Bolsena, Messe von

Bolsena, Messe von B., > Blutwunder. Im Jahre 1263 wanderte der böhmisch-deutsche Priester Petrus von Prag betrübten Herzens nach Rom, um dort von seinen Glaubenszweifeln befreit zu werden. Auf der Via Cassia, die von Genua bis Rom reichte und während des Mittelalters ein Teil des Pilgerweges der Via Francigena war, besuchte er in Bolsena, unweit von Orvieto, die nach der Märtyrerin Christina benannte Kirche. Christina wurde als Tochter heidnischer Eltern in Bolsena geboren und als junges Mädchen von einer Dienerin zum Christentum bekehrt. Ihr Vater ließ sie daraufhin mit goldenen und silbernen Götzenbildern in einen Turm im See von Bolsena sperren. Als sie aber standhaft beim Christentum blieb, ließ er sie foltern und schließlich um 287/307 töten.
Als Petrus am 18.06.1263 am Sarg Christinas in der nach ihr benannten Kirche die Messe feierte, kamen ihm wiederum Zweifel an der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Oft schon hatte er Gott gebeten, ihm diese Zweifel zu nehmen. Nun sollte er erhört werden. Bei der Wandlung fing das heilige Blut im Kelch plötzlich zu wallen an, über den Rand des Kelches träufelten Tropfen auf das Korporale und es zeigten sich dort blutrote Flecken. Petrus suchte das Vorgefallene aus Schrecken zu verbergen und legte das Korporale zusammen, doch drangen Blutstropfen durch die Falten und vier davon fielen auf den Marmorboden mit allen Zeichen frischen Blutes. Nun konnte er es nicht mehr verbergen. Als er hörte, dass Papst Urban IV. im nahen Orvieto weilte, suchte er diesen auf, erzählte ihm alles und erhielt die Lossprechung. Der Papst ließ sich das blutbefleckte Korporale bringen und als er vom Wunder überzeugt war, setzte er es unter großen Feierlichkeiten in der Kathedrale von Orvieto bei. Ein Jahr später erhob Urban IV. als Augenzeuge des Blutwunders das 1246 aufgrund einer Vision der Augustinernonne > Juliane von Lüttich († 5.04.1258) in Belgien entstandene > Fronleichnamsfest zum allgemeinen Kirchenfest und veranlasste 1264 den Bau des prachtvollen Domes von Orvieto, wo das Korporale in der danach benannten Cappella del Corporale gezeigt wird. In Bolsena findet in den Straßen des Städtchens heute noch jeweils am 18. Juni, dem Tag des Wunders, ein großartiges Blumenfest zum Thema der Eucharistie statt.

Lit.: Penazzi, Splendiano Andrea: Istoria dell'ostia sacratissima, che stillo Sangue in Bolsena sopra il S. S. Corporale. Montefiascone, 1731; Zucconi, G.: Il miracolo eucaristico di Bolsena. 2. ed. Grotte di Castro: Ceccarelli, 1972; Carletti, Carlo: La catacomba di S. Cristina a Bolsena; Vincenzo Fiocchi Nicolai. Città del Vaticano: Pont. Comm. di Archeologia Sacra, 1989; Browe, Peter: Die Eucharistie im Mittelalter. Mit einer Einf. hrsg. von Hubertus Lutterbach .... Münster [u. a.]: Lit, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2