Blaubart, Gilles de Rais

Blaubart (franz. Barbe-bleue), Spitzname von Gilles de Rais (1404–1440), Soldat, Aristokrat, Marschall und Serienmörder. Den Spitznamen „Blaubart“, mit dem er in Erinnerung blieb, verdankt Gilles de Rais seinem glänzend schwarzen Bart.
Gilles de Rais wurde Ende 1404 auf dem Gut seines Großvaters im Herzogtum Anjou an der Grenze zur Bretagne geboren. Von Besitz- und Machtgier getrieben heiratete er 1422 als Baron und Großgrundbesitzer in eine noch reichere Familie ein. An den Gewalttätigkeiten seines Großvaters, der die Erziehung des Knaben wie des jungen Mannes an sich gerissen hatte, nahm er regen Anteil. Aufgrund seines beträchtlichen Vermögens brachte er es bis zum Heerführer, kämpfte bei Orléans an der Seite von > Jeanne d`Arc und wurde französischer Marschall. Seiner steilen Karriere stand nichts im Wege, außer seine abartige mörderische Neigung. Die ersten Morde 1426 fielen mit Massakern und Kämpfen gegen die Engländer zusammen. 1433 zog er sich plötzlich auf sein Schloss in der Nähe von Nantes zurück und begann > Alchemie zu studieren, weil er hoffte den > Stein der Weisen zu finden. Er kam jedoch bald in den Ruf eines Hexenmeisters. Zur Befriedigung seiner sadistischen Neigung nahm er eine Anzahl Schurken in seinen Dienst.
Typisch für seinen Sadismus ist die Aussage seines Komplizen Poitou: Besagter Gilles de Rais rühmte sich manchmal, dass er mehr Lust darin finde, Knaben und Mädchen zu töten oder ihnen den Hals abzuschneiden oder sie töten zu lassen und sie schmachten und sterben zu sehen, ihre Köpfe und Gliedmaßen zu zerstückeln und das Blut fließen zu sehen, als wenn er Unzucht mit ihnen triebe.
Gilles homosexuelle und pädophile Neigungen machten auch vor den Knaben seiner Kantorei keinen Halt, doch tötete er sie nicht. Vielmehr hängte er sie an einer Stange oder einem Haken auf, holte sie dann herunter oder ließ sie herunterholen, liebkoste sie zum Schein und versicherte ihnen, dass er nicht daran dächte, sie zu verletzen. So hinderte er sie daran, zu schreien. Waren die Opfer beruhigt, tötete er sie eigenhändig oder durch seine Komplizen Sillé, Henriet oder Poitou, indem er ihnen den Hals oder Kopf abschnitt oder mit einem Stock das Genick brach. Auch ein Schwert zur Hinrichtung war vorhanden. B. trieb seine Unzucht an Knaben und Mädchen gleichermaßen. Das Blut, so sagte Henriet, floss während dieser Gewaltorgien in Strömen über den Fußboden.
Am 22. Oktober 1440 bekannte Gilles de Rais selbst vor Gericht, dass er eine große Zahl von Kindern tötete oder töten ließ, mit denen er das sündhafte Laster der Sodomie trieb. Sobald sie tot waren, ließ er ihre Leiber öffnen und erfreute sich am Anblick der inneren Organe. Häufig setzte er sich auf den Bauch der sterbenden Kinder und hatte seine Lust daran, sie sterben zu sehen. Sein Lachen erscholl in Schloss Champtocé, im Haus La Suze in Nantes, den Schlössern Machecoul und Tiffauges, dem Haus der Minoriten in Bourgneuf-en-Rais und im oberen Zimmer des Hauses eines gewissen Lemoine in Vannes.
Die Zahl seiner Opfer beläuft sich nach der Anklageschrift des Kirchen-Prozesses in Artikel 27 auf 140 oder mehr Kinder im Alter zwischen 7 und 20 Jahren. Als er 1440 einen Geistlichen gefangen nahm, wurde ihm schließlich der Prozess gemacht und in einen weltlichen und kirchlichen geteilt, der mit der Verurteilung zum Strang und Verbrennen endete. Das Urteil wurde am 26. Oktober 1444 vollzogen. Seine sadistischen Diener wurden nach ihm hingerichtet.

Lit.: Bataille, Georges: Gilles de Rais: Leben und Prozess eines Kindermörders [Übers.: Ute Erb]. Gifkendorf: Merlin-Verl, 82006; Morgan, Val: The Legend of Gilles de Rais (1404–1440) in the Writings of Huysmans, Bataille, Planchon, and Tournier. Lewiston [u. a.]: Mellen, 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2