Bloch, Ernst

Bloch, Ernst (*8.07.1885 Ludwigshafen; † 4.08.1977 Tübingen), Utopiker. B. studierte Philosophie, Musik und Physik. Während des Schweizer Exils im Ersten Weltkrieg erfolgte die Grundlegung seiner utopischen Hoffnungsphilosophie. 1933 emigrierte er in die USA, wo ihn 1948 die Berufung auf eine Leipziger Professur erreichte. 1957 erfolgte nach fortwährenden Konflikten in der DDR die Emeritierung. Beim Bau der Mauer 1961 befand sich B. in Westdeutschland, wo er beschloss, die Gastprofessur in Tübingen anzunehmen.
Als 26-Jähriger sah er sich zunächst als Verkünder der Transzendenz und als Erlöser der Menschheit. So bezeichnete er sich 1911 seinem Freund Georg Lukács gegenüber als „Heiliger Geist“: „Ich bin der Paraklet und die Menschen, denen ich gesandt bin, werden in sich den heimkehrenden Gott erleben und verstehen“ (Briefe I, 67).  In diesem messianischen Selbstbewusstsein legte er 1918 das zwischen 1915 und 1917 verfasste eschatologische Programm vor, den Geist der Utopie. Im Kapitel über „Karl Marx, der Tod und die Apokalypse“ formuliert er seine Überlegungen zur Eschatologie. Ausgangspunkt ist die Unsterblichkeit der > Seele, die er gegen die Psychophysik Gustav Th. > Fechners in Form der > Metempsychose verteidigt, der > Seelenwanderung in einem „innerweltlichen Kreislauf“ bis zum Ende der Geschichte, die nur der Vater allein kenne.
1923 entmachtete B. den Vatergott und legte das Ende der Welt in die Hände der Menschen, die dasselbe mit der Reife der Seelen bestimmen würden. Von dieser Wende an zur atheistischen Phase wird die Seelenwanderung nicht nur als innerweltliche, sondern als gottlose Eschatologie konzipiert. Im „Prinzip Hoffnung“, dem großen Buch dieser atheistischen Phase, wird die Seelenwanderung durch die säkulare Hoffnung ersetzt. 1969 hält er die Metempsychose wieder für etwas „doch außerordentlich Beruhigendes“ (Gespräch mit Siegfried Unseld, 320), dies wohl auch im Blick auf sein innerweltliches Ende. Daher ließ er 1971 sogar sein Jugendwerk unverändert nachdrucken.

W.: Geist der Utopie. München: Duncker & Humblot, 1918; Das Prinzip Hoffnung: In 3 Bden. Frankfurt a. M.: Suhrkamp,1954–1959; Gespräch mit Siegfried Unseld, 6.08.1969. In: Tendenz, Latenz, Utopie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1978; Gesamtausgabe der Werke, in 16 Bden. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2