Blendwerkkunst

Blendwerkkunst, Vortäuschen von Handlungen und Zuständen. „Falsch Gebild und Wort verändern Sinn und Ort! Seid hier und dort!“ (Goethe: Faust I, 2313–15). Zur B. gehören die Kunstfertigkeiten der > Fakire und > Derwische sowie Formen von Selbst- und Fremdsuggestion, wie die verschiedenen Tricks der Zauberkünstler. So zerstückelte der jüdische Kabbalist Zedekias unter der Regierung Pipins des Kurzen (714–768) Menschen, setzte sie dann wieder zusammen und machte sie lebendig.
Die B. kann aber auch dazu dienen, eine schlimme Situation zu verdecken. So wird von einem Deutschen in russischer Kriegsgefangenschaft berichtet, der sich aus Zeitvertreib ohne Vorkenntnisse in einen meditativen Zustand versetzte, in dem er nicht nur sein eigenes Missgeschick vergaß, sondern seinen Mitgefangenen Bilder eines glücklichen Daseins präsentierte (Schrödter, 102). B. hat vor allem in China eine uralte Tradition.

Lit.: Endt, Johann: Sagen und Schwänke aus dem Erzgebirge: der Zauberer P. Hahn, der Wunderdoktor Rölz und andere. Prag: Calve, 1909; Bondegger, Harry Winfield: Hindu-Hypnotismus: Theorie und Praxis d. Fakir-Illusionen u. hypnotischen Experimente / von Vairagyananda. Berlin: Georgi, 1909; Grobe-Wutischky, Arthur: Fakirwunder und moderne Wissenschaft. Berlin-Pankow: Linser, 1923; Schrödter, Willy: Magie, Geister, Mystik. Berlin: Schikowski, 1958; Erzählende Edda: Das Blendwerk der Götter. Prägers Erzählungen. Der Nornengast. Wotans Wunschsöhne; was wirklich in der Edda steht. Riga [u. a.]: DHV, 2002.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2