Bökel, Johann

Bökel, Johann (*1.11.1535 Antwerpen; † 21.03.1605 Hamburg), Prof. der Medizin, Kritiker der > Hexenverfolgung.
B. (Bokelius, Böckel, Bokel) war Sohn niederländischer Glaubensflüchtlinge, die sich in Hamburg niedergelassen hatten. Nach dem Besuch der Artistenfakultät in Wittenberg studierte er zunächst bei Philipp Melanchthon Theologie und wandte sich dann dem Studium der Medizin zu, das er in Italien und Frankreich fortsetzte, wo er 1562 oder 1563 an der Universität Bourges das Doktorat in Medizin erwarb. Nach Jahren ärztlicher Tätigkeit, vor allem als Leibarzt, wurde er zum Medizinprofessor an die neugegründete Landesuniversität Helmstedt berufen. Als es nach dem Regierungswechsel in Braunschweig-Wolfenbüttel 1589 zwischen B. und dem jungen Herzog Heinrich Julius, nicht zuletzt wegen der Hexenfrage, zu Spannungen kam, verließ B. 1591 das Herzogtum und kehrte nach Hamburg zurück.
Während seiner Helmstedter Tätigkeit verfasste B. neben verschiedenen medizinischen Schriften zwei lateinische Stellungnahmen zur zeitgenössischen Hexenverfolgungspraxis: die 1589 gedruckte Oratio funebris, eine Leichenrede auf Herzog Julius, die kritische Äußerungen zur Hexenverfolgung enthält, und den 1599 in Hamburg erschienenen Tractatus de philtris, eine Schrift über den > Liebeszauber. Sein Nachlass enthält zudem Aufzeichnungen zu verschiedenen magischen Handlungen. Für die Zensur seiner Schriften war vor allem die orthodox-lutherische Helmstedter Theologenfakultät verantwortlich, die seine vorwiegend physiologische Deutung magischer Phänomene ohne Einbezug der Einwirkung des Teufels kritisierte. Zudem trat Heinrich Julius zu Beginn seiner Regierungszeit als eifriger Hexenverfolger auf. Der Zensurfall B. ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil er sich in einem protestantischen Territorium ereignete.
Der Tractatus de philtris ist die älteste gedruckte Abhandlung über die Wirkung von Philtren (Liebestränken) – eine Bezeichnung, die von der griechischen Antike bis in das 18. Jh. die verschiedenen materiellen und immateriellen Mittel umfasste, welche nach verbreiteter Auffassung dazu geeignet waren, leidenschaftliche Liebe zu entfachen, und daher mit Magie, Schadenzauber und Dämonenwerk assoziiert wurden.
In der Oratio funebris betont B. die Harmlosigkeit der > Hexen und macht deutlich, dass er  von der Verfolgungskritik des Johann > Weyer beeinflusst ist.

W. (Auswahl): Tractatus de Philtris, utrum animi hominum his commoueantur, nec ne Hamburg 1599; Oratio funebris de Illustrissimo ac Generosissimo Principe ac Domino, Domino Iulio Duce Brvnovicensi et Lunaeburgensi & c. (Sanctae, & foelicis memoriae) quibus studiis vitam domesticam transegerit. Helmstedt, 1589, Bl. B4v-Cv.
 
Lit.: Kauertz, Claudia: Wissenschaft und Hexenglaube: die Diskussion des Zauber- und Hexenwesens an der Universität Helmstedt (1576–1626). Bielefeld: Verl. für Regionalgeschichte, 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2