Bohne

Bohne (griech./lat. Phaseolus vulgaris; engl. bean; ital. fagiolo), Gartenbohne der Familie Schmetterlingsblüter (Fabaceae). Der griechische Gattungsname Phaseolus (Kahn) bezieht sich auf die kahnförmige Fruchthülse, daher auch Fisole genannt,  während der Artname vulgaris die allgemeine Verbreitung zum Ausdruck bringt. 
Die B. ist eine Kletterpflanze, die sich bis zu  einer Höhe von 7 m emporrankt, von Juni bis August blüht und im September zur Fruchtreife kommt. Sie stammt aus Südamerika, enthält giftige Eiweißverbindungen, sogenannte Toxalbumine, und als Hauptwirkstoff das ebenso giftige Phasin. Schon 3–10 rohe Bohnen können nach 30–90 Minuten die ersten Vergiftungserscheinungen auslösen: starkes Erbrechen, schwere Verdauungsstörungen und heftige Krämpfe, blutige Magen- und Darmentzündungen mit Durchfällen und Fieber. Die Vergiftung kann auch zum Kollaps führen. Besonders  Kinder und Rohkostanhänger sind gefährdet. Durch Kochen wird das giftige Phasin zerstört. Ein Kontakt mit rohen B.n kann auch zu Hautentzündungen, der sog. Bohnenkrätze, führen.
B. haben aber auch eine Heilwirkung. So wirken Bohnenschalen harntreibend und werden bei Nieren- und Blasenerkrankungen eingesetzt; sie sind bspw. in Blasen- und Nierentees enthalten. Zudem ist die B. ein wichtiger Eiweißlieferant und lässt sich durchaus mit dem Eiweißgehalt von Fleisch vergleichen.
B.n wurden in Amerika schon zu Urzeiten angebaut und spielten eine bedeutende Rolle im antiken > Totenkult. Zur Zeit der fränkischen Christianisierung wurden B.n auch bei den Germanen zu einem häufigen Traueressen (z. B. während der Karwoche). Den > Pythagoreern war ihr Genuss verboten.
Hexen mögen offenbar keine Bohnen. Ihre Abneigung soll so groß sein, dass die rumänischen Zigeuner am Pfingstmorgen eine Handvoll B. über ihre Zelte und Hütten warfen, da sich dann keine Hexe ihrem Lager nähern würde (Wlislocki).
Die Bohnenblüte ist der Göttin > Epona  geweiht. Der römischen Göttin > Cardea wurde zum 1. Juni eine Opfergabe mit Bohnen dargebracht. 
Der B. sind die Planeten Venus und Merkur, das Element Luft und die Schwingung kalt und hoch zugeordnet.
Mit ihrer magischen Kraft soll sie Anziehung, Liebe und Fruchtbarkeit bewirken; gegen negative Energien wird sie in Beuteln oder Rasseln getragen, und als > Sexualamulett wirkt sie angeblich gegen psychisch bedingte Impotenz.

Lit.: Wlislocki, Heinrich von: Zur Ethnographie der Zigeuner in Südosteuropa: tsiganologische Aufsätze und Briefe aus dem Zeitraum 1880–1905. Hrsg. von Joachim S. Hohmann. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 1994; Schmidt, Heribert E.: Virosen der Gartenbohne  Inst. für Phytopathologie Aschersleben. Markkleeberg: Agrabuch, 1987; Magister Botanicus. Speyer: Die Sanduhr – Fachverlag für altes Wissen, 1995; Pschyrembel: Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren. Berlin: de Gruyter, 1996.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2