Brandon, Hexe von

Brandon, Hexe von, englische Hexe unbekannten Namens. Am 14. Oktober 1066 besiegte Herzog Wilhelm (ca. 1027–1087) mit einer normannischen Streitmacht in der berühmten Schlacht von Hastings die englischen Truppen. Er zog daraufhin nach London, ließ sich am Weihnachtstag in der Westminster Abbey zum König von England krönen und ging als Wilhelm I. der Eroberer in die Geschichte ein. Dem Werk des normannischen Adeligen Ivo Taillebois, De gestis Herwardi Saxonis, zufolge wurde Wilhelm dazu gebracht, besagte Hexe in ihrem Haus in Brandon aufzusuchen und um Rat zu bitten. Gemeinsam planten sie einen Zauber gegen den angelsächsischen Feind. Unglücklicherweise befand sich der angelsächsische Aufrührer Hereward the Wake, als einfacher Töpfer verkleidet, im gleichen Raum und hörte und sah alles, was vor sich ging. Als die Normannen den nächsten Angriff vorbereiteten, wurde die Hexe auf einen hohen hölzernen Turm gesetzt, von wo aus sie Verwünschungen und Bannflüche gegen die angelsächsischen Rebellen ausstieß. Hereward wies daraufhin seine Männer an, das Ried rund um die Normannen anzuzünden. Bald floh die Armee blindlings vor den Flammen und dem Rauch und viele kamen bei der Panik ums Leben. Wilhelm gehörte jedoch zu jenen, die sich retten konnten. Die Hexe von Brandon stürzte in der allgemeinen Verwirrung von ihrem Turm und brach sich das Genick.

Lit.: De Gestis Herwardi Saxonis = The exploits of Hereward the Saxon / / from an original manuscript, contained in a book compiled by Robert of Swaffham, in the possession of the Dean and Chapter of Peterborough; transcribed by S. H. Miller and translated by W. D. Sweeting. Peterborough: G. C. Caster, 1895.   

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2