Bonifatius VIII.

Bonifatius VIII., Papst (24.12.1294 – 11.10.1303), vorher Benedetto Gaetani, geb. um 1235 aus einer Adelsfamilie in Anagni südlich von Rom, Studium der Rechte, 1281 Kardinaldiakon, 1291 Kardinalpresbyter und mit wichtigen Gesandtschaften in Frankreich und Sizilien betraut. Als Cölestin V. am 13.12.1294 abdankte, wählte das Kardinalskollegium in Neapel B. einstimmig zum Papst. Mit der Bulle Unam sanctam erneuerte B. den Weltherrschaftsanspruch des Papstes noch ein letztes Mal in vollem Umfang, erlitt aber im Kampf mit Philipp IV. dem Schönen von Frankreich eine schwere Niederlage. Der König berief für den 13.06.1303 eine Notabelnversammlung nach Paris ein, auf der die schwersten Beschuldigungen gegen den Papst vorgebracht wurden. Man bezichtigte ihn der Häresie und Zauberei. Der Papst erkannte die Versammlung nicht an, weil nur er eine solche einberufen könne. Die Vorwürfe gingen auch noch weiter, als B. am 11.10.1303 starb. Seine Feinde verbreiteten sogar die Nachricht, dass er in den letzten Augenblicken seines Lebens einen Pakt mit dem Teufel eingestanden habe, sein Tod von Blitz und Donner begleitet worden sei,  feuerspeiende Drachen durch die Luft flogen und sich noch allerlei andere außergewöhnliche Ereignisse zutrugen, sodass die Bevölkerung von Rom glaubte, die ganze Stadt stürze in den Abgrund. Sein Nachfolger, Benedikt XI., versuchte B. zu verteidigen, starb aber 1304 im ersten Jahr seines Pontifikats. Es folgte der Erzbischof von Bordeaux als Clemens V. – eine Wahl, die dem Einfluss des Königs zugeschrieben wurde. Clemens sollte die Kampagne gegen B. unterstützen und den Prozess gegen ihn eröffnen, um die Erinnerung an ihn negativ einzufärben. Nach Abschwächung der Bulle Unam sanctam verzichtete Philipp IV. jedoch auf die Verurteilung von B., um dadurch die Aufhebung des > Templerordens zu erreichen.
Dante verewigte B. sogar in der Hölle (Inferno XIX, 76–77).

Lit.: Scholz, Richard: Die Publizistik zur Zeit Philipps des Schönen und Bonifaz' VIII.: ein Beitrag zur Geschichte der politischen Anschauungen des Mittelalters. Amsterdam: Rodopi, 1969; Schmidt, Tilmann: Der Bonifaz-Prozeß: Verfahren der Papstanklage in der Zeit Bonifaz' VIII. und Clemens' V. Köln [u. a.]: Böhlau, 1989; Dante [Alighieri]: Die göttliche Komödie: mit Illuminierungen aus dem Codex urbinate Latino 365. Aus dem Ital. übertr. von Wilhelm G. Hertz. Düsseldorf: Albatros, 2007.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2