Blumenorakel, Blumenzupforakel

Blumenorakel oder Blumenzupforakel, Weissagen durch Abzupfen der einzelnen Blumenblätter nach der Ja/Nein-Fragestellung: „Liebt mich, liebt mich nicht?“. Ist das letzte Blumenblatt mit „liebt mich“ verbunden, bedeutet das Liebe, falls mit „liebt mich nicht“, steht dies für keine Liebe.
Die Fragen können auch erweitert werden: Liebt mich von Herzen – mit Schmerzen – ein wenig – gar nicht; oder bei der Wahl des Bräutigams: Edelmann – Bettelmann – Bauer – Soldat; König – Kaiser – Advokat. Im Dreier-Abzählreim ging es meistens um: heiraten – ledig bleiben – ins Kloster gehen; alternativ: Himmel – Hölle – Fegefeuer. 
In dieser Ja/Nein-Form lassen sich praktisch sämtliche Probleme behandeln. Dazu eignen sich alle Blumen mit einem dichten Kranz von Strahlenblüten, wie Gänseblümchen, Margeriten oder Wucherblumen, doch scheint die Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) die eigentliche Orakelblume zu sein.
Das B. ist besonders auch bei den Zigeunern sehr beliebt. Dabei wird den einzelnen Blumen eine besondere Eigenschaft oder Bedeutung zugesprochen. Hinsichtlich der Charaktereigenschaften gilt die rote Rose als zärtlich, die Mohnblume als faul, während in Bezug auf den Beruf die Lilie für den Edelmann und die Tamariske für den Verbrecher steht (Kevin, S. 230–232).

Lit.: Blume, J. M.: Selam, die Sprache der Blumen in Liebe und Freundschaft: nebst e. Blumen-Orakel, e. Blumenuhr, e. Deutung d. Farben, e. nachweisenden Reg. u. Devisen zu Bouquets, Kränzen, Sträußen, Stammbüchern usw. Magdeburg: Baensch, 1850;  Martin, Kevin: Das große Zigeunerwahrsagebuch: Kartenlegen – Handlesen – Stern- und Traumdeutung – Orakel – Zahlensymbole. München: Wilhelm Heyne, 1982; Mieder, Wolfgang: „Liebt mich, liebt mich nicht...“: Studien und Belege zum Blumenorakel. Wien: Ed. Praesens, 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2