Brahmā

Brahmā (sanskr.), im Hinduismus eine nachvedische Gottheit, die von > Brahman oder seiner Alternative Brahma zu unterscheiden ist. B. ist der Schöpfergott und der Erste in der Hindu-Trias (trimurti) von B. (Schöpfer der Welt), > Wischnu (Erhalter der Welt) und > Schiwa (Zerstörer der Welt). Zunächst genoss er die gleiche Verehrung wie Wischnu und Schiwa. Im heutigen Indien tritt der > Brahmanismus jedoch hinter den > Vaishnavismus und den > Shivaismus und > Shaktismus zurück.
B. entsprang > Narayana, dem Urei, und wird als von roter Farbe mit vier Gesichtern und vier Armen (die vier Veden repräsentierend) dargestellt. Seine Hände halten einen Becher, einen Bogen, ein Zepter und die Vedas. Sein Reittier ist der Ganter (hamsa). Weitere Attribute sind eine Gebetskette (akshamālā), die den ewigen Zyklus der Zeit versinnbildlicht. Eine Zeit lang soll B. einen fünften, zum Zenit blickenden Kopf gehabt haben, der ihm von Schiwa wegen dessen Überheblichkeit abgeschlagen wurde; nach einer anderen Version habe ihn seine Tochter > Sarasvati (schließlich seine Hauptfrau) wegen seines inzestuösen Verlangens nach ihr durch einen Fluch zerstört. B. hatte vier Frauen und zahlreiche Söhne. Sie erhielten den Beinamen „geistgeboren“, weil sie Personifizierungen seines Denkens als universaler Schöpfergeist sind, ist B. doch die Personifikation von Brahman, dem obersten Weltprinzip.
Im > Buddhismus gibt es drei große „Brahmas“ (Mahabrahma), die über der Sinnenwelt in verschiedenen Stufen der Brahma-Welt herrschen. Sie sind meditierende Gottheiten, die aber von der Erlösung der Buddha-Welt noch weit entfernt sind und daher dem Prozess des Werdens und Vergehens unterliegen. Sie alle werden als Verehrer und Zuhörer des ihnen an Wissen überlegenen > Buddha vorgestellt, der in einer früheren Existenz selbst einmal der „Große B.“ gewesen sei. Wenn der karmische Verdienst erschöpft ist, wird der B. in anderen Daseinsformen wiedergeboren.

Lit.: Glasenapp, Helmuth von: Brahma und Buddha. Die Religionen Indiens in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft, 1926; Feniger, Siegmund: The Four Sublime States: Brahma-Vihara / Thera Nyanaponika. Kandy: Buddhist Publication Society, 1960; Bailey, Greg: The Mythology of Brahma. Delhi; New York: Oxford University Press, 1983.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2