Bosco, Johannes Melchior

Bosco, Johannes Melchior (*16.08.1815 Becchi bei Castelnuovo d’Asti, Piemont, † 31.01.1888 Turin), heilig (1.04.1934, Fest: 31. Januar), Jugendseelsorger, Erzieher, Ordensgründer, Jugendpatron. 
B. entstammte einer in sehr ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie von Landarbeitern. Als er zwei Jahre alt war, starb der Vater. Die Mutter, Margherita Occhiena, die zwar Analphabetin, aber tief gläubig war, erzog die Kinder zu einem gediegenen christlichen Leben. Seine schulische Ausbildung konnte B. zwar erst spät antreten, doch gelang es ihm aufgrund seiner Intelligenz und seines außergewöhnlichen Gedächtnisses, die Zeit aufzuholen. Aufgrund seiner Frohnatur war er ständig von einer Gruppe Jugendlicher umgeben. 1835 trat B. in das Priesterseminar von Chieri ein, wurde am 5. Juni 1841 zum Priester geweiht und besuchte anschließend zur Weiterbildung das „Convitto Ecclesiastico“ in Turin, wo er sich von der im Seminar gelehrten rigoristisch ausgerichteten Theologie (Probabiliorismus) abwandte und über seinen Lehrer Joseph Cafasso, den bekannten Beichtvater und Seelsorger der Armen und Krüppel, die probabilistische moraltheologische Lehrmeinung des hl. > Alphons M. von Liguori annahm. Diese „mildere“ Moraltheologie und die am „Convitto“ vorherrschende ultramontane Ekklesiologie der „Amicizia Cattolica“ sowie der pädagogische Einfluss der Mutter, des Philipp Neri und des Franz von Sales prägten seine seelsorgliche Praxis. Sehr bald sammelte B. die armen, verwahrlosten und zumeist verwaisten Jugendlichen um sich und kümmerte sich um sie. Er errichtete in Valdocco ein Sonntagsheim (1841–1844). Unter den Jugendlichen fand er auch geeignete Helfer. Ab 1846 gründete er sogenannte „Oratorien“ (Orte für Katechese und Freizeitgestaltung), Heime, Abend- und Berufsschulen sowie Gymnasien. Ab 1848 verstärkte er die Förderung der Priesterberufe, initiierte das  Presseapostolat, gründete die Laienvereinigung Salesianische Mitarbeiter und fungierte als Vertrauensmann in Konflikten und Verhandlungen zwischen Kirchenstaat und Regierung des Piemontesischen Königshauses. Am 18. Dezember 1859 rief er in Turin die Gesellschaft des heiligen Franz von Sales (seit 1946 Salesianer Don Boscos, SDB) ins Leben, die 1869 als kirchliche Kongregation anerkannt wurde. Unter tausend Schwierigkeiten gelang es ihm, nicht zuletzt dank der Stütze durch Pius IX. (1846–1878), die Vielfalt seiner Werke zu vermehren, indem er 1875 seine Tätigkeit auch auf die Missionen ausdehnte.
Am 5. August 1872 gründete er zusammen mit der später heiliggesprochenen Maria Domenica Mazzarello (1837–1881)  die Ordensgemeinschaft der Töchter Mariens, Hilfe der Christen (Don Bosco-Schwestern). Bis zu seinem Tod 1888 wurden von den Salesianern Don Boscos bereits 250 Häuser in Europa und Lateinamerika eröffnet, in denen von 1846 an rund 130.000 Jungen aufgenommen und rund 18.000 Lehrlinge ausgebildet wurden. Rund 6.000 dieser Jugendlichen entschieden sich bis 1888, Priester zu werden.
B. gilt als ein bedeutender Vertreter des pädagogischen Präventivsystems, das auf Vernunft, Liebe und Religion aufbaut und Gewalt ausschließt. In seinen Schriften ist er, mehr als Schriftsteller, ein großer Diener der Feder, ein Praktiker. So pflegte er zu sagen: „Bleiben wir bei den einfachen Dingen, doch sollen diese mit Beständigkeit gemacht werden.“
Das Leben von B. ist zudem besonders reich an paranormologischen Begebenheiten. In seinen autobiografischen Aufzeichnungen, die er auf Anregung Pius' IX. zu Papier brachte, steht, dass er mit neun Jahren in einem Traum eine Christusvision hatte, in der er den Auftrag erhielt, sich an die Spitze der Jugend zu stellen, und eine Erscheinung der Mutter Gottes, die ihm sein Arbeitsfeld zeigte und darauf hinwies, dass er zur rechten Zeit alles verstehen werde. Von seinen acht Prophezeiungen sollen sich sieben bereits verwirklicht haben, darunter jene der Flucht Pius' IX. 1859 sowie die zum Tod des Eisenbahninspektors Buffa und eines gewissen Carlo Gastini. Don Giacomelli, seinem erkrankten Beichtvater, sagte er voraus, dass er ihn überleben und ihm in seiner Todesstunde beistehen werde. B. werden auch mehrere Wunder zugeschrieben. Ebenso eindrucksvoll sind die Erscheinungen der verstorbenen Studenten Luigi Comollo (1839) und Domenico Savio (1876). 

W.: Erinnerungen: autobiograph. Aufzeichn. über d. ersten 40 Jahre e. Lebens im Dienst an d. Jugend. Aus d. Ital. übers. von Anton Nosko u. Martin Haunolder. München: Don-Bosco-Verl., 1988; Erinnerungen an das Oratorium des hl. Franz von Sales von 1815 bis 1855. Einf. und Anm. von Antonio da Silva Ferreira. Aus dem Ital. übers. von Rainer Korte. [Hrsg. vom Institut für Salesianische Spiritualität, Pädagogik und Geschichte, Benediktbeuern]. München: Don Bosco, 2001.
Lit.: Valle, Paul: Bilder aus dem Leben und Wirken des ehrwürdigen Dieners Gottes Don Johannes Bosco. 2. u. 3. Aufl. München: Verl. d. Salesianer, 1925; Lemoyne, Johann Baptist: Der ehrwürdige Diener Gottes Don Johannes Bosco, Gründer der frommen Gesellschaft der Salesianer, des Instituts der Töchter Mariens, Hilfe der Christen, und der Salesianischen Mitarbeiter. Erste dt. Ausg. / Hrsg. von der Dt. Provinz der Salesianer Don Boscos. München: Salesianer, 1927.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2