Brentano, Clemens

Brentano, Clemens (*9.09.1778 Ehrenbreitstein bei Koblenz; † 28.07.1842 Aschaffenburg), bedeutendster deutscher Dichter der Hochromantik, Sammler deutscher Volkslieder, Biograf der Katherina > Emmerick.
Als Sohn eines Frankfurter Großkaufmanns kam B. früh zu seiner Tante nach Koblenz, wo er  von 1787 bis 1790 seine Schulzeit am dortigen Jesuitengymnasium und von 1791 bis 1793 am Philantropin in Mannheim verbrachte. Anschließend studierte er an verschiedenen Universitäten in Bonn, Halle, Jena und Göttingen Bergwissenschaft, Medizin und Philosophie, schloss aber seine Studien nicht ab. Mit dem Tod der Mutter (1793) und des Vaters (1797) fiel ihm ein beträchtliches Erbe zu, das ihm zur Unabhängigkeit verhalf. Im frühromantischen Zentrum Jena begegnete er Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck und Ernst August Friedrich Klingemann. Diese Begegnungen beeinflussten seine weitere Entwicklung. B. begann als freischaffender Dichter tätig zu werden. 1800 erschien seine frühromantische Satire Gustav Wasa und 1801 begann seine tiefe Freundschaft mit Achim von Arnim. 1803 heiratete er Sophie Mereau. 1804 zog er nach Heidelberg und war Mitarbeiter an Arnims Zeitung für Einsiedler und Des Knaben Wunderhorn. Als 1806 seine Frau starb, heiratete er wenig später Auguste Bußmann, von der er sich wieder trennte und schließlich scheiden ließ. Diese Ereignisse waren Grund genug, mit Achim von Arnim Heidelberg zu verlassen. Er zog nach Bayern und wechselte dann ständig seine Aufenthaltsorte: Berlin (1809–1811), Böhmen (1811–1813), Wien (1813–1814) und wiederum Berlin (1814–1818).
Vor seiner Rückkehr nach Berlin bewegte sich B. in Wien in Gesellschaft katholischer Persönlichkeiten, wie des Historikers Adam Müller und des Redemptoristen Clemens Maria Hofbauer. In Berlin verliebte er sich 1816 in die Pfarrerstochter Luise Hensel, die aber abwinkte, weshalb er in eine tiefe Krise geriet. Am 17. Februar 1817 legte er eine Generalbeichte ab, sagte sich von seinem bisherigen Schaffen los und fasste ein besonderes Interesse an der Historizität des NT, dessen Beweiskraft er gegen die rationalistische und liberale Bibelkritik der Zeit zu stärken suchte.
Am 24. September 1817 kam B. nach Dülmen, mietete sich dort ein und besuchte bis Weihnachten zweimal täglich die kranke Anna Katharina Emmerick. Er machte Aufzeichnungen darüber, auch in der Intention, bei Hensel die Konversion zum Katholizismus zu fördern. Nach deren Konversion blieb die Beziehung zu Hensel eine reine Seelengeschwisterschaft, die einige literarische Auswirkung haben sollte. Ab 1818 hielt sich B. wieder in Dülmen auf, um als „Pilger“ und „Schreiber“ die Visionen der Emmerick bis zu ihrem Tod 1824 aufzuzeichnen, die er dann zur Trilogie Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi (1833) – Das Leben der heiligen Jungfrau Maria (1852) – Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, 3 Bde. (1858–1860) –  verarbeitete; die beiden letzten Teile wurden posthum veröffentlicht. Diese Aufzeichnungen werden oft als ein reines Produkt B.s hingestellt. Emmerick habe nämlich ihre > Ekstasen, > Visionen und > Stigmen nach den Wünschen  von B. produziert. Diese Auffassung wird jedoch dem Sachverhalt nicht gerecht, was allein schon durch die Aufzeichnungen von Dr. Wesener widerlegt ist (Resch). Zudem sieht auch die Forschung heute in den Schriften von B. über Emmerick mehr als nur einen Roman. Unbestritten ist hingegen der Reichtum seiner Lyrik- und Märchensprache. Sie faszinierte nicht nur die französischen Symbolisten, sondern auch Autoren wie Theodor Fontane, Friedrich > Nietzsche, Thomas Mann, Hugo von Hoffmannsthal und A. H. Enzenberger.
1833 zog B. nach München und bewegte sich dort im Kreis seines Freundes Joseph > Görres.

W.: Brentano, Clemens: Gesammelte Werke, 4 Bde. Hrsg. von Heinz Amelung; Karl Vitor. Frankfurt a. M.: Frankfurter Verlags-Anstalt, 1923; Das arme Leben unseres Herrn Jesu Christi: nach d. Gesichten d. gottseligen Anna Katharina Emmerich, Augustinerin d. Klosters Agnetenberg zu Dülmen [Ausw. aus d. Tagebüchern d. Clemens Brentano] / [hrsg. u. mit e. Nachw. vers. von Theo Rody]. Aschaffenburg: Pattloch, 1980; Leben der Heiligen Jungfrau Maria / Anna Katharina Emmerich. Nach den Visionen der Augustinerin von Dülmen aufgeschrieben von Clemens Brentano. Stein am Rhein: Christiana-Verl., 1992; Resch, Andreas: Anna Katharina Emmerick. In: Grenzgebiete der Wissenschaft 53 (2004) 4, 291–314; Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus: nach den Betrachtungen der Augustinerin von Dülmen / Anna Katharina Emmerich. Aufgeschrieben und mit einem Lebensabriss der Begnadeten vers. von Clemens Brentano. Nachw. von Arnold Guillet. Stein am Rhein: Christiana-Verl., 2006.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2