Bodhidharma

Bodhidharma (sanskr.; jap. Bodai Daruma; chin. P’u-ti-Ta-mo), 28. Patriarch nach Buddha (5./6. Jh. n. Chr.) in der indischen Linie und erster Patriarch des Ch’an/Zen-Buddhismus in China. Die Gelehrten sind sich nicht einig, wann B. von Indien nach China kam, wie lange er dort blieb und wann er starb. Japanische Zen-Meister stimmen jedoch darin überein, dass B. um ca. 520 per Schiff von Indien nach Südchina fuhr. Da er dort keinen Erfolg hatte, wanderte er nach Norden und ließ sich schließlich im Shao-lin-Kloster auf dem Berg Shung-shan (jap. Suzan) nieder. Dort übte er neun Jahre lang den bewegungslosen > Zazen, weshalb diese Periode als mempeki kunen („neun Jahre lang der Wand gegenüber“) bekannt wurde. Ihm schloss sich Hui-k’o als Schüler an und wurde der zweite Patriarch.
Offen bleibt allerdings, ob sich hinter B. eine historische Persönlichkeit verbirgt oder nicht. Wichtig ist jedenfalls die in der Beschreibung von B. zum Ausdruck gebrachte Bedeutung, welche Zen-Meister dem Zazen, der Übermittlung des Dharma vom Meister auf den Schüler, beimessen. Die Tradition schreibt nämlich B. all das zu, was für das Selbstverständnis des Zen charakteristisch ist: intensive Praxis der > Meditation, souveräne Persönlichkeit, Distanz zur bloßen Schriftgelehrsamkeit.
Die Schule verbreitete sich sehr rasch über China und wurde um 1300 zur Hauptform des chinesischen Buddhismus.

Lit.: Hackmann, Heinrich: Chinesische Philosophie: mit 1 Bildn. Bodhidharmas. München: Reinhardt, 1927; Dumoulin, H.: Bodhidharma und die Anfänge des Ch’an-Buddhismus. Monumenta Nipponica 7 (1951), 67–83; Bodhidharma: Bodhidharmas Lehre des Zen: frühe chinesische Zen Texte / übers. aus dem Chines. und mit einer Einf. von Red Pine. [Übers. aus dem Amerikan.: Agatha Wydler]. Zürich [u. a.]: Theseus, 1990.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2