Blutstillen

Blutstillen (engl. blood-staunching, ital. emostasi), Beendigung einer Blutung. Neben der mittelbaren und unmittelbaren Kompression von Blutgefäßen und anderen medizinischen Maßnahmen kommen in der Volksmedizin vor allem Mittel aus dem Pflanzen-, Tier- und Steinreich zum Einsatz.
Von den > Pflanzen werden > Schafgarbe (Achillea millefolium), > Blutwurz (Potentilla erectis L.), > Zunderschwamm (Polyporus fomentarius), > Eichenschwamm (Daedalae quercina), > Wegerich (Plantago), > Alantwurzel (Radix Heleni), zu Pulver verriebene > Nesselsamen (Urtica urens L.) und > Hirtentäschelkraut (Herba bursae pastoris) verwendet. Die wundheilende Kraft der Schafgarbe hebt bereits Plinius d. Ä. (Naturalis historia, 25, 42) hervor. Er erklärt den Namen Achilleos („Kraut des Achilles“) damit, dass der Held > Achilleus als Schüler des pflanzen- und heilkundigen Kentauren > Chiron die wundheilende Kraft des Krautes entdeckt und damit den König der Myser, Telephus, von seiner Verwundung geheilt habe.
Aus dem Tierreich werden als blutstillende Mittel > Spinnweben, die Wolle junger Katzen, zu Pulver gestoßene Kröten usw. genannt.
Bei den > Steinen spielt vor allem der Blutstein, > Hämatit, eine nicht unwichtige Rolle. Auch > Blutachat, > Jaspis und > Siegelerde sind hier zu nennen.
Weitere Formen des B. sind > Beschwörung, > Besprechen, > Zaubersprüche, > Gebet und > Segen. Von Beschwörung spricht bereits Homer in der Odyssee: „Diese verbanden dem edlen, dem göttlichen Odysseus sorgsam die Wund’ und stillten das schwarze Blut mit Beschwörung.“ (Odyssee XIX, 457).

Lit.: Noelting, J: Blutstillen und Krankheitsbesprechen: ein Beitrag zur Volksmedizin. Hamburg: Lütcke & Wulff, 1900; Kronfeld, E. M.: Der Krieg im Aberglauben und Volksglauben: kulturhistorische Beiträge.   München: Hugo Schmidt, 1915; Lammert, G.: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur / Mit historischer Einleitung und einer lithographierten Tafel. Neudruck d. Ausg. Würzburg 1869. Regensburg : Johannes Sonntag, 1981; Most, Georg Friedrich: Encyklopädie der Volksmedizin / Einleitung Karl Frick und Hans Biedermann. Neuauflage der Ausgabe Graz 1973 (durch eine neue Einleitung vermehrter Nachdruck der 1843 bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Ausgabe). Graz: ADEVA, 1984; Grabner, Elfriede: Krankheit und Heilen: eine Kulturgeschichte der Volksmedizin in den Ostalpen. Wien: Österr. Akademie d. Wissenschaften, 1997; Plinius Secundus, Gaius: Naturalis historia: lateinisch/deutsch = Naturgeschichte. Ausgew., übers. und hrsg. von Marion Giebel. Stuttgart: Reclam, 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2