Brandbestattung

Brandbestattung, Kremation (lat. cremare, verbrennen; engl. cremation; ital. cremazione). Die B. der Toten, von der erstmals in der Jungsteinzeit (6. Jh. – 1800 v. Chr.) Gebrauch gemacht wurde, begann sich in der älteren Bronzezeit (ca. 1300 v. Chr.) in ganz Europa durchzusetzen und kann als typisch für die heidnischen Germanen angesehen werden, wenngleich es dort immer auch die Körperbestattung gab. Das älteste schriftliche Zeugnis für die B. bei den Germanen findet sich bei Tacitus (um 55 –116), der berichtet (Germ. 27, 1), wie dem Toten Waffen und Pferd mitgegeben werden und er in einem Grabhügel beigesetzt wird.
Bei den Kelten wurde die Körperbestattung im 1. Jh. v. Chr. allmählich von der B. abgelöst, die schon vorher in der Hallstattzeit üblich gewesen war. Ein ähnlicher Wandel vollzog sich auch bei den Römern, bei denen es bereits seit längerer Zeit beide Begräbnisarten nebeneinander gegeben hatte. Ab dem 2. Jh. n. Chr. gingen vornehme Römer jedoch wieder zur Körperbestattung über, während sich die Kaiser bis in das 3. Jh. verbrennen ließen. Als schließlich Karl der Große 785 die B. in seinem Reich untersagte, waren in Europa ab dem 9. Jh. keine Brandbestattungen mehr möglich, hielten sich aber im nordosteuropäischen Raum vereinzelt noch bis um 1300.
1876 wurde in Mailand das erste europäische Krematorium in Betrieb genommen. Da jedoch viele Befürworter der B., darunter die > Freimaurer, eine antiklerikale Haltung einnahmen, sprach sich das Heilige Offizium am 19. Mai 1886 gegen die Feuerbestattung aus und verweigerte z. B. am 27. April 1892 jenen, welche die Verbrennung wünschten, die Beerdigung. Am 24. Oktober 1964 wurde in der Katholischen Kirche die B. schließlich freigegeben. Sie findet heute zwar aus hygienischen, wirtschaftlichen und räumlichen Gründen immer mehr Zustimmung, kann jedoch den Beigeschmack der bewussten Zerstörung nicht beseitigen und die natürliche Rückkehr zur Mutter Erde nicht ersetzen. Paranormologisch gesehen ist das Grab als Ruhestätte des Verstorbenen zugleich auch ein Stück Heimat der Lebenden, ein Hort der Trauerverarbeitung und der Verbundenheit mit der geliebten Person wie auch ein Tor zum Jenseits. 

Lit.: Heldwein, Johannes: Die Geschichte der Feuerbestattung und deutsche Krematorien. Frankfurt a. M.: Franzmathes, 1931; Schlenther, Ursula: Brandbestattung und Seelenglauben: Verbreitung und Ursachen der Leichenverbrennung bei aussereuropäischen Völkern. Berlin: Dt. Verl. der Wissenschaften, 1960; Werner, Achim: Rekonstruktionsversuch einer römischen Brandbestattung. Köln: Rheinland-Verlag, 1989.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2