Bogomilen, Bogumilen

Bogomilen oder Bogumilen (slaw., „Gottliebende“ oder „Gottesfreunde“), bulgarische religiöse Bewegung, gegründet zur Zeit des bulgarischen Zaren Petăr (927–969) von dem wohl aus Makedonien stammenden Priester Bogomil (griech. Theophilos; dt. Gottlieb), der seine Lehren im 10. Jh in Bulgarien verbreitete.  Ihm galt die vorgefundene Ungerechtigkeit in Welt und Kirche (Reichtum, Sittenverfall des Klerus) als unvereinbar mit der Botschaft, da von Gott alles gut und vollkommen geschaffen sei. Man suchte in Armut und Einfachheit zu Gott zu finden und der himmlischen Herrlichkeit teilhaftig zu werden.
Die Lehre besitzt vorwiegend dualistisch-manichäische Züge: Die Welt wurde von dem von Gott abgefallenen Sataniel erschaffen. Alle Materie gilt daher als geistfeindlich, weshalb auch die Leiblichkeit Christi verneint wird. Staatliche Autorität, Fleisch- und Weingenuss, Heirat und Zeugung wurden abgelehnt, um die materielle Welt nicht zu stärken. AT, kirchliche Hierarchie, Liturgie, Sakramente, Kreuz, Ikonen, Gottesmutter, Gotteshäuser und Sonntagsheiligung und das Priestertum wurden ebenfalls verneint. Nach dem Ende des 1. Bulgarenreiches (1018) entfaltete sich zudem noch ein radikaler Dualismus.
Von Bulgarien aus verbreitete sich die Lehre mit beachtlichem Erfolg im byzantinischen Kaiserreich. Sie gelangte bis zum Hof des Kaisers Alexios Komnenos. Unter ihm fand 1110 ein großes Ketzergericht statt, was zur äußeren Unterdrückung der B. führte. 1118 wurde ihr Anführer, ein Arzt namens Basilius, verbrannt.  Die B. breiteten sich jedoch in Osteuropa und in den Balkanländern weiter aus und fanden unter der Modifikation „Patarener“ auch in Norditalien und im 11./12 Jh. besonders in Südfrankreich (> Katharer) Eingang. Die B. in Bosnien traten nach der türkischen Eroberung im 15. Jh. größtenteils zum Islam über. 

Lit.: Ilić, Jordan A: Die Bogomilen in ihrer geschichtlichen Entwicklung.  Srem. Karlovci: Serb. Klosterdr., 1923; Borst, Arno: Die Katharer: Geschichte und Glaube der Albigenser oder westlichen Bogomilen: (c. 1000–1320 n. Chr.). Göttingen, 1951; Thomas, Helga: Sonne, Mond und Weinstock: Gräbersymbolik der Bogomilen. Stuttgart: Klett, 1970; Roll, Eugen: Ketzer zwischen Orient und Okzident: Patarener, Paulikianer, Bogomilen. Stuttgart: Mellinger, 1978; Papasov, Katja: Christen oder Ketzer – die Bogomilen. Stuttgart: Ogham-Verl, 1983.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2