Bona Dea

Bona Dea (lat., „gute Göttin“), römische Göttin der weiblichen Fruchtbarkeit. Ihr nächtliches Fest Anfang Dezember wurde als > Geheimkult für Frauen unter Beteiligung der > Vestalinnen bei der Frau eines Beamten begangen, der selbst außer Haus sein musste. Männer waren aus dem Kult und dem Tempel der B. ausgeschlossen. Der Raum war mit Weinlaub geschmückt, geopfert wurde eine Sau. Auch Wein, Musik und Tanz dürften eine Rolle gespielt haben. 
Nach einer Version war B. die Frau des > Faunus, die so keusch war, dass sie ihr Gemach nie verließ. Als sie sich heimlich berauschte, schlug sie der Gatte mit Myrtenruten zu Tode, bereute dies dann aber und erhob sie zur Göttin. Nach einer anderen Version war sie die Tochter des Faunus, der ihr nachstellte. Um sie willfährig zu machen, gab er ihr Wein zu trinken. Sie widerstand ihm, weshalb er sie mit Myrtenruten erschlug. Erst als er sich in eine > Schlange verwandelte, konnte er ihr beiwohnen.
Julius Cäsar soll seine Frau Pompeia verstoßen haben, weil ein antiker Mafioso namens Publius Clodius Pulcher sich ihr beim Fest der B. in Frauenkleidern genähert hätte.
Im Tempel der B. auf dem > Aventin wurden Schlangen gehalten und Heilmittel hergestellt. Ihr Kult war noch in der Kaiserzeit verbreitet.

Lit.: Motty, Marcellus: De fauno et fauna sive bona dea eiusque mysteriis: Dissertatio mythologica. Berolini: Friedländer, 1840; Gerhard, Eduard: Über Agathodämon und Bona Dea: Auszug. Berlin: Königliche Akademie der Wissenschaften, 1847; Biedermann, Hans: Die großen Mütter: die schöpferische Rolle der Frau in der Menschheitsgeschichte. Graz: Böhlau, 1987; Hendrik H.: Bona Dea: The Sources and a Description of the Cult. With a frontispiece, 5 fig., 52 pl. and 5 maps [Aus d. Niederländ. übers.]. Leiden u. a.: Brill, 1989.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2