Brault, Marie-Louise

Brault, Marie-Louise, geb. am 15.03.1856 als Tochter des Metzgers Joseph Richard und der Malvina-Susanne Thomas in Montreal, Kanada; † 14.03.1910 ebd.
B. war als junges Mädchen kränklich, hatte wiederholt Lungenblutungen und musste deshalb mit 15 Jahren ihre schulische Ausbildung abrechen. Sie wurde daraufhin von den Karmelitinnen aufgenommen, musste jedoch auch diese aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Schließlich heiratete sie 1877 den Notar Calixte Brault, mit dem sie elf Kinder hatte.
Ihr Leben verlief völlig normal, bis sie 1885 eine angebliche „Erleuchtung“ hatte und ein Leben der Sühne und Gottverbundenheit begann. 1897 kam es zu merkwürdigen Vorkommnissen. Nach den Berichten ihres Mannes hörte man Schritte auf dem Balkon, Fahrzeuggeräusche rund um das Haus, Schreie, Stühle fielen um und Gegenstände bewegten sich von selbst. Im Herbst 1898 wurde der Ortspfarrer François-Xavier Laberge, seit 1886 der Spiritual von M.-L., zu den Vorfällen gerufen. Er sah ein Kreuz, das durch zwei Räume wanderte und zu seinen Füßen niederfiel. Er informierte den Erzbischof von Montreal, Paul Bruchési, der ihn zu einem Exorzismus ermächtigte. Die daraufhin eingetretene Ruhe war jedoch nur von kurzer Dauer. Der Schwiegersohn der Braults, Dr. Albéric Lesage, führte von 23. November 1899 bis 7. Dezember 1902 ein Notizbuch, in das er nahezu täglich Eintragungen machte über Küchenutensilien, Bücher und Kerzenhalter, die sich durch das Haus bewegten; Stühle, Messer, Flaschen und andere Gegenstände, die M.-L. Brault verletzten, während die übrigen Familienmitglieder unbehelligt blieben. 1899 stellte Lesage an Mme. Braults Stirn auch fünf Wunden fest. Prof. Dr. Louis-Daniel Mignault von der Medizinischen Fakultät der Universität Laval in Montreal untersuchte die Wunden, aus denen Blut floss. Laut seinen Angaben befanden sich ähnliche Wunden an Händen, Füßen und an der Seite. Doch es waren nicht nur die Stigmen. B. aß auch fast nichts, ohne an Gewicht zu verlieren; sie schlief nachts nie mehr als eine Stunde, fiel häufig in Ekstase von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden und hatte hellseherische Erlebnisse.
In einem Schreiben des Erzbischofs Bruchési vom 2. März 1902 erhielt Laberge die Anweisung, vorsichtig zu sein. Am 18. März warnte er auch Mme. Brault dahingehend, dass es sich bei all diesen angeblichen übernatürlichen Phänomenen, mit denen ihr Leben ausgefüllt sei, um pure Einbildung handle, wenn nicht um Schlimmeres. Diese Aussagen wurden von Psychiatern unterstützt, die alles als Hysterie beurteilten. Ihr Biograf Louis Bouhier, der sie die letzten acht Jahre ihres Lebens betreute, bezeichnet B. als realitätsbezogene, ehrliche Frau.

Lit.: Bouhier, Louis Joseph Marie Emmanuel: Une mystique canadienne. Montreal: Beauchemin, 1941.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2