Blume

Blume, bestäubungsbiologische Einheit der Blütenpflanzen. Ihre Aufgabe ist es, Bestäuber anzulocken. So kann eine Blüte auch eine B. sein, wie Orchideen, Primeln oder Mohn. Eine B. kann aber auch aus mehreren Blüten bestehen, wie etwa die Sonnenblume. Als bestäubungsbiologische Einheit werden B.n, die von Tieren bestäubt werden, nach ihren Bestäubern benannt, etwa die Vogelblumen oder die Käferblumen. Neben dieser funktionellen Einheit, der Farbe und dem Duft ist die B. vor allem durch ihre Form ausgezeichnet (Analogien zu Becher, Flamme, Glocke, Herz).
In ihrer symbolischen Bedeutung ist die B. Sinnbild des Frühlings, des Wachstums und der Schönheit, vor allem der weiblichen. Das empfangende Verhältnis zur > Sonne und zum Regen verbindet sie mit dem Weltall (> Lotos).
In Mythen, Märchen und Legenden können B.n als Seelenträger erscheinen. So wurden im alten Ägypten den Göttern und Toten B. dargebracht, teils in Sträußen.
B. gehören auch zur antiken Unterwelt (> Asphodeloswiesen in der Odyssee) oder zum buddhistischen Paradies > Sukhavata. Eine besondere Rolle spielt die B. in Indien, in China und in den altamerikanischen Religionen.
In der Bibel und im Christentum ist die B. Symbol des Schönen und Ewigen: „Anmut und Schönheit entzücken das Auge, doch mehr als beide die Blumen des Feldes“ (Sir 40, 22). Ab dem späten Mittelalter werden die verschiedenen B.n in ihrer Schönheit auf Christus oder Maria bezogen.
Da die Schönheit der B. rasch vergeht, ist sie auch Symbol der Vergänglichkeit: „Denn alles Sterbliche ist wie Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt, und die Blume verwelkt“ (1 Petr 1, 24).
In der älteren Chemie und Alchemie bezeichnen B.n ein Sublimat, „Flores chymici“, und in der Metallschneidekunst nannte man aufsteigende Blasen B.n. Heute erinnert daran noch  der Ausdruck „Schwefelblume“ für sublimierten Schwefel.
Den einzelnen B.n werden u. a. die folgenden Bedeutungen der Liebe zugeschrieben (Gader, 274):

Almrausch (Alpenrose): Reine Liebe ohne Hintergedanken.
Aster: Treue Freundschaft, gemütliche Plauderei.
Buschwindröschen: Heimliche, erste, zarte Liebe.
Chrysantheme: Großes Ansehen und Berufserfolg.
Dahlie: Fröhliches Fest mit Freunden.
Distel: Streit und Verdruss in der Verwandtschaft.
Edelweiß: Liebe ohne Gegenliebe.
Enzian: Selbstsüchtige Liebe.
Flieder: Brautzeit und Werbung.
Fingerhut: Baldige Hochzeit.
Gänseblümchen: Unverstandene, zarte Liebe.
Gladiole: Liebe ohne Herz, Verstandes- und Vernunftehe.
Heidekraut: Romantische Liebe.
Hyazinthe: Liebe, die nur auf Schönheit sieht; Eitelkeit.
Iris: Keusche Liebe zwischen sehr jungen Menschen.
Kamille: Liebe aus Mitleid.
Kornblume: Treue Liebe bis zum Grabe.
Lilie: Liebe zu Gott.
Löwenzahn: Strohfeuer der Liebe.
Maiglöckchen: Erste Jugendliebe, rein und zart.
Margerite: Liebe voll Eifersucht.
Mohnblume: Leidenschaftliche Liebe.
Nelke: Liebe mit Heiratsgedanken.
Orchidee: Exotische Liebe.
Primel: Fröhliche Freundschaft.
Rose rot: Heiße, fordernde Liebe; gelb: Achtung und Verehrung; weiß: Unschuldige Liebe.
Schneeglöckchen: Treue Liebe mit einem Lächeln auch in schwerer Zeit.
Schneerose: Hart erprobte, echte Liebe.
Stiefmütterchen: Unverstandene, innige Liebe.
Sumpfdotterblume: Erdnahe Leidenschaft.
Tausendguldenkraut: Eine unscheinbare Liebe, die viel gibt.
Tulpe: Vernunftehe ohne Liebe.
Unschuldsblümchen: Liebe voller Hemmungen.
Veilchen: Bescheidene, selbstlose Liebe.
Wegwarte: Arme, verlassene Liebe.
Zittergras: Ängstliche Liebe.


Lit.: Hecker, Jutta: Das Symbol der Blauen Blume im Zusammenhang mit der Blumensymbolik der Romantik. Jena: Frommann, 1931; Gader, Amry: Traumbuch Arach: über 5000 Traumworte und 7000 Traumdeutungen nach den ältesten Aufzeichnungen Arabiens, Ägyptens und Chinas und den neuesten Forschungen. Salzburg: Rabenstein, 1959; Quellen indischer Weisheit: Gedanken und Blumen. St. Gallen: Leobuchhandlung, 1962;  Koehn, Alfred: Japanische Blumensymbolik. Uetersen: Nordmark-Werke, 1964; Krauss, Christel: ... und ohnehin die schönen Blumen: Essays zur frühen christlichen Blumensymbolik. Tübingen: Narr, 1994; Nickig, Marion: Mit Blumen sprechen: die Geheimnisse ihrer Farben, Düfte und Symbolik /Ernst-Otto Luthardt. Sonderausg. für Flechsig Buchvertrieb. Würzburg: Stürtz, 1998; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2