Blick

Blick, gezieltes Schauen. Das > Auge, das wichtigste Sinnesorgan des Menschen, bekommt bei seinem gezielten Einsatz als B. eine besondere Bedeutung. Es nimmt nicht nur das Anvisierte wahr, sondern wirkt zugleich auf dasselbe. Dabei wechselt der Mensch beim normalen Schauen drei- bis fünfmal pro Sekunde die Blickrichtung. 15% der Sehzeit nehmen Blicksprünge ein, in deren Verlauf die Wahrnehmung weitgehend unterdrückt wird. Zudem ist das Suchen und Fixieren des B.s nicht von Geburt an gegeben, vielmehr entfaltet sich der B. in drei Phasen: 1. planloses Umherschauen, 2. Attraktion der Blickrichtung durch Lichtreize, 3. reflektorische Zuwendung. Außerdem kann sich das Blickfeld vergrößern (freudiger Panoramablick), verkleinern (Müdigkeit oder etwa Alkohol) und können die Konturen verschwimmen wie bei Schläfrigkeit und Desinteresse. Dies besagt, dass es keine „objektive“ Wahrnehmung gibt, sondern jeder B. durch das Zusammenfügen tatsächlicher Reizgegebenheiten und durch subjektive Empfindungen bedingt wird.
So kann der B. durch seine Dauer die Intention des Aufforderns, durch sein Abwenden Desinteresse und durch Fixieren Intimität signalisieren, was als willkommen, lästig oder bedrohlich empfunden wird, aber auch zu > Trance und > Hypnose führen kann. Das Wissen um diese Macht des B.s ist alt. So glaubte man bspw., Stiere durch B. lähmen zu können (Seligmann, I, 212). Die Therapieform > Neuro-Linguistic Programming (NLP) versucht Ängste durch eine „Blick-Therapie“ zu überwinden.
Die Wirkung des B.s ist um so kleiner, je geringer die Entfernung ist. So schaut man in Fahrstühlen zu Boden oder am anderen vorbei. Worin die besondere Wirkung des B.s besteht, ist letztlich nicht fassbar, zumal auch die Individualität des B.s und des Blickenden selbst mit einfließen. Es ist die Rede vom auratischen, ausgeräucherten, bösen, guten und magnetischen B., von > Blickbehexung und > Blickzauber.

Lit.: Seligmann, Siegfried: Augendiagnose und Kurpfuschertum: mit besonderer Berücksichtigung des Kurpfuscherprozesses gegen den „Lehmpastor“ Felke. Berlin: Barsdorf, 1910; Terhart, Franjo: Das magische Auge. Goldebek, Nordfriesl.: Mohland, 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2