Bohnenkönig

Bohnenkönig, Königsspiel. In  weiten Teilen Europas bestand im Mittelalter der Kern des Königsspiels darin, am Vorabend von > Dreikönig (Bohnenfest, Dreikönigsfest, „Freudenkönig“ genannt) im Bauch einer Speise (z. B. im > Königskuchen), eine Bohne zu verstecken. Der Finder wurde zum König des Festes, zum B., ernannt. Das ermächtigte ihn, zu einem späteren Zeitpunkt ein Fest auszurichten, sich einen Hofstaat zuzulegen und fiktive Ehren zu erhalten. Beim Griff zum Glas riefen die Gäste: „Der König trinkt!“und alle tranken mit. Dieses „Reich auf Zeit“ des närrischen B.s mit seinem unechten Hofstaat und den leiblichen Genüssen enthält bereits alle wesentlichen Elemente, die der > Karneval im 19. Jh. im gewandelter Form wieder aufnahm.

Lit.: Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg: Herder, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2