Bragi

Bragi (auch Braga, altisländ. bragr, „der Vornehmste“).
1. Nordgermanischer Gott der Dichtkunst, Sohn des > Odin, der vor allem als Patron der Skalden galt. Er gehörte zwar selbst nicht zu den großen Göttern; diese ließen sich von ihm aber gerne mit Liebes- und Heldenliedern unterhalten. Seine Frau war > Iduna, die Göttin der Jugend und Schönheit. Später lebten die beiden zusammen in der Unterwelt, als das Welken der > Weltesche Unheil ankündigte.
2. Bragi Boddason, auch Bragi der Alte, der in der ersten Hälfte des 9. Jhs. im Südwesten Norwegens lebte. Er ist der älteste Skalde, von dem Verse überliefert sind. Die Reste seiner „Ragnarsdrapa“ beschreiben in einem eigenen Strophentyp die Sagenszenen auf einem Schild, den der Dichter vom Fürsten Ragnar geschenkt bekam. Später wurde B. als Odins Sohn zum Gott der Dichtkunst erhoben. Friedrich Gottlieb Klopstock schrieb die Ode „Bragi“ (1771).

Lit.: Klopstock, Friedrich Gottlieb: Oden (1771). Leipzig: Wolff, 2005; Klingenberg, H.: Bragi. Reallexikon der germanischen Altertumskunde 3 (31978).

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2