Blasius von Sebaste

Blasius von Sebaste († 316), Bischof von Sebaste in Armenien, Märtyrer unter Licinius (308–324), heilig (Fest: 3. Februar). Vor seinem Bischofsamt soll er Arzt gewesen sein. Nach der in mehreren Versionen überlieferten stark legendären Passio versteckte sich B. im Zuge der Verfolgung in einer Höhle, wo ihm Vögel Nahrung zutrugen und sich die Tiere des Waldes von ihm segnen und heilen ließen. Von den Jägern des Stadtpräfekten Agrikolaos entdeckt und gefangen genommen, heilte er auf dem Weg zum Gefängnis bzw. im Gefängnis den Knaben einer Witwe vor dem Ersticken an einer Fischgräte, die diesem im Hals stecken geblieben war, und versprach Mensch und Tier Heilung durch die Anrufung seines Namens. Eine arme Frau, der auf Befehl von B. ein Wolf das ihr geraubte Schwein unversehrt zurückgegeben hatte, brachte ihm Kopf und Füße des Schweins mit Früchten und einer Kerze ins Gefängnis, die er segnete und womit er kommemoriert werden wollte. B. wurde mit sieben Frauen und zweien ihrer Söhne ausgepeitscht, mit eisernen Kämmen geschunden, in einen Teich geworfen und dann enthauptet. Ein Bilderzyklus seines Martyriums findet sich u. a. in der Unterkirche von S. Clemente in Rom (um 1100) und im Braunschweiger Dom (13. Jh.).
Wegen der Heilung des Knaben vor dem Ersticken soll B. schon 550 als Patron der Kehlkopf- und Halsleiden angerufen worden sein (Lammert). Im Osten ist B. seit dem 6. Jh. auch Patron des Viehs, im Westen ab dem 9. Jh. u. a. der Ärzte und Wollweber; in Deutschland – nach der Volksetymologie („blasen“) – zudem Patron der Windmüller, Nachtwächter und Blasmusikanten. Seit dem 14. Jh. ist B. auch einer der 14 Nothelfer z. B. gegen Halsleiden, wilde Tiere und Stürme; zudem gilt er als Schutzpatron der Haustiere.
Kranken und allen, die von Halsschmerzen verschont bleiben wollen, wird am Blasiustag über zwei gekreuzten brennenden Kerzen der > Blasiussegen erteilt.

Lit.: PG (Patrologia Graeca) 116, 817–830; Vita e martirio di s. Biagio, vescovo di Sebaste. Monza: Tip. De'Paolini di Luigi Annoni, 1889; St. Blasius, unser Schutzpatron! Münster (Westf.): Regensberg, 1946;  Lammert, Gottfried: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken: begr. auf d. Geschichte d. Medizin u. Cultur. Regensburg: Sonntag, 1981; Brenske, Stefan: Der Hl. Kreuz-Zyklus in der ehemaligen Braunschweiger Stiftskirche St. Blasius (Dom). Studien zu den historischen Bezügen und ideologisch-politischen Zielsetzungen der mittelalterlichen Wandmalereien. Braunschweig: Stadtarchiv und Stadtbibliothek, 1988.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 2