Bohm, David

Bohm, David (*20.12.1917 Wilkes-Barre, USA, † 27.10.1992 London), US-amerikanischer Quantenphysiker und New-Age-Denker.
B., Sohn eines jüdischen Möbelhändlers, studierte Physik u. a. an der Universität von Kalifornien und in Berkeley, CA, als letzter Graduierter unter Robert Oppenheimer. Er promovierte 1943 und lehrte ab 1947 an der Princeton Universität Quantenmechanik und Teilchenlehre, führte Dialoge mit Albert Einstein und ließ in seiner Offenheit auch kommunistische Ideen zu, weshalb ihn US-Senator Joseph McCarthy auf die schwarze Liste setzte. B. weigerte sich, vor dem Ausschuss seine Kollegen zu verraten, wurde verhaftet und verließ Amerika, ohne es je wieder zu betreten. Er lehrte anschließend in Sao Paolo und ging 1954 nach Haifa in Israel, wo er seine Frau kennenlernte, mit der er 1957 nach England ging, zuerst nach Bristol und später an das Birkbeck College in London, wo er bis zu seinem Tod blieb. 1959 sagte er mit seinem Studenten Yakir Aharonov einen Quanteneffekt, den sog. Aharonov-Bohm-Effekt, voraus.
Während einer seiner depressiven Phasen, an denen er von Zeit zu Zeit litt, lernte er in einer Klinik das kennen, was er später „Dialoggruppen“ nannte, und versuchte diese Erfahrung in die Wissenschaft einzubauen. Dabei machte er den Vorschlag, dass die Vortragenden alle Zuhörenden am Prozess ihres Denkens, ihrer Vorannahmen bezüglich des Themas, ihres Weges zu den Ergebnissen teilhaben lassen sollten, was zu einer ganz anderen Art von Wissenschaft führen würde. 1959 stieß er auch auf die Schriften des indischen Philosophen > Krishnamurti und war erstaunt über die Nähe dieser Texte zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. B. suchte nämlich mit seiner Theorie der „impliziten Ordnung“ die Konvergenz zwischen Naturwissenschaft und Mystik. Während die „explizite Ordnung“ die objektive Welt ist, die wir durch unsere Wahrnehmung kennenlernen, ist die „implizite Ordnung“ die Welt der Quantenphysik, in der sich die Partikel auch als Wellenformen verhalten und hologrammähnliche Organisationen bilden. Das Ganze könnte nämlich eine universale Eigenschaft der Natur und in jedem ihrer Teile enthalten sein. Diese Gedanken wurden dann vor allem von der New Age-Bewegung aufgegriffen.

W.: Krishnamurti, Jiddu: Fragen und Antworten und sein Gespräch mit Prof[essor] David Bohm. München: Goldmann, 1985; Die implizite Ordnung: Grundlagen e. dynam. Holismus. München: Dianus-Trikont-Buchverlag, 1985; Physik und Transzendenz: d. großen Physiker unseres Jhs. über ihre Begegnung mit d. Wunderbaren / Hans-Peter Dürr (Hrsg.). Mit Beitr. von David Bohm. Bern: Scherz, 1986; Das neue Weltbild: Naturwissenschaft, Ordnung und Kreativität. München: Goldmann, 1990.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2