Borri, Giuseppe Francesco

Borri, Giuseppe Francesco (*6.05.1627 Mailand; † 20.08.1695 Rom / Engelsburg), Alchimist. Sohn der Savina Morosini, die bei der Geburt starb, und des Branda Borri, eines bekannten Mailänder Arztes. 1644 trat B. in das von Jesuiten geleitete Römische Seminar ein, wo auch Anthanasius > Kircher unterrichtete, wurde jedoch am 16.03.1649 entlassen, weil er eine Studentenrevolte angestiftet hatte. Er trat daraufhin als Page in den Dienst des Vatikans und studierte Medizin und Alchemie. 1654 wurde wegen seines exzentrischen Verhaltens von der Polizei nach ihm gefahndet, doch versprach er, sich zu bessern. Nach dem Tod von Innozenz X. 1655 kam Alexander VII., ein Feind der Erneuerer, und B. flüchtete in seine Heimatstadt, wo er 1656 heiratete. Vermutlich an Syphilis erkrankt, heilte er sich mit einem Mittel auf der Basis von Merkur, das ihn ins Delirium versetzte, aufgrund dessen er 1658 mit Jugendlichen eine antispanische Revolte auslöste. Den Revoltierenden wurde von der Inquisition der Prozess gemacht. B. flüchte in die Schweiz, wurde wegen Häresie verurteilt und in Rom 1661 „in effigie“ (als Bild) verbrannt. In der Schweiz setzte er seine Behandlung mit Merkur fort und eröffnete eine Arztpraxis zur Heilung von Syphilis. Anschließend ging er nach Innsbruck, Straßburg und Amsterdam, wo er als Arzt diesbezüglich großen Erfolg hatte.
Der Einsatz von Merkur in all seinen Varianten machte ihn zum bedeutendsten Alchemisten seiner Zeit. 1664 veröffentlichte er seinen ersten alchemistischen Text, Specimina Quinque Chymiae Hyppocraticae, musste dann aber wegen Schulden aus Amsterdam fliehen und gelangte nach Hamburg, wo er 1666 Königin Christina von Schweden traf, von der er eine große Geldsumme erhielt. Anschließend ging er nach Kopenhagen an den Hof Friedrichs III. von Dänemark. Um sich den vielen Verfolgern zu entziehen, nahm er den latinisierten dänischen Namen Olaus Borrichius an, unter dem er fortan all seine alchemistischen und hermetischen Texte veröffentlichte, die auch von Isaac Newton gelesen wurden.
1670 starb Friedrich III. und B. musste Dänemark verlassen. Da er sich in Europa nicht sicher fühlte, verkleidete er sich als Türke, um in die Türkei zu flüchten, wurde jedoch in Mähren verhaftet und Leopold I. von Österreich übergeben, der ihn wegen seiner früheren Verurteilung dem Vatikan auslieferte. Während einer Audienz beim Kaiser hatte er diesen jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass die Wachslichter im Zimmer vergiftet seien. Daraufhin ersuchte der Kaiser den Papst, ihn nicht am Leben zu strafen, was der Papst versprach. In Rom angekommen, wurde B. wegen Häresie und Giftmischerei in das Gefängnis des heiligen Offiziums gesteckt und musste 1672 öffentlich abschwören. Von 1678 an wurde er wegen der Heilung des französischen Botschafters, des Herzogs von Estrées, in Halbfreiheit entlassen, konnte seiner Arzttätigkeit nachgehen, wurde als Alchemist unter dem falschen Namen Giustiniano Bono offiziell in die römischen Patrizierhöfe aufgenommen und konnte auf der Engelburg seine letzten Jahre mit Studien und chymischen Operationen verbringen. 1680 half er dem Herzog von Palombara die berühmte Porta alchimica aufzubauen, deren Reste heute noch auf der Piazza Vittorio auf dem Esquilin zu sehen sind.
Das Buch von Arconti Lamberti, La chiave del gabinetto del Cavaliere Giuseppe Francesco Borri, enthält wertvolle Dokumente über die Gedankenwelt von B., der als Vorläufer berühmter > Magier wie > Cagliostro und des Grafen von > Saint-Germain gilt.
 
W.: Olai Borrichii Itinerarium 1660–1665. Ther Journal or the Danisch Polyhistor Ole Borch. Vol 1– 4, 1660–1665; Olai Borrichii ... De ortu, et progressu chemiae, dissertatio. Hafniae: typis Matthiae Godicchenii: sumptibus Petri Haubold Reg. Acad. Bibl., 1668; Olai Borrichii: Conspectus scriptorum chemicorum illustriorum libellus posthumus Havniæ: Garmann, 1696.

Lit.: La chiave del gabinetto del cavagliere Giuseppe Francesco Borri milanese. Col favor della quale si vedono varie lettere scientifiche, chimiche, e curiosissime con varie istruzioni politiche, ed altre cose degne di curiosità, e molti segreti bellissimi. Aggiuntavi una Relazione esatta della sua vita. Colonia: Pietro del Martello, 1681 (Ort und Name des Herausgebers dürften falsch sein; vielleicht Genf. Titel des 2. Teils: Istruzioni politiche del cavaliere Giuseppe Francesco Borri milanese. Date al re di Danimarca.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2