Bönninghausen, Clemens Maria Franz Frhr. von

Bönninghausen, Clemens Maria Franz Frhr. von (* März 1785 Herinckhave, Niederlande; † 26.01.1864 Münster), Dr. jur., preußischer Regierungsrat, bedeutender Homöopath, Schüler und Nachfolger von Samuel > Hahnemann.
Nach dem Besuch des Gymnasiums Paulinum zu Münster studierte B. an der Universität von Groningen Rechtswissenschaften und besuchte zudem noch medizinische und naturwissenschaftliche Vorlesungen. 1806 beendete er das Studium mit dem Doktor beider Rechte und arbeitete anschließend als Jurist. 1813 heiratete er Sofie von Schade, ein Jahr später übernahm er sein väterliches Erbteil, das Landgut Haus Darup zu Darup in Westfalen, wo er sich mit Fragen der Landwirtschaft, vor allem der Flora und Fauna, befasste und so auch Verbesserungen in der westfälischen Landwirtschaft mit einleitete. 1816 wurde B. Kommissarius seines Kreises Coesfeld und 1819 gründete er bereits den landwirtschaftlichen Verein für den Regierungsbezirk Münster. Bald darauf wurde ihm die Untersuchung der stigmatisierten Nonne Anna Katharina > Emmerick angetragen, die auch von Clemens > Brentano über 20 Jahre betreut wurde. Ab 1823 hatte B. als Regierungsrat viele Reisen in die Gemeinden zu unternehmen, wobei er seine botanischen Kenntnisse weiter ausbaute und zu einem angesehenen Fachmann auf diesem Gebiet wurde.
Von Tuberkulose befallen, rechnete B. ab 1827 mit seinem Tod und sandte seinem Hausarzt Dr. A. Weihe einen Abschiedsbrief. Dieser hatte sich inzwischen auf > Homöopathie umgestellt und schickte ihm nach genauer Beschreibung der Krankheit einige Arzneien. B. erholte sich überraschenderweise und beschäftigte sich von nun an eingehend mit Homöopathie. Er begann mit Samuel Hahnemann zu korrespondieren, dem er 1833 persönlich begegnete.
In den Jahren 1831 bis 1833 brachte B. sieben Werke heraus, darunter Das Systematisch-alphabetische Repertorium der homöopathischen Arzneien. Seine Heilungserfolge machten ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt und König Friedrich Wilhelm IV. erteilte ihm 1843 die Erlaubnis, als Nichtarzt zu praktizieren. Besonders bekannt wurde er durch sein Therapeutisches Taschenbuch, das durch seinen Aufbau Furore machte, wie auch durch die Behandlung der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und der Kaiserin Eugenie von Frankreich. Dieser Erfolg brachte ihm Ehrenmitgliedschaften vieler homöopathischer Gesellschaften, die Verleihung des Dr. med. h.c. und die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.
B. starb in seinem Stadthaus in Münster. Sein Grab auf dem alten Hörsten-Friedhof fiel den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Heute erinnerte dort eine Sandsteinstele an B. und in Darup die „Von-Bönninghausen-Str“.

W.: Bönninghausen, Clemens Maria Franz von: Zweite Nachschrift, als Anhang zu meiner Geschichte der Untersuchung der Nonne A. C. Emmerich zu Dülmen. Coesfeld: Wittneven, 1819; Geschichte und ... Resultate der Untersuchung über die Erscheinungen an der ehemaligen Nonne A. C. Emmerich zu Dülmen. Hamm, 1819; Beiträge zur Kenntniss der Eigenthümlichkeiten aller homoeopatischen Arzneien. Münster: Regensberg, 1831; Hahnemann, Samuel: Die Heilung der asiatischen Cholera. Hrsg. von Clemens von Boenninghausen. Münster: Regensberg, 1831; Systematisch-alphabetisches Repertorium der antipsorischen Arzneien. Nebst Vorwort von S. Hahnemann. Münster: Coppenrath, 1832; Die homoeopatische Diaet und die Entwerfung eines vollständigen Krankheitsbildes behufs homöopathischer Heilung. Münster: Regensberg, 1833; Uebersicht der Haupt-Wirkungs-Sphäre der antipsorischen Arzneien und ihrer Eigenthümlichkeiten. Münster: Coppenrath, 1833; Versuch einer homoeopatischen Therapie der Wechselfieber. Münster: Regensberg, 1833; Die Homöopathie. Münster: Coppenrath, 1834; Versuch über die Verwandtschaften der homöopathischen Arzneien. Münster: Coppenrath, 1836; Therapeutisches Taschenbuch für homöopathische Aerzte. Münster: Coppenrath, 1846.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2