Boas, Boaz

Boas, auch Boaz (hebr. „in Kraft“). 1. Neben Rut und Noomi ist B. die männliche Hauptperson in dem alttestamentlichen Buch Rut. In der Genealogie zu David ist B. der Sohn des Salomon (Rut 4, 21).
2. B. ist auch der Name der linken Säule im Tempel Salomons: „Er formte die zwei bronzenen Säulen... Er stellte die Säulen an der Vorhalle des Tempels auf. Die eine Säule stellte er auf die rechte Seite und nannte sie Jachin, die andere stellte er auf die linke Seite und nannte sie Boas“ (1 Kön 7, 15.21). Die im Hohlgussverfahren hergestellten Säulen von ca. 8 m Höhe trugen mit Granatäpfeln und Palmetten verzierte Voluten- oder Blattkranzkapitelle. Ob ihnen wegen der expliziten Nennung und der vegetabilen Regenerationssymbolik eine besondere Bedeutung im Kult zukam, lässt sich derzeit nicht sagen, doch werden die beiden Säulen zur magischen Konzeption der Polarität benutzt. > Jachin, ist das Symbol für die Elemente Feuer und Luft in der Seele des Menschen und im Universum, B. ist das Symbol für Wasser und Erde. Jachin ist die Sonne, B. der Mond.
In der Freimaurerei gilt B. meist als schwarz (manchmal auch als rot) und weiblich.
Insgesamt herrscht jedoch weder über die Stellung noch über die Bedeutung der Säulen Einigkeit. Nach dem biblischen Text steht B. jedenfalls auf der linken Seite.
3. Rinderschlange (auch Boa). Alte Quellen, darunter Plinius, berichten, sie erreiche ihre sagenhafte Größe dadurch, dass sie Schaf- und Rinderherden nachstelle, sich an ihre Euter hänge, diese aussauge und die Tiere dann töte und verschlinge. Laut Hieronymus soll dessen Zeitgenosse, der hl. Hilarion, einmal von Leuten gebeten worden sein, das Untier in ihrem Land zu töten. Er gebot daraufhin der Schlange, auf einen Holzhaufen zu steigen, was diese, bezwungen von der Kraft Gottes, befolgte. Dann zündete Hilarion den Holzhaufen an und verbrannte das Tier.

Lit.: Lagutt, Jan K.: Der Grundstein der Freimaurerei: Erkenntnis und Verkennung. 2., erw. Aufl. Zürich: Origo, 1963; Frick, Karl R. H.: Licht und Finsternis II: Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis an die Wende zum 20. Jahrhundert; Teil 1: Ursprünge und Anfänge. Graz: ADEVA, 1975; King, Francis: Magie: eine Bilddokumentation. Frankfurt a. M.: Umschau, 1976; Schöpf, Alois: Fabeltiere. Graz: ADEVA, 1988; Georg, M.: Jakin und Boaz. Aegyptica Biblica. Wiesbaden, 1991; Frevel, Christian: Das Buch Rut. Stuttgart: Verl. Kath. Bibelwerk, 1992.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2