Blutkugel

Blutkugel, Zaubergeschoss. Die B. oder auch > Freikugel bildet einen Kernpunkt in der Tiroler Sagenwelt und weit darüber hinaus. Sie musste während der Weihnachtsmette gegossen werden. Dafür gab es u. a. folgendes Rezept: In das Blei wurden ein Stück Haut einer verstorbenen Jungfrau, eine Bleikugel, die schon einmal ein Wild getroffen hatte, die zerriebenen Knöchelchen vom Kopf eines kleinen Kindes und die Asche eines Haselstockes gemischt, den der Bach zufällig angeschwemmt hatte.
Selbst blindlings im Wald abgefeuert, trifft die B. das Wild. Findet sie keines vor, fliegt sie gegen den Schützen und trifft diesen. Der Wilderer darf nur 24 Kugeln gießen, die in der Farbe etwas rötlich sind.

Lit.: Hartmann, Johann Ludwig: Neue Teufels-Stücklein, Passauer-Kunst, Vest-machen, Schieß- und Büchsen-Kunst, Feuerlöschung ... Nach Ihrer Abscheuligkeit ... betrachtet.  Nürnberg, 1721; Holzmann, Hermann: Weihnacht am Tiroler Bergbauernhof / M. e. Geleitw. v. Vera v. Grimm. Graz: Verlag für Sammler, 1979.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2