst am Trinity College in Cambridge Naturwissenschaften und reichte 1911 auf Anraten von J. E. McTaggart und Bertrand Russel eine Dissertation über die Philosophie der Mechanik ein, auf deren Basis er 1914 seine erste wichtige Arbeit, Perception, Physics and Reality, veröffentlichte. 1923 folgten Scientific Thought und 1925 The Mind and Its Place in Nature. Von 1933 bis zu seiner Emeritierung 1953 war B. Professor für Moralphilosophie an der Universität Cambridge.
Die Klarheit und Vielfältigkeit seines Denkens im Bereich von Philosophie, Erkenntnistheorie, Induktionslogik, Naturphilosophie, Ethik und nicht zuletzt  Parapsychologie brachten ihm hohes Ansehen ein. Wegen seines besonderen Interesses an Erlebnisinhalten (Qualia) beteiligte er sich maßgeblich an der Entwicklung der Emergenztheorie und stellte sich in den Dienst der > Parapsychologie. 1920 wurde er Mitglied der > Society for Psychical Research, deren Präsident er 1935/36 und von 1958–1960 war. B. definierte die paranormalen Phänomene als nicht normale und nicht übernatürliche Phänomene. Einer seiner größten Beiträge auf diesem Gebiet ist sein Buch Religion, Philosophy and Psychical Research. Ferner interessierte er sich für frühere Mitglieder der Gesellschaft für Psychische Forschung wie Henry > Sidgwick, Edmund > Gurney und F. W. H. > Myers. Über die Medialität von Gladys Osborne > Leonard schrieb er  im Journal of The American Society for Psychical Research. In seiner Arbeit Lectures on Psychical Research befasste er sich neben der Medialität auch mit anderen Aspekten der Parapsychologie, so z. B. mit dem, was er als „Psi-Component“ bezeichnet – eine Art „Ätherfeld“, das den Menschen auszeichne und den Tod überdauern könnte. Er selbst hoffte allerdings, diesen nicht zu überdauern.

W. (Auswahl): Determinism, Indeterminism and Libertarianism. Cambridge: Cambr. Univ. Press, 1934; The Mind and Its Place in Nature. 3. impr. New York: Harcourt, Brace [überkl.]: London: Kegan Paul, Trench, Trubner 1937; Religion, Philosophy and Psychical Research. Selected essays by C. D. Broad. [Mit Fig.] (1. publ.). London: Routledge & Kegan Paul, 1953; Human Personality and the Possibility of its Survival. Univ. of California Press, 1955; Induction, Probability, and Causation. Dordrecht [u. a.]: LinkReidel, 1968.
Lit.: The Philosophy of Charlie Dunbar Broad. Ed. By Paul Arthur Schipp. New York, 1959.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2