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LEXIKON DER PARANORMOLOGIE                                                  Index   A - Z
Band 2

Black Book of Carmarthen (walisisch: Llyfr du Caerfyrddin), eines der ältesten walisischen Manuskripte, das um 1200 geschrieben wurde, inhaltlich jedoch bis auf das 9. Jh. zurückgeht und für die Artusepik von Bedeutung ist. Der Name rührt daher, dass man glaubte, die Arbeit mit dem schwarzen Einband sei das Werk eines einzelnen Schreibers des Priorats von St. John in Carmarthen. Das B. befindet sich zur Zeit in der National Library in Wales und enthält eine Sammlung von Gedichten verschiedenster Inhalte. Die bedeutendsten beschreiben die walisischen Helden des Dark Age Britain, insbesondere in Zusammenhang mit der Legende von König > Artus, > Myrddin, > Urien und > Taliesin.

Lit.: Jarman, A. O. H. (Hrsg.): Llyfr du Caerfyrddin. Caerdydd: Gwasg Prifysgol Cymru. A diplomatic edition of the original text, 1982; Llyfr du Caerfyrddin = The Black Book of Carmarthen. Aberystwyth: Llyfrgell Genedlaethol Cymru, 2000.

Black Box, Messgerät der > Radionik. Albert > Abrams (1863–1924), der Begründer der > Radionik, verwendete zur Messung des Ohmschen Widerstands eines Stromkreislaufs bei verschiedenen Erkrankungen ein Gerät mit einem variablen Widerstand, das er B. („schwarze Kiste“) nannte.
In der Psychologie wird der aus der Fernmeldetechnik stammende Begriff B. als Ersatz für die Begriffe > Seele und > Geist bzw. für die letztlich unbeweisbaren inneren psychischen und geistigen Vorgänge herangezogen, um sich allein auf die direkt beobacht- und messbaren Ein- und Ausgangsparameter der Kommunikation zu beschränken.

Lit.: Abrams, Albert: New Concepts in Diagnosis and Treatment. Physicoclinical Medicine, the Practical Application of the Electronic Theory in the Interpretation and Treatment of Disease. San Francisco, Cal.: Philopolis Press, 1916; Watzlawick, Paul: Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien. Bern; Stuttgart: Hans Huber, 1969.

Black Hawk > Powell, Evan.

Black Metal (dt. „Schwarzmetall“), Rock-Musik, die sich dem „Satanspop“ verschrieben hat. Der Name geht zurück auf eine Platte der englischen Band Venom von 1982. B. M. entwickelte sich aus dem > Heavy Metal über den NWOBHM (New Wave of British Metal; Motorhead) mit einer Prise Punk zu Beginn der 1980er Jahre. Die ursprünglich „satanischen Inhalte“ wurden Mitte bis Ende der 1980er Jahre von Endzeitthemen überlagert und mündeten dann in den „Trash Metal“, gekennzeichnet durch Destruktion, Blasphemie, Perversion, Gewaltphantasien und Zerstörungswut. Es folgten Tod und Nekrophilie mit all ihren perversen Spielarten, doch wiederum im > Satanismus thematisiert.

Lit.: Christiansen, Ingolf: Satanismus: Faszination des Bösen. Orig.ausg. Gütersloh: Quell, 2000; Langebach, Martin: Die Black-Metal-Szene. Eine qualitative Studie. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller, 2007.

Black Pullet, The > Poule noire, La.

Blackbeard, Edward Teach (* um 1680 Bristol, England; † 22.11.1718 vor der Insel Ocracoke, North Carolina), einer der berüchtigsten englischen Piraten des karibischen Meeres.
B. interessierte sich bereits in frühester Jugend für die Seefahrt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) kam er als Hilfsmatrose an Bord eines Kaperschiffes nach Jamaika. Auf der Brigantine „Ranger“ des Piraten (und späteren Piratenjägers) Captain Benjamin Hornigold († 1719) lernte er sein „Handwerk“ kennen. Als Großbritannien alle Kaperbriefe in der Karibik zurückzog, sattelte er auf regelrechte Piraterie um und machte mit dem Schiff „Queen Anne's Revenge“ (dem zuvor gekaperten französischen Handelsschiff „La Concorde“) mit einer Crew von 300 Mann 18 Monate lang die Gegend zwischen Virginia und Honduras unsicher. Dabei gestaltete er sein Aussehen als „Ausgeburt des Teufels“ mit langen, schwarzen Haaren und geflochtenem Bart. Vor einer Schlacht steckte er sich jeweils langsam brennende Lunten an das Ende seines Bartes, die er beim Herannahen feindlicher Schiffe anzündete. In vielen Fällen reichte schon sein Anblick aus, um Kapitäne und Handelsschiffe abzuschrecken.
1718 verließ er die Karibik und versuchte die Schiffe „Pearl“ und „Lyme“ der Royal Navie vor der Insel Ocracoke (North Carolina) auszurauben, geriet jedoch in den Hinterhalt von Leutnant Robert Maynard und wurde am 22. November 1718 von fünf Pistolenkugeln niedergestreckt. Seine Leiche wurde enthauptet und der Kopf am Bugausleger von Maynards Schiff befestigt.
In der Literatur versucht man immer wieder B.s Sympathie für den Teufel als „Kriegstaktik“ einzuordnen, übersieht dabei aber seine magische Einstellung.

Lit.: Das Buch der Magier und Zauberer. Köln: Anaconda, 2008.

Blackies > Serios, Ted.

Blackmore, Anne > Pferdezauber.

Blackmore, Susan Jane (* 29.7.1951 London), britische Autorin; 1973 College-Abschluss in Psychologie und Medizin in Oxford, 1980 Promotion zum Dr. phil. in Parapsychologie an der britischen Universität Surrey mit einer Arbeit über > Außersinnliche Wahrnehmung. Nach einer durch Haschisch erzeugten > Außerkörperlichen Erfahrung begann sie sich für Parapsychologie zu interessieren und arbeitete für die > Society for Psychical Research (SPR). Aufgrund der mangelnden experimentell nachprüfbaren Beweise bei ihren ASW-Experimenten mit Tarotkarten, der Prüfung außerkörperlicher Erfahrungen und den Ganzfeldtests wurde sie zur Skeptikerin.
In Ihrem Buch „Dying to Live“ vertritt sie die Ansicht, dass > Nah-Tod-Erfahrungen lediglich einen Versuch des sterbenden Gehirns darstellen, aus seinem Zusammenbruch so etwas wie Sinn zu schaffen. Kritiker werfen ihr vor, dass sie ihre Theorie nur aufrechterhalten könne, indem sie alles ausgliedere, was nicht hineinpasse.

W.: Beyond the Body: An Investigation of Out-Of-The-Body Experiences. Academy Chicago Publishers, 1983; In Search of the Light: The Adventures of a Parapsychologist. Prometheus Books, 1987; Dying to Live: Near-Death Experiences. Prometheus Books, 1993; Testen Sie Ihre übernatürlichen Kräfte: finden Sie die Wahrheit selbst heraus / Adam Hart-Davis [Übertr. aus dem Engl. von Uta Steffens-MacKechneay]. Landsberg am Lech: mvg, 1998; The Meme Machine. Reprint edition. Oxford University Press, 2000; Consciousness: An Introduction. Oxford University Press, 2003; Consciousness: A Very Short Introduction. Oxford University Press, 2005; Conversations on Consciousness. Oxford University Press, 2005; Die Macht der Meme oder die Evolution von Kultur und Geist. Heidelberg: Elsevier, Spektrum Akad. Verl, 2005.

Blackwell, Anna (1816–1900), britische Autorin, Publizistin und Übersetzerin spiritualistischer und spiritistischer Werke. Ihre Übersetzungen umfassen: Jacquesvon George Sand (1847), The Little Gypsy von E.Sauvage (1868) und die folgenden Bücher von Allan > Kardec: The Spirits' Book(1875), The Mediums' Book(1876), Heaven and Hell(1878). B. hatte selbst psychische Erlebnisse, z. B. Visionen, und auf  Fotografien, die sie machte, zeigten sich geisterhafte Gestalten.

W.: Poems. London, 1853; The Philosophy of Existence. London, 1871; The Probable Effect of Spiritualism Upon the Social, Moral and Religious Condition of Society (zus. mit G. F. Green). London: British National Association of Spiritualists, E. W. Allen, 1876.

Blackwood, Algernon (14.03.1869–10.12.1951), einer der berühmtesten okkulten Schriftsteller Englands; wuchs im Schwarzwald auf, studierte an der Universität von Edinburgh; wanderte mit 20 Jahren nach Kanada aus, wo er beim Versuch, als Farmer zu arbeiten, scheiterte. B. führte dann ein Abenteurerleben, bis er in New York als Journalist der New York Times und als Reporter das Auskommen fand; war für einige Zeit auch Sekretär des reichen Bankiers James Speyer. 1899 kehrte B. nach Großbritannien zurück und begann Erzählungen und Romane zu schreiben. 1900 schloss er sich der Gruppe um Arthur Edward > Waite im > Golden Dawn-Orden an. In seinen Werken  befasst er sich mit der Gefährlichkeit, aber auch mit der Faszination der Natur, die den Menschen durch ihre geheimnisvollen Energien bedrohen könne. Von latenten okkulten Fähigkeiten des Menschen war er allgemein überzeugt.

W.: The Empty House and Other Ghost Stories. London, 1906; John Silence: Physician Extraordinary. London, 1908; The Human Chord. London, 1910; Pan’s Garden: A vol. of Nature Stories. London, 1912; Incredible Adventures. London, 1914; Episodes Before Thirty (Autobiografie). London, 1923; Besuch von drüben: Gruselgeschichten. Frankfurt a. M.: Insel-Verl, 1970; Der Griff aus dem Dunkel: Gespenstergeschichten. Frankfurt a. M.: Insel-Verl, 1973; Das leere Haus: phantast. Geschichten. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 61986; Der Tanz in den Tod: unheimliche Geschichten / Ausgewählt von Kalju Kirde. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 21986.

Blain, Gestalt der altnordischen > Völuspá, die in Zusammenhang mit der Entstehung der > Zwerge genannt wird. Diese seien nämlich aus > Brimirs Blut und Blains Knochen gebildet worden.

Lit.: Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen / übertr. von Felix Genzmer. Eingel. von Kurt Schier. Kreuzlingen u. a.: Hugendubel, 2006.

Blake, Elisabeth (†1920), amerikanisches Medium, das insbesondere die > Direkte Stimme produzierte, die auch bei vollem Tageslicht gehört wurde. B. bediente sich dabei einer speziellen „Trompete“, zweier an der Spitze verbundener Trichter, deren einen sie an ihr Ohr legte, während sie den anderen auf das Auditorium richtete, sodass der Eindruck entstand, dass die Stimme von ihrem Ohr kam. Prof. James H. > Hyslop,  David P. > Abbot, und E. A. Parsons sprachen sich für die Echtheit aus.

Lit.: Abbot, D.: Behind the Scenes with the Mediums. Chicago, 51916.

Blake, William (*28.11.1757 London, †12.08.1827 ebd.), englischer Maler, Dichter und Mystiker, dessen Denken von Jakob > Böhme, Emanuel > Swedenborg, der > Gnosis, der > Kabbala und dem Neuplatonismus geprägt war. Schon von Kindheit an glaubte er mit Geistern in Verbindung zu stehen. So soll ihm der Geist seines verstorbenen Bruders Robert neue Drucktechniken offenbart haben. Von 1819 bis 1821 hielt B. zusammen mit den Malern John Varley und John Lenney zwischen 21.00 Uhr und fünf Uhr morgens regelmäßig Seancen ab. Eines Abends sah er angeblich sogar den Geist eines gerade dahingeschiedenen Flohs. Mit den Malutensilien, die ihm Varley unverzüglich reichte, brachte der aufgeregte Blake ein Bild für die Nachwelt zu Papier, bevor das Wesen wieder verschwand. Vorher verriet der ungewohnte Besucher noch, dass alle Flöhe von Seelen extrem blutdürstiger Menschen bewohnt würden. Diese visionären Erfahrungen führten B. zu einer Visionstheorie, deren oberste Stufe die Unio zwischen Gott, Mensch und Natur darstellt. Der Urmensch heißt demzufolge „Albion“. Er bildet den Leib des Absoluten oder Gottes. Später spaltet er sich in vier Zoas: Tharmas (Sinnlichkeit), Urizen (Vernunft), Luvah (Liebe/Hass) und Urthona (Imagination). B. glaubte, in Gott Züge des Bösen zu erkennen. Er nennt ihn daher Urizen (Sichbegrenzung), weil er eine jede Kreativität erstickende Vernunft verkörpern soll. Sein Gegner ist Orc (eine Umstellung aus lat. cor, Herz), ein Abkömmling der Urthona, welche die > Imagination darstellt.
Nach Christoph Bochinger ist B. der Schöpfer der Bezeichnung „New Age“. Seine Religionsauffassung hat die moderne Esoterik nachhaltig bis in die Begrifflichkeit hinein beeinflusst.
Die Malerei von B. beschäftigt sich mit halb geisterhaften, halb mythologischen Wesen. Manches liegt an der Grenze zwischen Dilettantismus und Genialität. Seine großen Bilderfolgen „Hiob“, „Apokalypse“ und „Dante“ gehören in ihrer visionären Tiefe zu den letzten, von religiösem Tiefsinn erfüllten Schöpfungen.
B. lehrte die Einheit der Religionen und glaubte, dass alle Götter im Herzen des Menschen vorhanden seien. Der Sündenfall sei ein Vorgang, der sich im Inneren des Menschen abspiele.

W.: Observations on the Principles Which Regulate the Course of Exchange; And on the Present Depreciated State of the Currency. London, 1810; Songs of Innocence and of Experience Showing the Two Contrary States of the Human Soul. London, 1839; The Poems of William Blake: Comprising Songs of innocence and of Experience, Together with Poetical Sketches and Some Copyright Poems not in Any Other Edition. London: Pickering, 1874; Ausgewählte Dichtungen. Übertr. von Adolf Knoblauch. Berlin: Osterheld, 1907; The Marriage of Heaven and Hell and a Song of Liberty. With an introd. by Francis Griffin Stokes. London: The Florence Press, 1911; Europe: A Prophecy / [printed] by Will. Blake. London: Trianon Pr., 1969; The Book of Urizen: Easson, Kay Parkhurst u. a. (Hrsg.). London: Thames and Hudson, 1979. The Four Zoas: a photogr. facs. of the ms with comm. on the ill. Tramontano Magno, Cettina u. a. (Hrsg.). Lewisburg: Bucknell Univ.Pr. u. a., 1987; Jerusalem: the Emanation of the Giant Albion / ed. with an introd. and notes by Morton D. Paley. London: William Blake Trust, 1991; Zwischen Feuer und Feuer: poetische Werke. Aus d. Engl. neu übers. und mit Anm. hrsg. von Thomas Eichhorn. Mit einem Nachwort von Susanne Schmid. Orig.-Ausg., zweisprachige Ausg. München: Dt. Taschenbuch-Verl, 2000; Die Hochzeit von Himmel und Hölle: [Buch und Hörspiel-CD mit Musik von SANDOW unter der Regie von Kai Grehn] = The Marriage of Heaven and Hell. Aus dem Engl. von Kai Grehn. Originalausg., 1. Aufl. Vevais: Edition Minotaurus, 2003.
Lit.: Bochinger, Christoph: „New Age“ und moderne Religion: religionswissenschaftliche Analysen. Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, 1994; William Blake: the complete illuminated books; with 393 plates, 366 in colour / With an introduction by David Bindman. London: Thames & Hudson u. a., 2000.

Blanckenstein, Chatrina (1610–ca.1680), deutsche Witwe, wurde 1676 in Naumburg, Sachsen, als Hexe vor Gericht gestellt. Als nämlich das Kind eines Nachbarn vier Tage nach dem Genuss der Marmelade, die B. gegen etwas Brennholz eingetauscht hatte, starb, wurde ihr dessen Tod durch Verhexung angelastet. Andere Nachbarn berichteten, dass sie in unmittelbarer Nähe des Hauses Hasen gesehen hätten. Ein Stadtwächter sprach von drei Katzen mit roten Augen, die er dort beobachtet habe. Auf diese und andere Aussagen hin ordnete das Gericht gegen B. einen Prozess an. Trotz des Widerstandes der Söhne wurde sie in das Gefängnis geworfen und mit den > Spanischen Stiefeln, den > Daumenschrauben und der > Leiter gefoltert. Zudem wurde ihr Hals mit Seilen derart zusammengeschnürt, dass man den Tod befürchtete. Dennoch weigerte sie sich, irgendeinen Anklagepunkt zu akzeptieren, und da man auch kein > Teufesmal fand, ließ man sie frei. Nach Bezahlung der Kosten wurde der Fall zu den Akten gelegt. Der Verdacht blieb jedoch bestehen. Einige Jahre nach ihrem Tod wurde 1689 auch ihre Tochter, deren Name nicht bekannt ist, der Tötung eines Kindes durch Hexerei beschuldigt. Sie fand keine Verteidiger und wurde der Folter unterworfen. Beim Anblick der Folterwerkzeuge erklärte sie sich bereit, eine volles Geständnis abzulegen und bestätigte den Vorwurf, das Kind getötet zu haben. Sie gab außerdem zu, mit einem Teufel namens Heinrich sexuelle Beziehungen unterhalten, Tiere getötet und die Heilige Dreifaltigkeit verleugnet zu haben. Nachdem sie ihre Mittäter genannt hatte, versuchte sie sich mit ihrem Gürtel zu erhängen. Man brachte sie jedoch wieder zu Bewusstsein und verbrannte sie zur gegebenen Zeit bei lebendigem Leibe.

Lit.: Pickering, David: Lexikon der Magie und Hexerei. Bechtermünz Verlag, 1999.

Blannbekin, Agnes > Agnes Blannbekin.

Blase, Luftblase, Symbol für unrealistische Gedanken, Pläne und Wünsche. In moralischem und religiösem Bezug, vor allem im Buddhismus und Taoismus, Symbol für Angeberei, Eitelkeit und Unbeständigkeit der Welt.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg i. Br.: Herder, 72000.

Blasebalg. 1. Als Werkzeug zum Anfachen des Feuers ein Symbol dafür, der mystischen Konzentration mehr Kraft zu geben.
2. Im > Bhastrika-Pranayama (Blasebalgatmung) Symbol des Ein- und Ausatmens.
Im > Taoismus ist der Zusammenhang von B. mit dem Atem Sinnbild für die Beziehungen zwischen Himmel und Erde, wobei die obere Platte den Himmel, die untere die Erde darstellt.

Lit.: Weinfurter, Karl: Mystische Fibel: ein Handbuch für die Schüler der praktischen Mystik; erster Band. Sersheim / Wttbg.: Osiris Verlag, 1954; Sivananda Radha, Swami: Kundalini-Praxis: Verbindung mit dem inneren Selbst. Freiburg i. Br.: Bauer, 1992.

Blasius von Sebaste, hl. (Fest: 3. Februar), Bischof von Sebaste in Armenien († 316), Märtyrer unter Licinius (308–324). Vor seinem Bischofsamt soll er Arzt gewesen sein. Nach der in mehreren Versionen überlieferten stark legendären Passio versteckte sich B. im Zuge der Verfolgung in einer Höhle, wo ihm Vögel Nahrung zutrugen und sich die Tiere des Waldes von ihm segnen und heilen ließen. Von den Jägern des Stadtpräfekten Agrikolaos entdeckt und gefangen genommen, heilte er auf dem Weg zum Gefängnis bzw. im Gefängnis den Knaben einer Witwe vor dem Ersticken an einer Fischgräte, die diesem im Hals stecken geblieben war, und versprach Mensch und Tier Heilung durch die Anrufung seines Namens. Eine arme Frau, der auf Befehl von B. ein Wolf das ihr geraubte Schwein unversehrt zurückgegeben hatte, brachte ihm Kopf und Füße des Schweins mit Früchten und einer Kerze ins Gefängnis, die er segnete und womit er kommemoriert werden wollte. B. wurde mit sieben Frauen und zweien ihrer Söhne ausgepeitscht, mit eisernen Kämmen geschunden, in einen Teich geworfen und dann enthauptet. Ein Bilderzyklus seines Martyriums findet sich u. a. in der Unterkirche von S. Clemente in Rom (um 1100) und im Braunschweiger Dom (13. Jh.).
Wegen der Heilung des Knaben vor dem Ersticken soll B. schon 550 als Patron der Kehlkopf- und Halsleiden angerufen worden sein (Lammert). Im Osten ist B. seit dem 6. Jh. auch Patron des Viehs, im Westen ab dem 9. Jh. u. a. der Ärzte und Wollweber; in Deutschland – nach der Volksetymologie („blasen“) – zudem Patron der Windmüller, Nachtwächter und Blasmusikanten. Ab dem 14. Jh. ist B. auch einer der 14 Nothelfer z. B. gegen Halsleiden, wilde Tiere und Stürme; zudem gilt er als Schutzpatron der Haustiere.
Kranken und allen, die von Halsschmerzen verschont bleiben wollen, wird am Blasiustag über zwei gekreuzten brennenden Kerzen der > Blasiussegen erteilt.

Lit.: PG (Patrologia Greaca) 116, 817–830; Vita a martirio di s. Biagio, vescovo di Sebaste. Monza: Tip. De'Paolini di Luigi Annoni, 1889; St. Blasius, unser Schutzpatron! Münster (Westf.): Regensberg, 1946;  Lammert, Gottfried: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken: begr. auf d. Geschichte d. Medizin u. Cultur. Regensburg: Sonntag, 1981; Brenske, Stefan: Der Hl. Kreuz-Zyklus in der ehemaligen Braunschweiger Stiftskirche St. Blasius (Dom). Studien zu den historischen Bezügen und ideologisch-politischen Zielsetzungen der mittelalterlichen Wandmalereien. Braunschweig: Stadtarchiv und Stadtbibliothek, 1988.

Blasiussegen, Segen am Fest des heiligen > Blasius von Sebaste (3. Februar), bei dem zwei zu Maria Lichtmess (2. Februar) geweihte Kerzen, das „Blasiuslicht“, in Form des Andreaskreuzes vor Gesicht und Hals des Segenempfängers gehalten werden und folgender Text gesprochen wird: „Auf die Fürsprache des Heiligen Bischofs Blasius befreie dich Gott von jedem Halsleiden und aller Krankheit, im Namen des V...“ Zwar findet sich ein Segensgebet erst im 17. Jh., welches in das Rituale Romanum aufgenommen wurde, doch reicht der Brauch viel weiter zurück. So kennt schon der Arzt Ätius von Amida im 6. Jh. einen Segen im Namen des Blasius zur Entfernung eines Knochens aus dem Halse (Heim, Nr. 174). In einer Handschrift des 12. bis 13. Jh.s steht eine lateinisch-deutsche Formel gegen Kehlschwellung (Franz I, 459, Anm. 2), in einer anderen des 14. Jh.s gegen Blutung (Ons, 14f); in einer weiteren wird Blasius gegen Viehkrankheiten angerufen (Ms. 222).
Der Segen hat seine Wurzel in den Berichten von der Errettung des Knaben einer Witwe, der wegen einer verschluckten Fischgräte dem Ersticken nahe war.

Lit.: Heim, Ricardus Laurentius Maria: Incantamenta magica Graeca Latina. Lipsiae: Teubner, 1892; Festschrift zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Vereins 1894–1924: Ons Hémecht; Franz, Adolph: Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. Bonn: nova & vetera, 2006 (Luxemburger Hexenprozess von 1614 (Ma. 222 des Archivs der Histor. Sektion des Großh. Instituts).

Blatchford, Robert (*17.3.1851 Maidstone, Kent, †17.12.1943 Norsham, Sussex, England), Autor, Journalist; Agnostiker und Sozialist, später Spiritist. 1920 begann B. sich mit dem Spiritismus zu befassen, und als seine Frau 1921 starb, führte er Sitzungen mit Mrs. Gladys Osborne > Leonard und anderen Medien durch. Dabei kam er zur Überzeugung von einem Fortleben nach dem Tode, die er in seinem Buch More Things in Heaven and on Earth (1925) niederlegte. 1931 veröffentliche er seine Autobiografie.
Aufgrund der enormen Popularität seiner agnostischen und sozialistischen Schriften wird B. oft als Freidenker hingestellt, ohne Hinweis auf seinen späteren Sinneswandel.

W.: More Things in Heaven and on Earth. Methuen, 1925; My Eighty Years (autobiography). Cassell & Company Ltd., 1931.

Blatt (ahd.: plat; lat. folium), neben der Sprossachse und der Wurzel eines der drei Grundorgane der höheren Pflanzen und als solches Symbol der Pflanzenwelt, besonders in der Ornamentik bäuerlichen Kulturen. In Ostasien ist das B. ein Symbol für Glück und Wohlstand. Ein Zweig mit Blättern steht für das Zusammenwirken Einzelner zu einem Ganzen.
Im Christentum symbolisiert ein Dreiblatt die Dreifaltigkeit, ein Vierblatt das Kreuz, die vier Evangelien, die vier Kardinaltugenden. Das Feigenblatt, die erste Kleidung von Adam und Eva nach dem Sündenfall, symbolisiert die Schamhaftigkeit.

Lit.: Herder-Lexikon Symbole. Freiburg; Basel; Wien: Herder, 72000.

Blätter aus Prevorst (engl. Leaves from Prevorst, ital. Lettere di Prevorst), Zeitschrift für Veröffentlichungen von Justinus > Kerner. Er gründete 1831 für seine Publikationen eine Zeitschrift, die er nach der durch ihn bekannt gewordenen > Seherin von Prevorst (Friederike > Hauffe) benannte. Nach Erscheinen der 12. Nr. 1839 ersetzte er sie durch das Magikon: Archiv für Beobachtungen auf dem Gebiet der Geisterkunde und des magnetischen und magischen Lebens nebst anderen Zugaben für Freunde des Inneren, das bis 1853 erschien.

Lit.: Kerner, Justinus: Das Leben des Justinus Kerner / Erzählt von ihm u. seiner Tochter Marie. [Hrsg. von Karl Pörnbacher]. München: Kösel, 1967.

Blatty, William Peter (*1928), amerikanischer Schriftsteller und Autor des 1971 erschienenen Romans The Exorzist (Der Exorzist), inspiriert vom Besessenheitsfall eines vierzehnjährigen Jungen (im Roman ein Mädchen), der sich 1949 im US-Bundesstaat Maryland infolge automatischen Buchstabierens mit einem > Oui-ja-Board zugetragen haben soll. Das Buch und insbesondere dessen Verfilmung 1973 lösten vor allem in den USA, weniger in Europa, eine existentielle Betroffenheit aus, die sogar zu Selbstmorden und psychischen Störungen führte. Dies bewies einmal mehr die Brüchigkeit der rationalistischen Schutzwälle vor dem Irrationalen und Unheimlichen in der modernen Gesellschaft. > Exorzismus.

W.: Blatty, William Peter: Exorzist. Aus dem Amerikan. von Joachim Honnef. Augsburg: Weltbild, 2004.
Lit.: Rosin, Ulrich/Wessels, Karl-Heinrich: Der Exorzist I. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie 16 (1974), 192–213.

Blau, Farbe des Himmels und des Meeres, wird meist als transparent, rein, immateriell und kühl empfunden. Als Farbe des Himmels weist B. auf die Unendlichkeit, die lichte Höhe, als Farbe des Meeres auf die Weite und dunkle Tiefe hin.
B. symbolisiert das Göttliche: blauer Bart ägyptischer Götter, blaue Hautfarbe des indischen Krishna, blauer Mantel Wotans (Edda), Gottvaters in der christlichen Kunst. Zeus und Jahwe thronen über dem Azur. Das zu Weiß tendierende Blau symbolisiert die Reinheit und ist häufig die Gewandfarbe der Jungfrau und Gottesmutter Maria.
In der christlichen Tafelmalerei des Mittelalters wird der Kampf zwischen > Himmel und > Erde oft durch den Gegensatz von B. und Weiß gegen Rot und Grün dargestellt (Georgs Kampf mit dem Drachen).
In der europäischen Farbensymbolik werden mit B. das Metall Zinn, der Donnerstag, die Tugend der Gerechtigkeit sowie die Tierkreiszeichen Fische und Schütze, verbunden. Auch die Europafahne ist blau. B. gilt zudem als ein Symbol der Treue (als Blume: Vergissmeinnicht) und der Beständigkeit. Als Himmelsfarbe ist B. die Farbe des höheren geistigen Planens, des philosophischen Geistes und Intellektes als dem höheren Bewusstsein (Luft) sowie der weltumspannenden Idee der Freimaurerei.
B. ist aber auch die Farbe der Trauer, des Unheils, der Lüge („das Blaue vom Himmel reden“) und des Bösen. Im Koran kennzeichnet B. am Jüngsten Tag die Verbrecher.
B. dient nicht zuletzt der Abwehr, insbesondere des > bösen Blicks, der besonders vom blauen Auge gefürchtet wird, ferner des Keuchhustens („blauer Husten“). In der Traumdeutung und im Orakel hat B. eine unheilvolle Vorbedeutung.
B. symbolisiert das weibliche Prinzip (wie im > Yin-Yang) der Chinesen, im Gegensatz zum Rot, das für  das männliche Prinzip steht. Von den Chakren hat das 5. (> Visuddha) reines B. und das 6. (> Ajna) Indigo-B. In der Astrologie ist das > Tattwa Vayu (Element Luft) blau.
In der > Farbtherapie gilt B. allgemein als eine kalte Farbe, die Entzündungen heilt, Fieber lindert und die Nerven beruhigt. Manche Naturheilkundige und Geistheiler sind der Überzeugung, mit blauem Licht Brandwunden, Ruhr, Koliken, Beschwerden der Atemwege und Rheumatismus behandeln zu können.

Lit.: Wiebel, R.: Die blaue Farbei in ihrer kirchlichen und volkstümlichen Bedeutung. In: Magazin für Pädagogik, 101 (1938); Schmidt, L.: Rot und Blau. Zur Symbolik eines Farbenpaares. In: Antaios (1964) 4; Muths, Christa: Farbtherapie: mit Farben heilen – der sanfte Weg zur Gesundheit; Farben als Schlüssel zur Seele. München: Heyne, 1997; Kastner, Jörg: Die Farbe Blau. München: Droemer Knaur , 2007.

Blau brennende Kerzen (engl. candles burning blue), verbreiteter Glaube, dass Kerzen und andere Lichter eine blaue Farbe annehmen würden, wenn Geister erscheinen. Dies sei durch die schwefelhaltige Atmosphäre im Umfeld derselben bedingt. Eine gewisse Bestätigung dieser Annahme zeigt sich in den Aussagen von Personen, die angeblich Geister sehen, dass sich bei solchen Erscheinungen die Temperatur in ihrer Umgebung ändern würde.

Lit.: Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. Leslie Shepard [Hrsg.]. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 1984.

Blau, Ludwig (1861–1936), bedeutender Judaist, Sprach- und Religionsforscher. Von 1914 bis 1932 war er Professor an der Landes-Rabbinerschule in Budapest. 1898 veröffentlichte er sein viel beachtetes Buch Das altjüdische Zauberwesen, in dem alle Arten des Aberglaubens zu Wort kommen, mit genauer Quellenangabe, hebräischen Zitaten und griechisch-jüdischen > Beschwörungsformeln im griechischen Originaltext mit deutscher Übersetzung. B. war bestrebt, den vorhandenen Stoff vollständig zu sammeln und in möglichster Kürze vorzulegen, denn, so schreibt er im Vorwort: „Das altjüdische Zauberwesen bildet an sich einen interessanten Abschnitt in der Geschichte des menschlichen Glaubens und Denkens, bietet aber zugleich den besten Beleg für die Zähigkeit magischer Vorstellungen. Diese wurzeln so tief in der menschlichen Natur, dass sie der jüdische Monotheismus trotz seiner weltgeschichtlichen Triumphe aus dem eigenen Volke nicht gänzlich auszurotten vermochte.“

W.: Das Altjüdische Zauberwesen (Budapest 1898). Reprint, Graz: 1974, Frankfurt 1987.

Blaubart (franz. Barbe-bleue), Spitzname von Gilles de Rais (1404–1440), Soldat, Aristokrat, Marschall und Serienmörder. Den Spitznamen „Blaubart“, mit dem er in Erinnerung blieb, verdankt Gilles de Rais seinem glänzend schwarzen Bart.
Gilles de Rais wurde Ende 1404 auf dem Gut seines Großvaters im Herzogtum Anjou an der Grenze zur Bretagne geboren. Von Besitz- und Machtgier getrieben heiratete er 1422 als Baron und Großgrundbesitzer in eine noch reichere Familie ein. An den Gewalttätigkeiten seines Großvaters, der die Erziehung des Knaben wie des jungen Mannes an sich gerissen hatte, nahm er regen Anteil. Aufgrund seines beträchtlichen Vermögens brachte er es bis zum Heerführer, kämpfte bei Orléans an der Seite von > Jeanne d`Arc und wurde französischer Marschall. Seiner steilen Karriere stand nichts im Wege, außer seine abartige mörderische Neigung. Die ersten Morde 1426 fielen mit Massakern und Kämpfen gegen die Engländer zusammen. 1433 zog er sich plötzlich auf sein Schloss in der Nähe von Nantes zurück und begann > Alchemie zu studieren, weil er hoffte den > Stein der Weisen zu finden. Er kam jedoch bald in den Ruf eines Hexenmeisters. Zur Befriedigung seiner sadistischen Neigung nahm er eine Anzahl Schurken in seinen Dienst.
Typisch für seinen Sadismus ist die Aussage seines Komplizen Poitou: Besagter Gilles de Rais rühmte sich manchmal, dass er mehr Lust darin finde, Knaben und Mädchen zu töten oder ihnen den Hals abzuschneiden oder sie töten zu lassen und sie schmachten und sterben zu sehen, ihre Köpfe und Gliedmaßen zu zerstückeln und das Blut fließen zu sehen, als wenn er Unzucht mit ihnen triebe.
Gilles homosexuelle und pädophile Neigungen machten auch vor den Knaben seiner Kantorei keinen Halt, doch tötete er sie nicht. Vielmehr hängte er sie an einer Stange oder einem Haken auf, holte sie dann herunter oder ließ sie herunterholen, liebkoste sie zum Schein und versicherte ihnen, dass er nicht daran dächte, sie zu verletzen. So hinderte er sie daran, zu schreien. Waren die Opfer beruhigt, tötete er sie eigenhändig oder durch seine Komplizen Sillé, Henriet oder Poitou, indem er ihnen den Hals oder Kopf abschnitt oder mit einem Stock das Genick brach. Auch ein Schwert zur Hinrichtung war vorhanden. B. trieb seine Unzucht an Knaben und Mädchen gleichermaßen. Das Blut, so sagte Henriet, floss während dieser Gewaltorgien in Strömen über den Fußboden.
Am 22. Oktober 1440 bekannte Gilles de Rais selbst vor Gericht, dass er eine große Zahl von Kindern tötete oder töten ließ, mit denen er das sündhafte Laster der Sodomie trieb. Sobald sie tot waren, ließ er ihre Leiber öffnen und erfreute sich am Anblick der inneren Organe. Häufig setzte er sich auf den Bauch der sterbenden Kinder und hatte seine Lust daran, sie sterben zu sehen. Sein Lachen erscholl in Schloss Champtocé, im Haus La Suze in Nantes, den Schlössern Machecoul und Tiffauges, dem Haus der Minoriten in Bourgneuf-en-Rais und im oberen Zimmer des Hauses eines gewissen Lemoine in Vannes.
Die Zahl seiner Opfer beläuft sich nach der Anklageschrift des Kirchen-Prozesses in Artikel 27 auf 140 oder mehr Kinder im Alter zwischen 7 und 20 Jahren. Als er 1440 einen Geistlichen gefangen nahm, wurde ihm schließlich der Prozess gemacht und in einen weltlichen und kirchlichen geteilt, der mit der Verurteilung zum Strang und Verbrennen endete. Das Urteil wurde am 26. Oktober 1444 vollzogen. Seine sadistischen Diener wurden nach ihm hingerichtet.

Lit.: Bataille, Georges: Gilles de Rais: Leben und Prozess eines Kindermörders [Übers.: Ute Erb]. Gifkendorf: Merlin-Verl, 82006; Morgan, Val: The Legend of Gilles de Rais (1404–1440) in the Writings of Huysmans, Bataille, Planchon, and Tournier. Lewiston [u. a.]: Mellen, 2003.

Blaue Blume, Symbol der Dichtung in Novalis’ Roman Heinrich von Ofterdingen und von daher Symbol der ins Unendliche der Romantik gerichteten Sehnsucht sowie der romantischen Dichtung überhaupt. Als Novalis (Frhr. Friedrich von Hardenberg) 1799 zur Taufe eines Patenkindes nach Artern im Harz kam, verbrachte er einige Tage in der Landschaft des sagenumwobenen Kyffhäuser, um dort Studien zu seinem Werk Heinrich von Ofterdingen zu machen, wobei ihn die Sage vom alten Kaiser Friedrich, der angeblich in einer Höhle im Kyffhäuser schläft, nachhaltig beeindruckte.
Den Augenblick, in dem sein Held, Heinrich von Ofterdingen, im Traum die blaue Blume gewahrt, verlegte Novalis in die Höhle eines Berges. Die Erlebnisse des geschilderten Traumes enthalten sämtliche Elemente einer rauschinduzierten > Vision. Nach dem Tod seiner Verlobten Sophie nahm Novalis vermehrt > Opium zu sich. Es stellt sich mithin die Frage, ob der Dichter hier die blauviolette Blüte des Schlafmohns besungen hat?
Novalis’ Text nahm starken Einfluss auf die Romantiker. Sie erhoben die blaue Blume zum höchsten Symbol ihrer Dichtung: der tiefen Sehnsucht nach grundsätzlichem Heil.

Lit.: Novalis: Heinrich von Ofterdingen. Mit einem Kommentar von Andrea Neuhaus. Orig.-Ausg. Frankfurt a.  M.: Suhrkamp, 2007.

Blaue Dame. Im Schloss Schwarzenraben bei Lippstadt, Deutschland, hängt in der Schlosskapelle ein Bild der Blauen Dame, von der erzählt wird, dass sie in Vollmondnächten durch das Schloss geistere.

Lit.: Grabinski, Bruno: Beweise aus dem Jenseits: Begegnungen mit Abgeschiedenen; exakter photographischer Beweis für ein persönliches Fortleben. Wiesbaden: Credo-Verlag, 1964; Kamps, Markus: Schloß Schwarzenraben 1935 und 1995: Beiträge zur Geschichte einer Schloßausstattung . In: Siedlungsforschung: Bd. 14 (1998), S. 75–112; Ketteler, Karl-Josef von Schwarzenraben: Schloß – Kapelle – Park. Lippstadt: Zeitungsverl. Der Patriot, 2004; Ketteler, Karl-Josef: Die Blaue Dame von Schwarzenraben (erschienen in den Geseker Heimatblättern).

Blaue Grade > Blau.

Blauer Eisenhut > Aconitum ferox.

Blauer Mann (engl. Blue Man) > Arundel Castle.

Blaukäppchen (engl. Blue Cap, auch Blue Bonnet). Bis in die Mitte des 19. Jhs. war B. in der englischen Folklore ein bekannter Geist, der in Bergwerken umging und den Bergleuten bei ihrer Arbeit half. B., dem ungeheure Kräfte nachgesagt wurden, leuchtete als blaues Flämmchen über den Schächten und wollte dafür belohnt werden. Den Bergleuten stand es frei, einen angemessenen Betrag in die Ecke zu legen. War dieser zu hoch angesetzt, ließ der kleine Geist den überschüssigen Betrag liegen. Fühlte er sich nicht korrekt behandelt, brachte das Unheil über die Mine, in der er hauste.

Lit.: Guiley, Rosemary: Harper’s Encyclopedia of Mystical & Paranormal Experience. San Francisco: Harper San Francisco, 1991; Haining, Peter: Das große Gespensterlexikon: Geister, Medien und Autoren. Herrsching: Pawlak, 1991.

Blautopf, Karstquelle am Südrand der Schwäbischen Alb, in der Stadt Blaubeuren, 16 km westlich von Ulm. Das Wasser drängt sich aus einem weitverzweigten Höhlensystem an die Oberfläche und speist die Blau, die bei Ulm in die Donau mündet. Das Innere der Blautopfhöhle ist bis heute nicht restlos erforscht. Den Namen erhielt der B. wegen der Tiefe und Reinheit des Wassers. Seine Schönheit führte zu einer Reihe von Sagen. So sollen einst zwei Brüder aus dem Geschlecht der Grafen von Helfenstein am Rande des B. einen schimmernden Stein gefunden haben. Als ihn der eine in die Hand nahm, wurde er unsichtbar. Da sie befürchteten, dass der Zauberstein nicht nur Glück, sondern auch Unglück über ihr Geschlecht bringen könnte, warfen sie ihn in den B., wo er heute noch liegen soll.
1641 soll der B. so stark angeschwollen sein, dass das naheliegende Benediktinerkloster Blaubeuren, das 1085 gegründet und infolge der Reformation aufgehoben wurde, gefährdet war. Man hielt einen Bettag ab, veranstaltete eine Prozession zur Quelle und warf zur Versöhnung der dort wohnenden Nymphe zwei goldene Becher hinein, worauf das Toben des B. nachließ. Die bekannteste Geschichte über den B. schrieb der Dichter Eduard Mörike in seinem Märchen „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ mit der ,Historie der schönen Lau‘.

Lit.: Reysmann, Theodor: Fons blavus: poet. Beschreibung von Blautopf u. Kloster Blaubeuren aus d. Jahre 1531; e. alter Dr. wiederaufgefunden / Hans-Günter Bilger. Tübingen: Fonsblavus-Verl., 1986; Mörike, Eduard: Das Stuttgarter Hutzelmännlein: [Harry Jürgens zeichnete Ill. und die Vignetten]. Garching: Miniaturbuchverl. Leipzig, 2004.

Blavatsky, Helena Petrowna, geb. von Hahn-Rottenstern (*12.08.1831 [nach anderen Quellen am 31.07.1831] Jekaterinoslaw, heute Dnepropetrowsk, Ukraine, †08.05.1891 London), Spiritistin, Medium, Begründerin der theosophischen Bewegung, auch bekannt unter den Initialen HPB.
B. war die Tochter von Oberst Peter A. von Hahn und praktizierte bereits als Mädchen das > Automatische Schreiben. 1848 heiratete sie mit 17 Jahren den um 43 Jahre älteren General Nikifor V. Blavatsky, den sie aber schon nach drei Monaten wieder verließ. Sie floh nach Konstantinopel und bereiste bis 1863 die verschiedensten Länder in fast allen Erdteilen, bis sie in Tibet jene Eingebungen erhielt, auf deren Verbreitung in westlichen Ländern sich ihre lebenslangen Bemühungen richten sollten. Nach ihren eigenen Angaben wurde sie in Tibet von > Mahatmas unterrichtet und traf schließlich ihren „Meister“, zu dem sie bereits vorher spirituellen Kontakt hatte.
Am 7.07.1873 kam sie nach New York, wo sie in esoterischen Kreisen aktiv wurde und durch ihre Kritik an gängigen Glaubenssätzen und Praktiken Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ab hier beginnt die eigentliche Geschichte der Theosophie. Denn die Zeit von 1851 bis 1875 hätte sie am liebsten aus ihrem „Lebensbuch“ gestrichen.
1874 bildete sich um die Gebrüder Eddy in Chittenden, Vermont, die den neuen Spiritismus bekannt gemacht hatten, eine Spiritistengruppe, zu der u. a. der Journalist Henry Steel > Olcott gehörte. Zu dieser Gruppe stieß eines Tages auch B. Olcott erkannte ihre medialen Fähigkeiten und tat viel für ihre Popularität. B. arbeitete als Medium und machte dabei der Öffentlichkeit sich und ihren Schutzgeist „John King“ bekannt. Gemeinsam mit Olcott gründete sie bald einen eigenen Kreis, den Miracle Club. Am 3.04.1875 heiratete sie in Philadelphia den viel jüngeren Michael C. Betanelly, von dem sie jedoch bald geschieden wurde.
B. war ganz von ihren spirituellen Ideen getragen, übersetzte Artikel Olcotts ins Russische und schrieb am 3.12.1874 in The Spiritual Scientist: „Für über 15 Jahre habe ich meinen Kampf für die heilige Wahrheit gekämpft... Aus Sehnsucht nach Spiritualismus habe ich meine Heimat verlassen.“
Am 7.09.1875 machte G. H. Felt den Vorschlag den Kreis zu erweitern und als Theosophische Gesellschaft zu benennen. Dabei setzte man sich das Ziel, nicht länger den reinen Spiritismus und dramatische Séancen zu pflegen, sondern alte wie neue magische Praktiken und Lehren zu erforschen. Olcott wurde zum Präsidenten gewählt und blieb dies bis zu seinem Tod. Er wurde zum unermüdlichen Organisator, während B. sich mit der geistigen und literarischen Arbeit befasste. Erste Ergebnisse veröffentlichte sie in dem Buch Isis entschleiert (Isis Unveiled), das ihr „von den Meistern der Weisheit durch Astrallicht und mit geistigen Führern“ diktiert worden sei. Das Buch erschien am 2.10.1877 und verschaffte ihr viele Gegner auch in den eigenen Reihen, vor allem wegen ihrer Kritik am Christentum und an der Wissenschaft. Zudem ist in der „Isis“ weder von Meistern noch vom Karma die Rede, auch die Lehre von der Transmigration (Reinkarnation) hat eine völlig eigene Note. Um der zunehmenden Kritik zu entgehen, wanderten B. und Olcott 1878 nach Indien aus, wo beide zum Buddhismus übertraten. Von nun an flossen verstärkt Elemente indischer und vermeintlich tibetischer spiritueller Überlieferung in ihr Werk ein. Sie sprach hier erstmals vom Wirken der Großen Weißen Bruderschaft, die eine Zeit lang ihren Sitz in Tibet gehabt haben soll. Die Menschen suchten B. vor allem auf, um an der automatischen Korrespondenz teilzunehmen. Inzwischen war aus dem Geistführer John King längst der kosmische Meister geworden, der nun mit seinen „Brüdern“ unter anderem B.s Hauptwerk, die Geheimlehre, diktierte. 1879 gründete B. mit Olcott die Zeitschrift The Theosophist. 1882 wurde der Sitz der Gesellschaft nach Adyar bei Madras in Indien verlegt.
Am 21.02.1884 reisten B. und Olcott nach Europa, wo sie bis zur ihrer Rückkehr nach Madras am 20.12.1884 blieben. In London beeindruckte B. mit ihren Vorführungen eine Kommission der > SPR, wurde jedoch von ihrer Assistentin in Indien, Emma Cutting Coulomb, des Betrugs beschuldigt. Gerade während der Abwesenheit von B. und Olcott 1884 kam es im Hauptquartier der TG in Adyar zu Streitigkeiten, in deren Folge das mit B. von New York her befreundete Ehepaar Coulomb Adyar verlassen musste. Daraufhin übergab Frau Coulomb ca. 40 Briefe von B. einer Zeitung zur Veröffentlichung, in denen B. offen Betrugsabsichten äußerte. Ein Briefschalter, über den man sich an die „Mahatmas“ wenden und deren „Briefe“ entgegennehmen konnte, hatte nach hinten eine Öffnung zu B.s Schlafzimmer. In der „Coulomb-Affäre“ stehen sich allerdings zwei Meinungen gegenüber und eindeutige Beweise gegen B. liegen nicht vor.
Während ihres Europa-Aufenthalts weilte B. auch im deutschen Elberfeld bei Familie Gebhard, wo im Beisein von W. Q. Judge und Dr. Hübbe-Schleiden am 23.07.1884 die erste deutsche > Theosophische Gesellschaft gegründet wurde.
Die SPR fühlte sich durch die Beschuldigungen seitens Emma Coulomb verunsichert und entsandte Richard > Hodgson zwecks Aufklärung nach Indien, dessen 1885 veröffentlichter Bericht den Verdacht bestätigte. Er kam bei seiner Untersuchung zudem zum Schluss, dass die „Mahatma-Briefe“ von B. selbst verfasst wurden. 1986 veröffentlichte dann der Fälschungsexperte Vernon Harrison im > Journal of the Society for Psychical Research (vol. 53, Nr. 803, S. 386–410) eine Kritik des „Hodgson-Report“, die von den Theosophen als postume Rechtfertigung aufgefasst wird. Die SPR hat sich auch in anderen Stellungnahmen vom „Hodgson-Report“ des Jahres 1885 distanziert.
B. musste jedenfalls am 26.03.1885 Indien für immer verlassen. Sie ging zunächst nach Deutschland, wo sie in Würzburg und Elberfeld lebte, bevor sie dann 1887 endgültig nach London zog. Als die Theosophische Gesellschaft auseinanderzubrechen drohte, nahm sie entsprechende strukturelle Veränderungen vor, wobei die Gründung einer „Esoterischen Schule“ in den Jahren 1887 bis 1889 die weitreichendste war. Diese Schule stand unter ihrer eigenen Leitung und war von der Gesellschaft unter Olcott völlig unabhängig. Um Vorkommnisse wie jene in Indien zu vermeiden, sollten die Lehren der Meister nur einem engen, streng kontrollierten Kreis von Schülern zukommen, die einem Schweigegebot unterworfen wurden.
In ihren letzten Lebensjahren war B. vor allem mit der Abfassung ihrer Hauptwerke „Die > Geheimlehre“ (The Secret Doctrine), die 1888, im Jahr der Gründung der Esoterischen Sektion der Theosophie, erschien, sowie mit „Der Schlüssel zur Theosophie“ (The Key to Theosophy), erschienen 1889, befasst.
Das Programm der „Geheimlehre“ spiegelt die inzwischen erfolgte Begegnung mit der indischen Geisteswelt wider. Zudem handelt es sich dabei um eine der rätselhaftesten esoterischen Weltentwicklungsvisionen, welche über Darwin hinausgehend eine Entwicklungslehre beinhaltet, in der das Reinkarnationsgesetz zur Grundlage der gesamten Evolution erklärt wird. 
B. starb 1891 in London. > Theosophie, > Anthroposophie.

W.: Isis entschleiert: ein Meisterschlüssel zu den Geheimnissen alter und neuer Wissenschaft und Theologie. 2 Bde; Der Schlüssel zur Theosophie: E. Auseinandersetzung in Fragen u. Antworten über Ethik, Wissenschaft u. Philosophie. Leipzig: Max Altmann; Die Geheimlehre: die Vereinigung von Wissenschaft, Religion und Philosophie / Robert Froebe [Übers.]. Den Haag, NL: J. J. Couvreur, 1899; Im Vorhofe des Okkultismus: Wichtige Richtlinien für Schüler u. Jünger d. Geisterforschg. Leipzig: Theosoph. Verl.-Haus, 1917; Die Stimme der Stille: u. andere ausgewählte Bruchstücke aus d. „Buch d. goldenen Lehren“. Graz: Adyar-Verl., 1953; Gesammelte Werke in 15 Bänden. Los Angeles u. Wheaton, Ill., 1950–1973; Die Stimme der Stille. Gespräche von Annie Besant und C. W. Leadbeater. Grafing: Aquamarin, 22006; Ein Leben für die Meister: die Briefe/H. P. Blavatsky. Hrsg. von John Algeo. Grafing: Aquamarin-Verl., 2009.

Lit.: Frohnmeyer, Leonhard Johannes: Die theosophische Bewegung, ihre Geschichte, Darstellung und Beurteilung. Stuttgart: Calwer Vereinsbuchhandlung, 1923; Hartmann, Franz: Grundriss der Geheimlehre von H. P. Blavatsky. Calw/Württ.: Schatzkammer-Verlag Fändrich, 1980 (?); Besant, Annie Wood: H. P. Blavatsky, Die Stimme der Stille: Gespräche / C. W. Leadbeater. München: Hirthammer, 1986; Harrison, Vernon: H. P. Blavatsky und die SPR: eine Prüfung des Hodgson-Berichts aus dem Jahr 1885. Hundsangen: Theosophischer Verl., 1998; Ruppert, Hans-Jürgen: Helena Blavatsky – Stammutter der Esoterik. Berlin: EZW, 2000; Cranston, Sylvia/Carey Williams: Leben und Werk der Helena Blavatsky. Begründerin der modernen Theosophie. Grafing: Aquamarin, 22001; Barborka, Geoffrey A.: Der göttliche Plan: ein Kommentar zu „Die Geheimlehre“ von H. P. Blavatsky. Eine Darlegung der Lehren der esoterischen Philosophie mit einer Analyse und Erklärung aller verwendeten Begriffe; besonders für Menschen geschrieben, die „Die Geheimlehre“ lesen und besser verstehen möchten. [Aus dem Amerikan. von der Theosophischen Gesellschaft, Deutsche Abteilung]. Freiburg i. Br.: Maurer, 2005; Helena P. Blavatsky: eine Einführung in ihr Leben und Werk / aus dem Engl. neu übers. und hrsg. von Sylvia Botheroyd. Grafing: Aquamarin-Verl., 2006.

Blei (lat. plumbum, Abk. Pb), chemisches Element, Ordnungszahl 82, gehört zu den am längsten bekannten Metallen. Dies ist auf seine leichte Reduzierbarkeit und auf die auffallend glänzenden, meist würfelförmigen Kristalle des wichtigsten Bleierzes, des Bleiglanzes (Galent, Bleisulfid, PbS), zurückzuführen, die nicht selten auch oberflächlich zutage treten. Durch den Silbergehalt seiner Erze spielt das B. nicht zuletzt eine erhebliche Rolle in der Geschichte des > Silbers.
Das B. war bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. im Mittelmehrraum und im Zweistromland bekannt, so bei den Sumerern, den Assyrern in Mykene und Troja. In Ägypten lässt sich B. im 2. Jahrtausend v. Chr. belegen. In der Bronzezeit (1800 bis ca. 700 v. Chr.) verbreitete es sich auch in Mitteleuropa. Durch die Phönizier gelangte spanisches B. nach Ägypten und Griechenland.
Ursprünglich dürfte der Name B. vom indogermanischen „mliwom“ für blau stammen, von dem sich das germanische „bly“ ableitet. Das lateinische plumbum bedeutete ursprünglich nur „Ziegel“ oder „Barren“. Plinius der Ältere (23–79) spricht in seiner Historia naturalis von Plumbum nigrum (schwarzem Blei) und Plumbum album (weißem Blei = Zinn).
Da B. früher bei der Herstellung von Särgen und Urnen verwendet wurde, um die Geister fernzuhalten, galt es als ein zauberkräftiges Metall. Auf B.täfelchen schrieb man > Zaubersprüche. B.plättchen (chartae plumbae), wie Kaiser Nero sie trug, sollten zu einer schönen Gesangsstimme verhelfen. Der griechische Held > Bellerophóntes tötete das Ungeheuer > Chimaira, indem er ihm einen B.klumpen in den Rachen warf, der im Feueratem schmolz und die Eingeweide zerstörte. Nach einem in Schottland verbreiteten Glauben prallten B.kugeln, gegen eine > Hexe geworfen, ab und töteten stattdessen die angreifende Person. Hingegen konnte Blei benutzt werden, um herauszufinden, ob irgendwo Hexerei am Werk war.
Wegen seines hohen Gewichts ist B. ein Symbol der Schwere im physischen wie im psychischen Sinn (bleierne Müdigkeit, bleierne Last).
Eine besondere Rolle spielte B. in der frühen > Alchemie, wo es mit > Saturn identifiziert wurde, den man oft als gebückten Greis mit einer > Sense, gelegentlich auch als grauen Zwerg, darstellte; er galt als kalt, feucht, krank und melancholisch machend. Als Antipode der Sonne bzw. des > Goldes ist er der passende Planet, um das B., den der > Materia prima nahestehenden Ausgangspunkt des > Opus magnum der Alchemisten, zu symbolisieren.  Zudem war B. in der Alchemie Bestandteil der > Tetrasomie (> Kupfer, > Zinn und > Eisen); darüber hinaus wurde es auch zum unedlen Urmetall an sich, da die Metalle der Tetrasomie aus ihm hervorgingen. So wurde B. neben Kupfer zum wichtigsten Ausgangsmaterial der antiken Alchemie. Aurum philosophorum est plumbum („Der Philosophen Gold ist Blei“) heißt es im alchemistischen Werk der > Pandora.
Wegen seiner leichten Schmelzbarkeit hielt man es für stark wasserhältig und brachte es in Verbindung mit > Osiris, der nach seiner Wiederbelebung zum Herrscher alles Flüssigen und zum Leben spendenden Garanten des Nilwassers wurde.
Das heute noch praktizierte  > Bleigießen, bei dem geschmolzenes Blei in Wasser gegossen wird und die dabei entstehenden Figuren auf künftige Ereignisse hin gedeutet werden, ist ein alter Orakelbrauch.

Lit.: Schmidt, L.: Das Blei in seiner Volkstümlichen Geltung. Mitteilungen des Chemischen Forschungsinstitutes der Industrie Österreichs II/1948; Schmidt, Leopold: Heiliges Blei in Amuletten, Votiven und anderen Gegenständen des Volksglaubens in Europa und im Orient. Wien: Montan-Verl, 1958; Priesner, Claus/Figala, Karin (Hrsg.): Alchemie: Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998. Schütt, Hans-Werner: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: die Geschichte der Alchemie. München: Beck, 2000; Haebler, Anna: Bleigießen: Gießen, Bestimmen und Deuten der Bleifiguren. München: Ludwig, 2000; Schreiber, Hermann: Geschichte der Alchemie. Erftstadt: area, 2006.

Bleigießen (Molybdomantie), Wahrsagen mit Blei. Seit dem Altertum ist das B. im gesamten europäischen Raum als Orakel- und Mantikbrauchtum verbreitet. Dabei wird durch Erhitzen verflüssigtes Blei in kleinen Mengen, etwa ein Löffel voll, in kaltes Wasser gegossen. Die sich dabei bildenden Formen werden zukunftsdeutend interpretiert. Die Herkunft dieses Orakelbrauches ist noch ungeklärt. Jedenfalls wurden dem > Blei schon im Altertum und Mittelalter magische Kräfte zugeschrieben. Die mit dem B. verbundene Zukunftsschau dürfte mit der Thomas-Nacht (ursprünglich 21. Dezember, heute 3. Juli), dem kürzesten Tag im Jahr, in Zusammenhang gestanden sein, um sich dann rückwärts auf den Andreastag (30. November, dem ehemaligen Jahresende) oder Martinstag (11. November, dem Kündigungs- oder Anstellungstag der Knechte und Mägde) und vorwärts auf > Weihnacht (> Weihnachtsorakel), > Silvester und > Dreikönig auszubreiten. Ab dem 18. Jh. wurde das B. immer mehr zu einem reinen Gesellschaftsspiel.
Aus den durch das B. entstandenen Figuren sucht man sein Schicksal für das kommende Jahr zu ergründen. Sterne sollen Glück, Kreuze Leiden, Männchen oder Sackformen Reichtum, Tiere Tod bedeuten. Aus den verschiedenen Gestalten sucht man aber auch den Beruf derer, die sie gegossen haben, zu ermitteln: Nadeln oder Nägelchen stehen für das Schneider- oder Schusterhandwerk, baumartige Formen für den Gärtner, Landmann und Förster. Aus einem Buchstaben versucht man den Vornamen des künftigen Partners zu ergründen. Stellt die Figur einen Hammer dar, so erhält das Mädchen einen Handwerker.
Beim Kauf des Bleis zum B. ist meist eine Liste mit Symboldeutungen beigefügt. Wie bei allen Orakelspielen ist der Deutung kein echter Wahrheitsgehalt beizumessen. Es ist ein Spiel. Statt des giftigen Bleis wird oft auch > Zinn verwendet. Am ungefährlichsten ist das > Wachsgießen (> Keromantie).

Lit.: Lenormand, Marie Anne: Neues untrügliches Punktierbuch: 768 unfehlbare Orakelsprüche [auf alle die Zukunft betreffenden Fragen; nebst einer Anleitung, betreffend das Bleigiessen in der Sylvesternacht]. Styrum a. d. Ruhr; Leipzig: A. Spaarmann, 131890; Ressel, Max: Das Bleigiessen: eine Zusammenstellung der verschiedenen Figuren. Mühlhausen i. Th.: G. Danner, 1921; Nickel, Otto: Zu Silvester konnten verliebte Mädchen mit ein bißchen Phantasie beim Bleigießen ihren Liebsten entdecken: Heimatforscher Otto Nickel zu Sitten u. Bräuchen rund um d. Jahreswechsel in Anhalt. 1997.

Bleksley, Arthur Edward Herbert (* 27.04.1908 East Griqualand/Südafrika, †1984), Mathematiker, Astrophysiker und Parapsychologe. B. war Professor für Angewandte Mathematik am Zeiss-Planetarium, Witwatersrand University, Präsident der South African Association for the Advancement of Sciences und Forschungsdirektor des > South African Institute for Parapsychological Research in Johannesburg. Da er selbst keine parapsychologischen Erfahrungen hatte, interessierte er sich als Mathematiker für kreative Prozesse und studierte insbesondere die Geschichte anderer kreativer Mathematiker wie Henri Poincaré. Dabei kam er zu dem Schluss, dass mathematische Kreativität kein bewusstes Phänomen sei, sondern zumindest einen Fuß im außersinnlichen Universum habe. Er befasste sich daher auch mit > ASW, insbesondere mit > Telepathie und > Zufallszahlen, hielt Vorträge und veröffentlichte Artikel zu parapsychologischen Themen.

W.: Die geheim van die atoombom. Johannesburg: Baken, 1945; An Experiment of Long-Distance ESP During Sleep. In: Journal of Parapsychology 27 (1963) 1.
Lit.: Diverse Aspects of Parapsychology: Three Essays / A. E. H. Bleksley; Mkele, Mr. N.; Roux, A. S. [Mitarb.]. Johannesburg, 1960 (Publications of the South African Society for Psychical Research; 4).

Blemmyen, ein Volk von Kopflosen mit Augen und Mund auf der Brust, das in Afrika leben soll.

Lit.: Mode, Heinz: Fabeltiere und Dämonen: die Welt der phantastischen Wesen. Leipzig: Koehler & Amelang, 2005.

Blenden, körperliches oder geistiges Erblinden durch Zauberei.
Körperliches B. wir vor allem durch den > bösen Blick verursacht, wie er von Augenkranken, alten Frauen, Hexen und Zauberern ausgehen soll, kann aber auch Folge der Begegnung mit einem Geist sein.
Geistiges B.bezeichnet hingegen nur eine vorübergehende Täuschung der Sinne. So suchen spukende Geister durch > Blendwerk in die Irre zu führen und Zauberer können eine ganze Menge blenden. Gegen ein solches B. schützt angeblich das Tragen von Heilkräutern oder eines vierblättrigen > Kleeblattes.

Lit.: Seligmann, Siegfried: Die Zauberkraft des Auges und das Berufen: ein Kapitel aus d. Geschichte d. Aberglaubens. Hamburg: L. Friederichsen & Co., 1922; Oberhessisches Sagenbuch: aus d. Volksmunde gesammelt / von Theodor Bindewald. Unveränd. Neudr. d. Ausg. von 1873. Walluf (bei Wiesbaden): Sändig, 1972; Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Wiesbaden: Marix, 2007.

Blendwerkkunst, Vortäuschen von Handlungen und Zuständen. „Falsch Gebild und Wort verändern Sinn und Ort! Seid hier und dort!“ (Goethe: Faust I, 2313–15). Zur B. gehören die Kunstfertigkeiten der > Fakire und > Derwische sowie Formen von Selbst- und Fremdsuggestion, wie die verschiedenen Tricks der Zauberkünstler. So zerstückelte der jüdische Kabbalist Zedekias unter der Regierung Pipins des Kurzen (714–768) Menschen, setzte sie dann wieder zusammen und machte sie lebendig.
Die B. kann aber auch dazu dienen, eine schlimme Situation zu verdecken. So wird von einem Deutschen in russischer Kriegsgefangenschaft berichtet, der sich aus Zeitvertreib ohne Vorkenntnisse in einen meditativen Zustand versetzte, in dem er nicht nur sein eigenes Missgeschick vergaß, sondern seinen Mitgefangenen Bilder eines glücklichen Daseins präsentierte (Schrödter, 102). B. hat vor allem in China eine uralte Tradition.

Lit.: Endt, Johann: Sagen und Schwänke aus dem Erzgebirge: der Zauberer P. Hahn, der Wunderdoktor Rölz und andere. Prag: Calve, 1909; Bondegger, Harry Winfield: Hindu-Hypnotismus: Theorie und Praxis d. Fakir-Illusionen u. hypnotischen Experimente / von Vairagyananda. Berlin: Georgi, 1909; Grobe-Wutischky, Arthur: Fakirwunder und moderne Wissenschaft. Berlin-Pankow: Linser, 1923; Schrödter, Willy: Magie, Geister, Mystik. Berlin: Schikowski, 1958; Erzählende Edda: Das Blendwerk der Götter. Prägers Erzählungen. Der Nornengast. Wotans Wunschsöhne; was wirklich in der Edda srteht. Riga [u. a.]: DHV, 2002.

Blessingway, Geschichten- und Ritualsammlung der > Navajos, die von der Schöpfung der gegenwärtigen Welt berichtet, nachdem der Stamm aus der Unterwelt ans Licht kommt. Dazu gehört auch die Geschichte von Changing Woman und die Begründung der Initiationsfeier für Mädchen, der Kinaalda-Zeremonie. B. beinhaltet Rituale für die Geburt, die Hochzeit, den Segen des Hauses und soll einem guten und gesunden Leben dienen. Die > Navajos sagen: Was immer hier auf der Erde geschieht, muss zuerst geträumt werden, und das ist gerade was ein B. macht. Es ist ein Ritual (oder ein „Traum“) zur Vorbereitung auf ein größeres Ereignis des Lebens, wobei insbesondere die Mutterschaft eine lebensverändernde Bedeutung hat.

Lit.: Wyman, Leland Clifton: Blessingway. With Three Versions of the Myth Recorded and Translated From the Navajo by Father Bernard Haile. Tucson: University of Arizona Press, 1970.

Bletonismus, nach dem im 18. Jh. in Paris lebenden Wasserfinder Bleton bezeichnete Gabe, unterirdische Quellen durch einen bestimmten Gefühlseindruck nachweisen zu können. Von hier stammt auch die Bezeichnung Bletonist für „Quellenfühler“.

Lit. Mayers Konversationslexikon, 3. Bd. Leipzig: Bibliographisches Institut, 51894.

Bletonist > Bletonismus.

Bleuler, Eugen (*30.04.1857 Zollikon bei Zürich, †15.07.1939 ebd.), Psychiater. B. studierte Medizin mit Abschluss 1881 in Zürich, wurde dann Professor für Psychiatrie an der Universität Zürich und Direktor des Burghölzli-Hospitals. Bekannt wurde B. vor allem durch seine Beschreibung der > Schizophrenie (1911), die er als Spaltung zwischen dem Fühlen und dem Denken einer Person definierte, wobei er verschiedene Formen der Schizophrenie unterschied, die als gemeinsamen Nenner „zerrissene“ Assoziationen haben und Ursache zahlreicher anderer Symptome sind: Unmöglichkeit effizienten Denkens und zielgerichteter langfristiger Kommunikation. Er prägte zudem den Begriff Autismus und entwickelte die von ihm so benannte „Udenotherapie“, nach der man Krankheiten nicht sofort mit blindem Aktionismus heilen, sondern den natürlichen Ablauf derselben abwarten solle, um auch so oft  eine Heilung zu erreichen. Als einer der ersten Universitätsprofessoren akzeptierte B. die Psychoanalyse.
In seiner Abschiedsrede an der Züricher Universität 1928 gab er bekannt, dass er sich mehr und mehr der parapsychologischen Forschung nähere und deren Phänomene in stärkere Verwandtschaft zum Ablauf des unterbewussten Geschehens als zum bloßen Ablauf physikalischer Vorgänge setze. B. nahm selbst an einer Versuchsserie zur > Telepathie teil, berichtete von einem selbsterlebten > Spukfall, war Teilnehmer an Sitzungen mit Rudi und Willi > Schneider und betonte das psychische Moment psychokinetischer Phänomene.

W.: Die Psychoanalyse Freuds: Verteidigung und kritische Bemerkungen. Leipzig [u. a.]: Deuticke, 1911; Dementia praecox oder die Gruppe der Schizophrenien. Leipzig [u..]: Deuticke, 1911; Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung. Berlin: Springer, 1919; Naturgeschichte der Seele und ihres Bewusstwerdens: mnemistische Biopsychologie. 2., stark umgearb. Aufl. Berlin: Springer, 1932.

Blewett, Duncan Bassett (*28.10.1920 Edmonton, Kanada), Psychologe; studierte an der British Columbia Universität und promovierte 1953 an der Universität London zum Dr. phil. Von 1961 an war B. Professor für Psychologie an der Universität von Saskatchewan. Er befasste sich mit der telepathischen Kommunikation in durch Drogen induzierten psychedelischen Bewusstseinszuständen und mit der nonverbalen Kommunikation unter Personen bei psychedelischen Sitzungen, worüber er auf der Konferenz über Parapsychologie und Psychedelika 1958 in New York referierte. B. verfasste Beiträge für das Journal of Mental Science.

Blick, gezieltes Schauen. Das > Auge, das wichtigste Sinnesorgan des Menschen, bekommt bei seinem gezielten Einsatz als B. eine besondere Bedeutung. Es nimmt nicht nur das Anvisierte wahr, sondern wirkt zugleich auf dasselbe. Dabei wechselt der Mensch beim normalen Schauen drei- bis fünfmal pro Sekunde die Blickrichtung. 15% der Sehzeit nehmen Blicksprünge ein, in deren Verlauf die Wahrnehmung weitgehend unterdrückt wird. Zudem ist das Suchen und Fixieren des B.s nicht von Geburt an gegeben, vielmehr entfaltet sich der B. in drei Phasen: 1. planloses Umherschauen, 2. Attraktion der Blickrichtung durch Lichtreize, 3. reflektorische Zuwendung. Außerdem kann sich das Blickfeld vergrößern (freudiger Panoramablick), verkleinern (Müdigkeit oder etwa Alkohohl) und können die Konturen verschwimmen wie bei Schläfrigkeit und Desinteresse. Dies besagt, dass es keine „objektive“ Wahrnehmung gibt, sondern jeder B. durch das Zusammenfügen tatsächlicher Reizgegebenheiten und durch subjektive Empfindungen bedingt wird.
So kann der B. durch seine Dauer die Intention des Aufforderns, durch sein Abwenden Desinteresse und durch Fixieren Intimität signalisieren, was als willkommen, lästig oder bedrohlich empfunden wird, aber auch zu > Trance und > Hypnose führen kann. Das Wissen um diese Macht des B.s ist alt. So glaubte man bspw., Stiere durch B. lähmen zu können (Seligmann, I, 212). Die Therapieform > Neuro-Linguistic Programming (NLP) versucht Ängste durch eine „Blick-Therapie“ zu überwinden.
Die Wirkung des B.s ist um so kleiner, je geringer die Entfernung ist. So schaut man in Fahrstühlen zu Boden oder am anderen vorbei. Worin die besondere Wirkung des B.s besteht, ist letztlich nicht fassbar, zumal auch die Individualität des B.s und des Blickenden selbst mit einfließen. Es ist die Rede vom auratischen, ausgeräucherten, bösen, guten und magnetischen B., von > Blickbehexung und > Blickzauber.

Lit.: Seligmann, Siegfried: Augendiagnose und Kurpfuschertum: mit besonderer Berücksichtigung des Kurpfuscherprozesses gegen den „Lehmpastor“ Felke. Berlin: Barsdorf, 1910; Terhart, Franjo: Das magische Auge. Goldebek, Nordfriesl.: Mohland, 2005.

Blick, auratischer  > Aurasehen.

Blick, ausgeräucherter, Wegräuchern des „bösen Blickes“ durch heil- und zauberkräftige Pflanzenbüschel. Zu diesen Pflanzen gehören Golddistel (Carlina vulgaris), Labkraut oder Liebfrauenbettstroh, Leinkraut oder Frauenflachs, Beifuss, Quendel (Thymian), Schafgarbe, Wiesenknopf, Liebstöckl, Pfefferminze, Salbei, Hafer, Gerste, Roggen, Weizen und die Zottengallen der Heckenrosen mit der Königskerze in der Mitte des Straußes. Es mussten drei Golddisteln mit drei Blüten an einem Stängel sein, denn nur dann konnte die „dreizackige Donnerdistel“ gegen Halsentzündung und „bösen Blick“ wirksam werden.

Lit.: Lechner-Knecht, Sigrid: Reise ins Zwischenreich: Begegnungen mit Wundertätern und Zauberpriestern. Freiburg i. Br.: Herder, 1978.

Blick, böser > Böser Blick.

Blick, magnetischer, energiegeladenes Schauen. Der m. B. spielt vor allem in den Werken von Honoré de Balzac (1799–1850) eine bedeutende Rolle. Nach Balzac sendet der damit begabte Mensch durch das Auge ein mit Seele geladenes Licht aus, um andere Personen seinem Willen blind zu unterwerfen. So schießen Balzacs Kraftnaturen ihr Willensfluidum durch das Auge auf die Gegner. In der Tat gibt es Menschen, die durch ihren Blick andere in ihren Bann ziehen. Was dabei allerdings zum Tragen kommt, muss offen bleiben. Wie die > Hypnose letztlich eine > Selbsthypnose ist, so könnte auch hier der Bann durch den Blickkontakt stimuliert, letztlich aber von der betroffenen Person selbst ausgelöst werden. Die Vorstellung von einer „Energieübertragung“ ist nicht grundsätzlich auszuschließen, worin diese auch immer bestehen mag.

Lit.: Brandler-Pracht, Karl: Lehrbuch zur Entwicklung der okkulten Kräfte im Menschen. Leipzig: Max Altmann, 1912; Curtius, Ernst Robert: Balzac. Bonn: Cohen, 1923; Balzac, Honoré de: Vater Goriot. Zürich : Diogenes, 2007.

Blickbehexung, Schadenzufügung durch den > Bösen Blick.

Blickzauber, Geblendetwerden durch den „Basiliskenblick“ (> Basilisk) gefährlicher Tiere oder durch den > Bösen Blick übel gesinnter Menschen. Auch Tiere ihrerseits können durch den Blick von Menschen gebannt werden, besonders wirkungsvoll dann, wenn sie dabei angesprochen werden. Diese Methode wird vor allem von > Dompteuren angewandt. Schließlich können Tiere auch ihresgleichen durch ihren Blick „bezaubern“.

Lit.: Lechner-Knecht, Sigrid: Reise ins Zwischenreich: Begegnungen mit Wundertätern und Zauberpriestern. Freiburg i. Br.: Herder, 1978; Petersdorff, Egon von: Dämonologie. Zweiter Band: Dämonen am Werk. Stein am Rhein: Christiana-Verlag, 1982.

Blinder Berto > Berto.

Blinder Jüngling, Weissagung durch einen blinden tschechischen Jüngling von 1356. Damals soll man dem böhmischen König und herrschenden deutschen Kaiser Karl IV. (1316–1378) in Prag einen blinden Jüngling vorgestellt haben, der aufgrund seiner angeblichen Gabe der > Weissagung von sich reden gemacht hatte. Über die Begegnung selbst sind keine Einzelheiten mehr bekannt, doch soll der Inhalt der Prophezeiungen furchterregend gewesen sein, weshalb der Kaiser die Weitergabe der Schreckensbotschaften verbieten ließ. Diese fanden aber anscheinend doch ihren Weg. Jedenfalls tauchten später zahlreiche, zum Teil phantastische Abschriften auf, sodass die Originalfassung zwar nur schwer auszumachen ist, ein historischer Kern aber erkennbar sein soll. Davon zeugen eine tschechische Handschrift aus dem Jahre 1576 in der Österreichischen Nationalbibliothek sowie eine deutschsprachige Druckschrift in der Staatsbibliothek in München von 1645.

Lit.: Proroctwy stare o kralowstwy Czeskem 1358, o. O. 1576. In: Codex 7745, Folio 2o7, Handschriftenabteilung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien; Eine Wahrhafftige Prophezeihung von dem Böhmer-Lande, dem Christseligen Kayser Karolo dem Vierten (usw.), o. O., 1645; Gann, Alexander: Zukunft des Abendlandes? Eine Untersuchung von Prophezeiungen. Salzburg: Selbstverlag, Inst. f. angew. Parapsych. (IFAP), 1986, S. 105–116.

Blinder Tom, Thomas Greene Bethune, auch als Tom Wiggins bekannt (*25.05.1849 Columbus, Muscogee County, Georgia, †13.06.1908 in Hoboken, New Jersey, USA), Musikgenie, Komponist und Pianist.
Tom war ein US-amerikanischer Sklave, daher auch unter dem Namen seines „Besitzers“ James Bethune als Tom Bethune (Thomas Greene Bethune) bekannt, blind und musikalisch außergewöhnlich begabt. Als er sich mit vier Jahren zum ersten Mal an das Klavier setzte, konnte er spontan spielen. Ein Lehrer, der sich des Jungen annahm, erklärte, dieser verstehe mehr von Musik als andere jemals begreifen oder erlernen könnten. In allen anderen Lebensbereichen war Tom, wohl auch wegen seiner Blindheit, unterdurchschnittlich befähigt und wurde teilweise als Autist bezeichnet. Sein Herr, General Bethune, hielt ihn für nicht intelligenter als seinen Hund.
Mit sechs Jahren begann Tom am Klavier zu improvisieren und komponierte seine eigenen Werke. Im Oktober 1857 mietete der General eine Konzerthalle in Columbus und Tom spielte das erste Mal vor einem großen Publikum, das nur schwer verstehen konnte, wie ein blinder dummer Sklave derart Klavier spielen könne. Der General witterte ein neues Einkommen für sich, trennte Tom im Alter von neun Jahren von seiner Familie und schickte ihn mit dem Manager Perry Oliver für mehrere Jahre auf Konzertreisen. Tom konnte nicht nur die Klassiker spielen und improvisieren, sondern auch Stücke, die jemand vorher spielte, sofort nachspielen. Die Baltimore Sun schrieb am 27. Juni 1860, Tom sei ein Phänomen in der Musikwelt, das uns jenseits aller Wissenschaft belehre, dass es eine Welt der Musik gibt, von der wir nichts wüssten. Er spielte auch vor dem Präsidenten James Buchanan im Weißen Haus  und wurde fortan als der größte Pianisten seiner Zeit bezeichnet.
Nach dem Bürgerkrieg sicherte sich General Bethune vom Gericht die Vormundschaft über Tom und setzte die Konzertreisen fort, die diesen bis nach Europa führten. Toms Repertoire umfasste 7.000 Stücke, davon etwa 100 Eigenkompositionen. Am 30. Juli 1887 wurde er vom Gericht schließlich der Obhut seiner Mutter Charity zugesprochen, obwohl er gern bei seinem alten Herrn verblieben wäre. Tom setzte seine Konzerte von nun an unter dem Namen seines Vaters als Thomas Greene Wiggins bis 1904 fort.

Lit.: Virginia polka / Tom, the blind negro boy pianist only 10 years old [i. e. T. G. Bethune]. New York: H. Waters, ca. 1860; The Marvelous musical prodigy, Blind Tom, the Negro boy pianist, whose performances at the great St. James and Egyptian halls, London, and Salle Hertz, Paris, have created such a profound sensation. Anecdotes, songs, sketches of the life, testimonials of musicians and savans, and opinions of the American and English press, of “Blind Tom”. New York: French & Wheat, 1868?; Bethune, Thomas Greene, 1849–1908. [from old catalog]; Sounding off: theorizing disability in music / edited by Neil Lerner, Joseph N. Straus. New York: Routledge, ca. 2006.

Blindheit, angeborene oder erworbene hochgradige Sehminderung bis zum beidäugigen völligen Sehverlust (Amurose). Das individuelle Erleben der B. wird von Geburtsblinden und sehr früh Erblindeten durch Hören und Tasten besser kompensiert als von Erwachsenen bei Erblindung im Erwachsenenalter, die bei den Betroffenen einen mehrwöchigen Schock zur Folge hat, begleitet von Verzweiflung und depressiven Zuständen.
Von diesem Sehverlust mit objektivem Augenbefund ist die psychogene B. zu unterscheiden, verursacht durch einen Schock, durch Gehirnerschütterung, neurologisch-psychiatrische Affekte, posthypnotische Zustände oder Flucht in die Krankheit.
Diese äußerst belastende und nicht selten eintretende Lebenssituation der B. findet auch in Mythos und Märchen ihren Niederschlag. Das physische Nicht-Sehen wird u. a. als Vorbedingung für die innere Schau gedeutet. So erhält der blinde Teiresias von > Zeus die Gabe, Künftiges vorauszusehen. Der germanische Gott > Odin verpfändet ein Auge, um die höchste Weisheit zu erlangen.
Die psychische Blindheit wird sogar dahin gepriesen, dass wer für die Götter dieser Welt blind ist, im Himmel Gott schauen wird. Die Bibel spricht von der Heilung der Blinden (Mt 9, 28-30), von der Blindheit als Erkenntnissperre (Lk 24, 16) wie auch von der Blindheit als Strafe (Deut 28, 28).
Das meist verwendete Symbol für B. ist die > Augenbinde.

Lit.: Steinberg, Wilhelm: Hauptprobleme der Blindenpsychologie. Marburg: Verl. der blinden Akademiker Deutschlands, 1927; Ich sehe anders: medizinische, psychologische und pädagogische Grundlagen der Blindheit und Sehbehinderung bei Kindern / Hildegard Gruber; Andrea Hammer (Hrsg.). Würzburg: Ed. Bentheim, 2002; Groll, Oliver: Finsternis, Tod und Blindheit als Strafe: eine exegetische Untersuchung zu den Begriffen krinein, krisis und krima im Johannesevangelium. Frankfurt a. M. [u. a.]: Lang, 2004; Etzel, Annabell: Die Blindheit des Ulysses. Hildesheim, 2005.

Blind-Lesen, Lesen mit verbundenen Augen. Die Vp wird dabei ersucht, einen Text auf  einem Billet mit verbundenen Augen zu lesen. Diese Art von B. wird auch bei Sitzungen mit Medien verwendet. Das > Medium nimmt mit verbundenen Augen ein Billett aus dem Korb, in den die Teilnehmer ihre mit Namen versehenen Zettel gelegt haben, und versucht den jeweiligen Namen zu nennen und über seine jenseitige Stellung zu sprechen.

Lit.: Manning, Al G.: Selbsthilfe durch Psi. Freiburg i. Br.: Hermann Bauer, 1966.

Blindversuch, Kontrollversuch bei Experimenten in Medizin, Psychologie, Parapsychologie und Paranormologie, um bestimmte Variablen, wie z. B. Suggestionseffekte, auszuschließen, aber auch um die Vp an die Versuchssituation anzupassen. Der Proband weiß dabei nicht, welchen experimentellen Bedingungen er zugeordnet ist.
Beim sog. Doppel-Blindversuch hat auch der Experimentator keine entsprechenden Informationen. Dies ist vor allem bei parapsychologischen und paranormologischen Experimenten von besonderer Wichtigkeit, um auch mögliche telepathische und telekinetische Einflüsse auszuschließen.

Lit.: Testtheorie – Testpraxis: psychologische Tests und Prüfverfahren im kritischen Überblick / Siegfried Grubitzsch. Unter Mitarb. von Thomas Blanke. 2., unveränd. Aufl. der vollst. überarb. und erw. Neuausg., Lizenzausg. Eschborn bei Frankfurt a. M.: Klotz, 1999.

Blindzuordnung (engl. Blind Matching, BM; fr. assortissement fortuit; it. accoppiamento alla cieca), ASW-Kartentest, bei dem die Vp 25 Karten, von denen jede eines der fünf Symbole (Kreis, Kreuz, Quadrat, Stern, Welle) trägt, umgekehrt haltend in fünf Häufchen sortiert und den nicht erkennbaren fünf Schlüsselkarten mit je einem Symbol zuzuordnen versucht. Die Trefferzahl ergibt sich aus der Größe der richtigen Zuordnung.

Lit.: Rhine, J. B.: Parapsychologie: Grenzwissenschaft der Psyche; das Forschungsgebiet der außersinnlichen Wahrnehmung und Psychokinese. Methoden und Ergebnisse / M. e. Einf. v. Hans Bender. Bern; München: Francke Verlag, 1962.

Blitz und Donner (engl. lightning and thunder; it. fulmine e tuono), sind die Urboten von Gewittern. Dabei ist ein Gewitter ca. 3,3 Kilometer entfernt, wenn die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner 10 Sekunden beträgt. Diese Naturerscheinungen stehen aufgrund ihrer Unheimlichkeit im Mittelpunkt antiker Götterlehren, da als Verursacher häufig das persönliche Eingreifen des Wettergottes vermutet wurde. Der B. diente > Marduk als Waffe gegen > Tiamat. Der blitzschleudernde > Zeus der Antike kann als zorniger, befruchtender oder erleuchtender Gott erscheinen.
Blitz- und Donnergötter sollten durch Riten und Opfergaben beschwichtigt  werden. Vor allem in der Orakellehre der Etrusker spielte die Deutung der Blitze als Ausdruck des Götterwillens eine große Rolle.
Den D. dachten sich die Germanen und andere Völker als durch den über den Himmel rollenden Götterwagen verursacht (> Donar). Nach den Indianern Nordamerikas wird der D. durch das Flügelschlagen des > Donnervogels (Adler) hervorgerufen. Der B. kommt auf Zeichnungen der Dakota-Indianer aus dem Schnabel des Vogels.
Im AT wird das Erscheinen Gottes öfters von B. und D. begleitet (Ex 19, 16-19) und Gottes Stimme wird in seiner Machtfülle mit dem D. verglichen (Joh 12, 28-29). Der Satan fällt wie ein B. vom Himmel (Lk 10, 18).
Vom B. getroffene Stätten galten vielfach als gottgeweiht, während vom B. Erschlagene an Ort und Stelle begraben werden mussten.
Schließlich ist der B. aufgrund seiner Schnelligkeit und Leuchtkraft ein Symbol geistiger Kraft, was in der Redewendung „Geistesblitz“ zum Ausdruck kommt.

Lit.: Rieth, Adolf: Der Blitz in der bildenden Kunst. München: Heimeran, 1953; Lommel, H.: Blitz und Donner im Rigveda (Oriens VIII/1955); Speyer, W.: die Zeugungskraft des himmlischen Feuers in Antike und Urchristentum (Antike und Abendland 24/1978); Woher kommen Blitz und Donner: verblüffende Antworten über Himmel und Erde / [Ill.: Detlef Kersten. Red.: Ulrike Berger]. Freiburg i. Br.: Velber, 2007.

Blitzguss, in der > Kneipp-Therapie verwendet. Sebastian > Kneipp übernahm eine in Frankreich entwickelte Gießform, bei der das Wasser durch eine Hochdruckdüse aus etwa drei m Entfernung waagrecht auf den Körper auftrifft. Der Gießer muss mit seinem Zeigefinger am Mundstück des Schlauches den Strahl regulieren und eventuell versprühen lassen, denn der B. soll angenehm sein und muss daher über Knochenpartien, Narben, Krampfandern, Nieren und Herz abgeschwächt werden, soll aber trotzdem eine starke mechanische Reiz- und Massagewirkung erzielen. Statt des kalten B. wird mittlerweile meist der heiße B. nach Fey auf den Rücken (Rückenblitz) bei Verspannung der Rückenmuskulatur verwendet.

Lit.: Fey, Christian: Kneipp-Therapie bei Herz- und Kreislaufstörungen. München; Bad Wörishofen: Verl. f. ärztliche Fortbildung, 21957.  

Blitzorakel, > Weissagung durch Deuten der Blitze. Vor allem in der Orakellehre der > Etrusker spielte die Deutung der Blitze als Ausdruck des Götterwillens eine große Rolle. Sie kannten acht Blitze und neun Gottheiten, die mit Blitzen um sich schleuderten. Zur Deutung teilten sie den Himmel in 16 Gegenden ein und beobachteten, aus welcher Gegend und zu welcher Tages- und Jahreszeit die Blitze aufleuchteten. Beobachtete ein Beamter beim > Auspicium vor einer öffentlichen Versammlung einen Blitz, genügte dies, um die Versammlung zumindest an diesem Tag zu verhindern. > Blitz und Donner, > Orakel, > Luftorakel.

Lit.: Vandenberg, Philipp: Das Geheimnis der Orakel: Archäologen entschlüsseln. Wien: Tosa, 2004.

Blo(c)kula (im heutigen Schwedisch Blåkulla), legendärer Versammlungsplatz im schwedischen Mora, wo der Teufel angeblich den > Hexensabbat abhielt. B. konnte nur durch einen magischen Flug erreicht werden. Ein besonderer Umstand dieser Zusammenkünfte bestand zudem darin, dass die Hexen vom Teufel Söhne und Töchter hatten, die untereinander heiraten und ein Geschlecht von Kröten und Schlangen zeugten. Als die Sache bekannt wurde, legten schließlich viele Hexen offene Bekenntnisse ab, bedauerten ihr Verhalten und unterzogen sich der Strafe.
B. spielt bei der im Werk von Joseph > Glanvill, Sadducismus Triumphatus (1682), beschriebenen Hexenjagd eine bedeutende Rolle. Es ist ursprünglich derselbe Platz wie die Insel Blå Jungfrun, die in frühen Jahren Blåkulla genannt wurde. Bedeutung bekam B. jedoch erst durch  den Hexenwahn von 1668–1676.

Lit.: Scott, Walther/Bärmann, Georg Nikolaus: Briefe über Dämonen und Hexerei. Zwickau: Gebrüder Schumann, 1833.

Bloch, Ernst (*8.7.1885 Ludwigshafen, †4.8.1977 Tübingen), Utopiker. B. studierte Philosophie, Musik und Physik. Während des Schweizer Exils im Ersten Weltkrieg erfolgte die Grundlegung seiner utopischen Hoffnungsphilosophie. 1933 emigrierte er in die USA, wo ihn 1948 die Berufung auf eine Leipziger Professur erreichte. 1957 erfolgte nach fortwährenden Konflikten in der DDR die Emeritierung. Beim Bau der Mauer 1961 befand sich B. in Westdeutschland, wo er beschloss, die Gastprofessur in Tübingen anzunehmen.
Als 26-Jähriger sah er sich zunächst als Verkünder der Transzendenz und als Erlöser der Menschheit. So bezeichnete er sich 1911 seinem Freund Georg Lukács gegenüber als „Heiliger Geist“: „Ich bin der Paraklet und die Menschen, denen ich gesandt bin, werden in sich den heimkehrenden Gott erleben und verstehen“ (Briefe I, 67).  In diesem messianischen Selbstbewusstsein legte er 1918 das zwischen 1915 und 1917 verfasste eschatologische Programm vor, den Geist der Utopie. Im Kapitel über „Karl Marx, der Tod und die Apokalypse“ formuliert er seine Überlegungen zur Eschatologie. Ausgangspunkt ist die Unsterblichkeit der > Seele, die er gegen die Psychophysik Gustav Th. > Fechners in Form der > Metempsychose verteidigt, der > Seelenwanderung in einem „innerweltlichen Kreislauf“ bis zum Ende der Geschichte, die nur der Vater allein kenne.
1923 entmachtete B. den Vatergott und legte das Ende der Welt in die Hände der Menschen, die dasselbe mit der Reife der Seelen bestimmen würden. Von dieser Wende an zur atheistischen Phase wird die Seelenwanderung nicht nur als innerweltliche, sondern als gottlose Eschatologie konzipiert. Im „Prinzip Hoffnung“, dem großen Buch dieser atheistischen Phase, wird die Seelenwanderung durch die säkulare Hoffnung ersetzt. 1969 hält er die Metempsychose wieder für etwas „doch außerordentlich Beruhigendes“ (Gespräch mit Siegfried Unseld, 320), dies wohl auch im Blick auf sein innerweltliches Ende. Daher ließ er 1971 sogar sein Jugendwerk unverändert nachdrucken.

W.: Geist der Utopie. München: Duncker & Humblot, 1918; Das Prinzip Hoffnung: In 3 Bden. Frankfurt a. M.: Suhrkamp,1954–1959; Gespräch mit Siegfried Unseld, 6.8.1969. In: Tendenz, Latenz, Utopie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1978; Gesamtausgabe der Werke, in 16 Bden. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Blochmann, Johann Ernst Jakob. Geboren am 26. September 1812 als Jüngstes der vier Kinder von Christoph und Elisabeth Blochmann in Karlsruhe und nach der Prinzentheorie wahrscheinlich am 16. Oktober 1812 gegen den echten Erbprinzen ausgetauscht, der am 29. September 1812 geboren wurde und später als > Kaspar Hauser bekannt werden sollte. Kaspar soll zunächst bei der Familie Blochmann aufgewachsen sein.

Lit.: Reihe: Kaspar-Hauser-Forschung. Basel: Lochmann.

Blockierung, Sperre der Erinnerung, des Gedankensgangs oder der Handlungsabfolge. Dies kann sich als „Kurzschluss“, „Mattscheibe“, „Faden verlieren“, „Gedanken abreißen“, etwas liegt mir auf der Zunge“, „ich bin wie gelähmt“ äußern. Ursachen können emotionale Erregung, Ermüdung, „geistige Leere“, „Sinnzerfall“ in der Reizwahrnehmung oder im Gedankenablauf, momentanes motorisches Unvermögen, Flucht vor unbewältigten Gedanken, Abwehrmechanismus, altersbedingte Erinnerungslücken, aber auch spontane Überraschung durch paranormale Erlebnisse sein.
Tritt nach der Blockierung wieder die volle Normalität ein, kann von pathologischen Verhaltensmustern abgesehen werden.

Lit.: Vill, Hermann: Moderne Siechtumsgefahren durch Blockierung des biologischen Grundsystems, Blockierung der Regulationsfähigkeit des Körpers, Blockierung der biologischen Verfügbarkeit der Arzneien und ihre Behandlung mit Hilfe der bioelektronischen Funktionsdiagnostik und Therapie, insbesondere dem sympathischen Arzneitest. Heidelberg: Haug, 1978; Fliess, Fr.: Die Barriere gegen die Gedanken-Übermacht, gegen Grübeln, Ängste, Süchte: d. sensationelle Entdeckung d. Atem-Verweilworts; durch Blockierung d. Gehirns gedankenfrei für guten Schlaf u. Ruh am Tag. Berlin: Elsner, 1979; Schellenbaum, Peter: Die Wunde der Ungeliebten: Blockierung und Verlebendigung der Liebe. München: Dt. Taschenbuch-Verl., 1995.

Blocksberg. Norddeutschland kennt den Brocken oder Blocksberg – mit 1.142 m der höchste Berg im Harz – als Versammlungsstätte von Hexen und Dämonen. Die ältesten Belege für Zusammenkünfte auf dem B. datieren aus der Zeit um 1300, während sich die früheste Bezeichnung als B. Ende des 14. Jh.s im Münchner Nachtsegen findet, wo der „Brochisberg“ oder „Brockesberg“ erwähnt wird (ZfdA. 41, 343). Ein Beichtbuch des 15. Jh.s spricht von Zauberinnen, die auf dem Blocksberg waren (Grimm, 565). Allerdings ist die Versammlungsstätte der Hexen nicht an Berge gebunden, sondern allgemein an Plätze, wo Gericht gehalten oder Opfer dargebracht wurden. So haben sächsische Priester nach der Christianisierung auf dem Brocken ihre heidnischen Kulte weiter praktiziert. Als Ort der Hexenversammlung wurde der Brocken erst im 17. Jh. bekannt, insbesondere durch das Buch von > Prätorius, Blockes-Berges Verrichtung, einer Sammlung landschaftlicher Schilderungen, Hexengeschichten und Hexenmythen. In Goethes Faust wurde der B. zum Versammlungsplatz für Hexen und böse Geister in der Walpurgisnacht. Den Namen B. gibt es auch in der Oberpfalz, in Schleswig-Holstein, Hinterpommern, Ost- und Westpreußen und in Ungarn. > Brockengespenst.

Lit.: Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung oder ausführlicher geographischer Bericht von dem hohen trefflich alten und berühmten Blocksberge: ingleichen von der Hexenfahrt und Zauber-Sabbathe, so auff solchem Berge die Unholden aus gantz Teutschland jährlich den 1. Maij in Sanct-Walpurgis-Nachte anstellen sollen; Aus vielen Autoribus abgefasset und mit schönen Raritäten angeschmücket sampt zugehörigen Figuren; Nebenst einen Appendice vom Blockes-Berge wie auch des Alten Reinsteins und der Baumans Höle am Hartz / von M. Johanne Praetorio. Leipzig: Scheiben Franckfurth am Mäyn: Arnsten, 1668; Price, Harry: Confessions of a Ghost Hunter. London: Putnam, 1936; Zeitschrift für deutsches Altertum (ZfdA). Berlin, 1941ff.; Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie. Überarb. Reprint d. Orig.ausg. v. 1943 nach d. Exemplar d. Verlagsarchives.  Coburg: K. W. Schütz-Verlag, o. J.

Blödel, Herzog Blödel, Blödelin, Bruder des Königs Etzel im Sagenkreis der > Nibelungen. B. fand im Kampf in Susat durch Marschall Dankwart den Tod:
„Damit schlug er Blödeln einen schwinden Schwertesschlag,
Dass ihm das Haupt zur Stelle vor den Füßen lag“ (Nibelungenlied, 1989).
Mit seinem Überfall auf Dankwart löste B. die Kämpfe gegen die Burgunden an Etzels Hof aus.

Lit.: Das Nibelungenlied / hrsg. von Friedrich Zarncke. Halle (Saale): Niemeyer, 1920.

Bloemardinne, Heylwighe (*1260 in Brüssel, †23.08.1335 ebd.), Mystikerin aus angesehener und wohlhabender Familie, die angeblich unter Eingebung, auf einem silbernen Stuhl sitzend, lehrte und schrieb. Unter ihrer Mitwirkung erfolgte 1316 die Stiftung des Brüsseler Dreifaltigkeitshospiz. Ihre Schrift „de spiritu libertatis et ... amore venereo“ ging leider verloren. Johannes von Ruysbroeck bezeichnete ihre Lehren 1336/43 als häretisch, diese wurden dann jedoch von der Brüsseler Freigeistsekte „Homines Intelligentiae“ (frühes 15. Jh.) übernommen. Die lange vermutete Identität von B. mit > Hadewych hat sich als nicht haltbar erwiesen.

Lit.: Dinzelbacher, Peter: Heilige oder Hexen? Schicksale auffälliger Frauen. Düsseldorf: Patmos, 2004.

Blofeld, John Eaton Calthorpe (*2.4.1913 London, †7.6.1987 Bangkok), Religionswissenschaftler mit Spezialisierung in Taoismus und chinesischem Buddhismus, studierte Naturwissenschaft an der Universität Cambridge, ohne das Studium zu beenden. Von 1933–39 bereiste er China, besuchte Klöster, sprach mit mongolischen Lamas, Zen-Meistern und taoistischen Weisen. Er wollte für immer in Peking bleiben, doch zwang ihn der Zweite Weltkrieg zur Heimkehr. Von 1939–40 unterrichtete B. an der Universität in London und kehrte anschließend wieder nach China zurück, um den Buddhismus der T’ang Dynastie zu studieren. Bei der Machtergreifung der Kommunisten musste er China jedoch erneut verlassen und unterrichtete in der Folge in Hongkong und Bangkok. In seinen letzten Jahren hielt er Vorträge in Kanada und USA und befasste sich mit chinesischer Literatur.
Seine Studien und gesammelten Erfahrungen mit chinesischen Weisen und Mystikern sind von besonderem Bedeutung, weil er in die Spiritualität Chinas noch vor der Kulturrevolution eindrang, die dann all diese Formen der chinesischen Identität zu zerstören suchte.

W.: Mantra: Die Macht des heiligen Lautes; Die „Silben der Kraft“ als Mittel d. Transformation d. Bewußtseins; Eine Einf. in d. Praxis d. Mantra-Meditation. Bern u. a.: Barth, 1988; Das Tao des Teetrinkens: von der chinesischen Kunst, den Tee zu bereiten und zu genießen. Barth, 1990; Der Taoismus oder die Suche nach Unsterblichkeit. München: Diederichs, 1991; I-Ging: das Buch der Wandlung. München: Barth, 1991; Selbstheilung durch die Kraft der Stille: Übungsanleitungen zur Wiedergewinnung des inneren Gleichgewichts mit altbewährten Meditationsmethoden / John Blofeld. Bern [u. a.]: Scherz, 1991; Jenseits der Götter: eine abenteuerliche Reise zu den Mönchen, Einsiedlern und Mystikern Chinas. München: Sierra bei Frederking-&-Thaler-Verl, 2000.

Blok, Alexander (*16.11.1880 St. Petersburg, †7.8.1921 ebd.), russischer Dichter, Vertreter und Theoretiker des russischen > Symbolismus.
Nach dem Abitur schrieb sich B. zunächst an der juristischen Fakultät in Petersburg ein, wechselte dann zur historisch-philosophischen Fakultät und studierte Literaturwissenschaft mit Abschlussprüfung.
Philosophisch von > Platon und > Solowjew beeinflusst, glaubte er, dass sich die idealen Urtypen im Weltall nur in einer „dispersierten“ Form manifestieren und dennoch – wenn auch völlig unerklärlich – in manchen ihrer irdischen Abspiegelungen zu einer vollen Inkarnation gelangen können. Die Suche nach diesen ewigen Wesenheiten ist der Inhalt seiner Dichtung, verbunden mit steter Skepsis: „Wie klar der Horizont / Wie nah des Lichtes Strahlen / doch fürchte ich / Du wandelst dein Gesicht“ (nach Stepun, 387). In der Tat kam in B. das Zwiegespräch zwischen Mystik und Skepsis nie zur Ruhe. So waren Vision und Wirklichkeit der hl. Sophia im Leben und Dichten von B. stets gegengezeichnet von der Skepsis mit dem Blick auf das konkrete Leben. Er sah den Irrweg Russland und die geistige Verarmung Europas voraus und litt darunter. So beendete er auch seinen Lebensweg als ein physisch und psychisch kranker, von Enttäuschungen, Selbstanklagen und unendlichem Schmerz gequälter Mensch, der nichts mehr wünschte, als zu sterben, da Sophia im Diesseits nicht zu Hause sein darf.

W.: Ausgewählte Werke. [Hrsg. von Fritz Mierau]. Berlin: Verlag Volk u. Welt.
Lit.: Blok, Aleksandr Aleksandrovic: Gesammelte Dichtungen. München: Weismann, 1947; Stepun, Fedor: Mystische Weltschau: 5 Gestalten d. russ. Symbolismus. München: Hanser, 1964.

Blond, lichte, goldähnliche Haarfarbe, die mit > Gold und Getreide verglichen wurde, welche für Reichtum und Fruchtbarkeit standen. B. nimmt zudem an der Symbolbedeutung
des Goldes teil und gilt deshalb auch als wertvoll. So soll > Nofretete, die Gemahlin des ägyptischen Pharaos > Echnaton, ihr schwarzes Haar mit Goldstaub aufgehellt haben, und die Griechen hielten Blond für die Haarfarbe der Götter. B. gilt auch als schön. So ist uns > „Xanthippe“, was „blondes Pferd“ bedeutet, als Schönheit überliefert. Auch in Rom stand blondes Haar hoch im Ansehen. Daher fertigten die Römer aus dem Haar versklavter Germaninnen blonde Perücken an.
Wie in der Antike ist B. auch heute noch begehrt und man darf davon ausgehen, dass 90% aller Blondinen zur Kolorierung greifen.

Lit.: Prokop, Gert: So blond, so schön, so tot. Berlin: Verl. Das Neue Berlin, 1994.

Bloßheit. Die Mystiker des Mittelalters beschreiben mit B. eine Erlebnisform, bei der Erfahrung und Empfindung des Irdischen spontan aufhören und Platz für ein „Unirdisches“ machen. Der Begriff erinnert in seiner Bedeutung an das Sanskritwort > kaivalya. Die Ähnlichkeit verweist auf die Realität einer Erfahrung, denn ein historischer Zusammenhang ist nicht gegeben.

Lit.: Hauer, Jakob Wilhelm: Der Yoga: Ein indischer Weg zum Selbst. Kritisch-positive Darst. nach d. indischen Quellen mit e. Übers. d. maßgeblichen Texte. Stuttgart: Kohlhammer, 1958.

Bloxham Tapes > Bloxham, Arnall.

Bloxham, Arnall (* ca. 1881), britischer Hypnotherapeut, machte im Lauf von 20 Jahren bei hypnotischen Sitzungen mehr als 400 Tonbandaufnahmen mit Personen, deren Erinnerungen angeblich zu früheren Inkarnationen zurückführten. Die Tonbänder sind als „Bloxham Tapes“ in die Geschichte eingegangen. 1958 gab seine Frau Denice ein Buch heraus, das sich mit einer dieser Versuchspersonen befasst.
1972 wurde B. Präsident der British Society of Hypnotherapists.

Lit.: Bloxham, D. Arnall: Who was Ann Ockenden? etc. [With a portrait.]. London: Neville Spearman, 1958; Cranston, S[ylvia]: Wiedergeburt: ein neuer Horizont in Wissenschaft, Religion und Gesellschaft. München: F. Hirthammer Verlag, 1989.

Blue Jay, > Eichelhäher. B. gilt als eine wichtige Trickster-Figur bei den Chinook der Nordwestküste Amerikas. Während er für die Küsten-Salisch nur ein Clown ist, hat er bei den Salish und Peneuti der Binnenwälder große Macht. Bei den Chinook gibst es sogar einen Eichelhähertanz, der von den Schamanen getanzt wird, bis Blue Jays Kraft auf sie übergeht. Nach Wiedererlangung des Bewusstseins haben sie dann die Kraft, Wünsche zu erfüllen und Kranke zu heilen.

Lit.: Jones, David M.: Die Mythologie der Neuen Welt: die Enzyklopädie über Götter, Geister und mythische Stätten in Nord-, Meso- und Südamerika / Molyneaux, Brian L. Reichelsheim: Edition XXV, 2002.

Blüher, Hans (*17.2.1888 Freiberg/Schlesien, † 5.2.1955 Berlin), Philosoph und Schriftsteller. Sein besonderes Engagement galt der Jugendbewegung mit Betonung der Verbrüderung unter Männern. Seine Arbeiten zu diesem Thema fanden großen Anklang, so auch bei Gottfried Benn, Thomas > Mann, Rainer Maria > Rilke oder Franz > Werfel. Parallelen finden sich auch zum Kreis um den Dichter Stefan George.
B. war zudem einer der Ersten, der schon damals die Krise der Schulmedizin erkannte und diese durch eine Verbindung von Medizin und Religiosität zu überwinden suchte.

W.: Die deutsche Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen. Ein Beitrag z. Erkenntnis d. sexuellen Inversion. Berlin-Tempelhof: Weise, 1912; Die drei Grundformen der sexuellen Inversion (Homosexualität): Eine sexuolog. Studie. Leipzig: Spohr, 1913; Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft. Jena: Diederichs, 1919; Traktat über die Heilkunde, insbesondere die Neurosenlehre. Jena: E. Diederichs, 1926.

Blume, bestäubungsbiologische Einheit der Blütenpflanzen. Ihre Aufgabe ist es, Bestäuber anzulocken. So kann eine Blüte auch eine B. sein, wie Orchideen, Primeln oder Mohn. Eine B. kann aber auch aus mehreren Blüten bestehen, wie etwa die Sonnenblume. Als bestäubungsbiologische Einheit werden B.n, die von Tieren bestäubt werden, nach ihren Bestäubern benannt, etwa die Vogelblumen oder die Käferblumen. Neben dieser funktionellen Einheit, der Farbe und dem Duft ist die B. vor allem durch ihre Form ausgezeichnet (Analogien zu Becher, Flamme, Glocke, Herz).
In ihrer symbolischen Bedeutung ist die B. Sinnbild des Frühlings, des Wachstums und der Schönheit, vor allem der weiblichen. Das empfangende Verhältnis zur > Sonne und zum Regen verbindet sie mit dem Weltall (> Lotos).
In Mythen, Märchen und Legenden können B.n als Seelenträger erscheinen. So wurden im alten Ägypten den Göttern und Toten B. dargebracht, teils in Sträußen.
B. gehören auch zur antiken Unterwelt (> Asphodeloswiesen in der Odyssee) oder zum buddhistischen Paradies > Sukhavata. Eine besondere Rolle spielt die B. in Indien, in China und in den altamerikanischen Religionen.
In der Bibel und im Christentum ist die B. Symbol des Schönen und Ewigen: „Anmut und Schönheit entzücken das Auge, doch mehr als beide die Blumen des Feldes“ (Sir 40, 22). Ab dem späten Mittelalter werden die verschiedenen B.n in ihrer Schönheit auf Christus oder Maria bezogen.
Da die Schönheit der B. rasch vergeht, ist sie auch Symbol der Vergänglichkeit: „Denn alles Sterbliche ist wie Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt, und die Blume verwelkt“ (1 Petr 1, 24).
In der älteren Chemie und Alchemie bezeichnen B.n ein Sublimat, „Flores chymici“, und in der Metallschneidekunst nannte man aufsteigende Blasen B.n. Heute erinnert daran noch  der Ausdruck „Schwefelblume“ für sublimierten Schwefel.
Den einzelnen B.n werden unter anderen die folgenden Bedeutungen der Liebe zugeschrieben (Gader, 274):

Almrausch (Alpenrose): Reine Liebe ohne Hintergedanken.
Aster: Treue Freundschaft, gemütliche Plauderei.
Buschwindröschen: Heimliche, erste, zarte Liebe.
Chrysantheme: Großes Ansehen und Berufserfolg.
Dahlie: Fröhliches Fest mit Freunden.
Distel: Streit und Verdruss in der Verwandtschaft.
Edelweiß: Liebe ohne Gegenliebe.
Enzian: Selbstsüchtige Liebe.
Flieder: Brautzeit und Werbung.
Fingerhut: Baldige Hochzeit.
Gänseblümchen: Unverstandene, zarte Liebe.
Gladiole: Liebe ohne Herz, Verstandes- und Vernunftehe.
Heidekraut: Romantische Liebe.
Hyazinthe: Liebe, die nur auf Schönheit sieht. Eitelkeit.
Iris: Keusche Liebe zwischen sehr jungen Menschen.
Kamille: Liebe aus Mitleid.
Kornblume: Treue Liebe bis zum Grabe.
Lilie: Liebe zu Gott.
Löwenzahn: Strohfeuer der Liebe.
Maiglöckchen: Erste Jugendliebe, rein und zart.
Margerite: Liebe voll Eifersucht.
Mohnblume: Leidenschaftliche Liebe.
Nelke: Liebe mit Heiratsgedanken.
Orchidee: Exotische Liebe.
Primel: Fröhliche Freundschaft.
Rose rot: Heiße, fordernde Liebe; gelb: Achtung und Verehrung; weiß: Unschuldige Liebe.
Schneeglöckchen: Treue Liebe mit einem Lächeln auch in schwerer Zeit.
Schneerose: Hart erprobte, echte Liebe.
Stiefmütterchen: Unverstandene, innige Liebe.
Sumpfdotterblume: Erdnahe Leidenschaft.
Tausendguldenkraut: Eine unscheinbare Liebe, die viel gibt.
Tulpe: Vernunftehe ohne Liebe.
Unschuldsblümchen: Liebe voller Hemmungen.
Veilchen: Bescheidene, selbstlose Liebe.
Wegwarte: Arme, verlassene Liebe.
Zittergras: Ängstliche Liebe.


Lit.: Hecker, Jutta: Das Symbol der Blauen Blume im Zusammenhang mit der Blumensymbolik der Romantik. Jena: Frommann, 1931; Gader, Amry: Traumbuch Arach: über 5000 Traumworte und 7000 Traumdeutungen nach den ältesten Aufzeichnungen Arabiens, Ägyptens und Chinas und den neuesten Forschungen. Salzburg: Rabenstein, 1959; Quellen indischer Weisheit: Gedanken und Blumen. St. Gallen: Leobuchhandlung, 1962;  Koehn, Alfred: Japanische Blumensymbolik. Uetersen: Nordmark-Werke, 1964; Krauss, Christel: ... und ohnehin die schönen Blumen: Essays zur frühen christlichen Blumensymbolik. Tübingen: Narr, 1994; Nickig, Marion: Mit Blumen sprechen: die Geheimnisse ihrer Farben, Düfte und Symbolik /Ernst-Otto Luthardt. Sonderausg. für Flechsig Buchvertrieb. Würzburg: Stürtz, 1998; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

Blumengestirn, Stellung von sieben Gestirnen (oder Himmelspunkten wie ASZ oder IC) nach der buddhistischen Astrologie, bei der ein Gestirn in der Mitte von drei Paaren anderer Gestirne steht (Lotos-Stellung). Diese Konstellation soll angeblich zur Zeit der Geburt Buddhas aufgetreten sein.

Lit.: Shaneman, Jhampa: Buddhistische Astrologie: Horoskop-Interpretation aus buddhistischer Sicht. Berlin: Ullstein, 2007.

Blumenmedium > Rothe, Anna.

Blumenorakel oder Blumenzupforakel, Weissagen durch Abzupfen der einzelnen Blumenblätter nach der Ja/Nein-Fragestellung: „Liebt mich, liebt mich nicht?“. Ist das letzte Blumenblatt mit „liebt mich“ verbunden, bedeutet das Liebe, falls mit „liebt mich nicht“, steht dies für keine Liebe.
Die Fragen können auch erweitert werden: Liebt mich von Herzen – mit Schmerzen – ein wenig – gar nicht; oder bei der Wahl des Bräutigams: Edelmann – Bettelmann –Bauer – Soldat; König – Kaiser – Advokat. Im Dreier-Abzählreim ging es meistens um: heiraten – ledig bleiben – ins Kloster gehen; alternativ: Himmel – Hölle – Fegefeuer. 
In dieser Ja/Nein-Form lassen sich praktisch sämtliche Probleme behandeln. Dazu eignen sich alle Blumen mit einem dichten Kranz von Strahlenblüten, wie Gänseblümchen, Margeriten oder Wucherblumen, doch scheint die Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) die eigentliche Orakelblume zu sein.
Das B. ist besonders auch bei den Zigeunern sehr beliebt. Dabei wird den einzelnen Blumen eine besondere Eigenschaft oder Bedeutung zu gesprochen. Hinsichtlich der Charaktereigenschaften gilt die rote Rose als zärtlich, die Mohnblume als faul, während in Bezug auf den Beruf die Lilie für den Edelmann und die Tamariske für den Verbrecher steht (Kevin, S. 230–232).

Lit.: Blume, J. M.: Selam, die Sprache der Blumen in Liebe und Freundschaft: nebst e. Blumen-Orakel, e. Blumenuhr, e. Deutung d. Farben, e. nachweisenden Reg. u. Devisen zu Bouquets, Kränzen, Sträußen, Stammbüchern usw . Magdeburg: Baensch, 1850;  Martin, Kevin: Das große Zigeunerwahrsagebuch: Kartenlegen – Handlesen – Stern- und Traumdeutung – Orakel – Zahlensymbole. München: Wilhelm Heyne, 1982; Mieder, Wolfgang: „Liebt mich, liebt mich nicht...“: Studien und Belege zum Blumenorakel. Wien: Ed. Praesens, 2001.

Blumhardt, Johann Christoph (*16.7.1805 Stuttgart, †25.2.1880 Bad Boll, Württembg./Deutschland), evangelischer Pfarrer in Bad Boll in Württemberg, Pietist und Geistheiler.
In Stuttgart als Sohn eines Bäckers und Holzmessers geboren, wuchs B. im christlichen Elternhaus, umgeben vom schwäbischen Pietismus, in ärmlichen Verhältnissen auf, konnte aber dennoch das Gymnasium besuchen. Ab 1820 weilte er zur Vorbereitung auf seinen Dienst in der Kirche im Seminar Schöntal. Nach dem Verlust des Vaters 1822 musste er dessen Stelle in der Familie einnehmen. Von 1824 bis 1829 studierte er an der Universität Tübingen Theologie. Nach bestandenem 1. Theologischen Examen wurde er Vikar in Dürrmenz bei Mühlacker, 1830 Missionshauslehrer in Basel, 1837 Vikar in Iptingen und 1838 Pfarrer in Möttlingen bei Bad Liebenzell, wo er Doris Köllner heiratete.
Hier kam er 1841 auch mit einer jungen Frau aus der Gemeinde namens Gottliebin > Dittus in Kontakt, die an einer unerklärlichen Krankheit litt. Sie wurde von Krämpfen geplagt und fremde Stimmen sprachen aus ihr. Zwei Jahre hindurch, von 1842 bis 1843, betreute B. sie seelsorglich. Bald entwickelten sich Zustände in der Gemeinde, die von B. und vielen Gleichgesinnten als Einwirkung satanischer Mächte gedeutet wurden. Zu Weihnachten 1843 endete das Leiden der Dittus, das B. später in einem Krankheitsbericht an das kirchliche Konsistorium als „Geisterkampf“ bezeichnete. Der laute Ruf der Geheilten, „Jesus ist Sieger“, wurde zum Losungswort für B.
Diese Heilung löste eine Buß- und Erweckungsbewegung aus. Am 8. Januar 1844 kamen vier Gläubige aus der Gemeinde zur Beichte. Am 27. Januar waren es schon 16, die Zahl der beichtwilligen Personen stieg auf 246 und schließlich kam fast das ganze Dorf. Auch Auswärtige besuchten die Gottesdienste von B. So zählte man an einem Pfingstfest 2.000 Abreisende. Die liberale Presse verhöhnte die Ereignisse als Betrug und Wundergläubigkeit und die kirchliche Behörde griff einige Male mit einem Verweis gegen B. ein, doch die Bewegung war nicht zu bremsen. Scharen von leiblich und seelisch Hilfsbedürftigen suchten B. auf und kehrten großteils geheilt zurück. B. war überzeugt, dass das Kommen des Reiches Gottes bevorstand und dass es eine „zweite Ausgießung des Heiligen Geistes“ geben werde. Er war beflügelt von einer universalen Hoffnung, die sich auch auf sein soziales Handeln auswirkte. Nach dem Vorbild von Pfarrer > Oberlin aus dem Steintal eröffnete er 1844 einen Kindergarten und setzte die geheilte Gottliebin Dittus als erste Kindergärtnerin ein. 
1852 kaufte B. mit Hilfe von Freunden das königliche Bad Boll und zog mit seiner Familie dorthin, um sich ganz den „Elenden“ zu widmen. Er wurde zum Helfer unzähliger Kranker, denen er mit Gottes Wort und Gebet zur Seite stand. In seinem Seelsorgezentrum im Kurhaus empfing er bis zu seinem Tod 1880 Gäste aus ganz Europa und aus allen gesellschaftlichen Schichten, seit 1869 unterstützt von seinen Söhnen. Nach seinem Tod führte sein Sohn Christoph Friedrich Blumhardt das Werk des Vaters fort.
Wenn auch die Heilung der Gottliebin Dittus von ihren aufsehenerregenden Zuständen nicht als Exorzismus im katholischen Sinne verstanden werden kann, da B. nicht kraft der Priesterweihe mit der Gewalt des > Exorzismus ausgestattet war, so wird man sein Handeln doch im Sinne der Forderung Christi: „Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden!“
verstehen dürfen. Wie bei fast allen dämonischen Besessenheitsfällen ist auch im Fall der Gottliebin die Grenze zwischen psychischer Störung und dämonischer Besessenheit fließend. Dementsprechend ist die Berichterstattung darüber. Abgesehen davon dürfte B. mit besonderen Heilerfähigkeiten ausgestatten gewesen sein. Unbestritten ist jedenfalls, dass er vielen Menschen geholfen hat und dass diese Hilfe ohne ihn nicht stattgefunden hätte.

W.: Ueber die Heilung leiblicher Kranker durch die Kraft des Geistes und des Gebets: ein Auszug aus der Verteidigungsschrift Christoph Blumhardts gegen Dr. de Valenti; mit einem kurzen Lebenslauf Pfarrer Blumhardts. Lorch: Rohm, 1910; Gesammelte Werke: Schriften, Verkündigung, Briefe. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1968.
Lit.: Ragaz, Leonhard: Der Kampf um das Reich Gottes in Blumhardt, Vater und Sohn – und weiter! Erlenbach-Zürich: Rotapfel-Verl, 1922; Zündel, Friedrich: Johann Christoph Blumhardt: ein Lebensbild. 13. Aufl / neu bearb. von Heinrich Schneider. Giessen [u. a.]: Brunnen-Verl, 1936; Ising, Dieter: Johann Christoph Blumhardt: Leben und Werk. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2002.
  

Blut (lat. sanguis; engl. blood; it. sangue), Lebensprinzip oder Sitz des Lebens, das medizinisch wegen seiner Komplexität ganz allgemein als das im Blutkreislauf bewegte flüssige Organ bezeichnet wird (Roche).
B. spielt seit Urzeiten in vielen Religionen sowie bei magischen und okkulten Praktiken eine zentrale Rolle. Es kann Gutes wie Gefährliches, Leben wie Tod verheißen.
Das aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend stammende chinesische Arzneibuch > Nei-king hebt das Blut als die heilkräftigste Substanz hervor.
Der ägyptische Mythos lässt gern aus Blutstropfen, die ein Gott vergießt, Wesen und Dinge hervorgehen. So entsteht das Götterpaar Hu und Sia aus dem Blut des > Re (Lexa: Magie II, 65).
Im > Judentum symbolisiert Blut Leben. Die von Moses im Alten Testament vollzogenen Opfer werden als rituelle Handlungen beschrieben. Der Genuss des Blutes ist verboten (Lev 17, 11).
Die Griechen ließen Blut in die Gräber tropfen, um den Toten bzw. ihren Schatten Lebenskraft zuzuführen.
Im > Christentum steht das Blut Christi im Zentrum des Glaubens. Als Blut des Lebens und des Glaubens wird es häufig als Herzblut bezeichnet. Schließlich erfolgt in der Eucharistie die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi.
Im > Islam spielen, im Unterschied zur weitgehend bildlosen > Sunna, in der > Schia und bei den Schiiten mit Blut verbundene Rituale eine wichtige Rolle. Das Vergießen des Blutes soll dem Märtyrer die Erlösung garantieren. Der Genuss des Blutes ist hingegen verboten.
Anders verhält es sich bei den > Blutopfern in > Nepal, bei denen Blut für das Leben gegeben wird. In diesen Ritualen werden der Göttin > Durga noch heute tausende Tiere geopfert. Das Blut sichert das Bündnis zwischen Göttern, Göttinnen und den Menschen.
Zahlreich sind auch die Mythen im Zusammenhang mit Blut und Recht. Dabei spielt Blut in Form von Opferblut, Blutsbanden, > Blutschande und > Blutrache eine wichtige Rolle. Blut ist auch im Kontext von Genealogie und Geschlecht zur Bestimmung der > Blutsverwandtschaft, der Stammbäume, des Erbrechtes, der Familienzugehörigkeit und der rassischen Gemeinschaft von Bedeutung.
Während im Judentum und im Islam das Trinken von Blut, wie erwähnt, verboten ist, wurde es in den Mysterienreligionen geradezu geübt und ist in okkultistischen und satanistischen Zirkeln bis heute anzutreffen. Dabei geht es vor allem um die Einverleibung der Lebenskraft.
In diesem Zusammenhang wurde das Blut einer der Hexenkunst mächtigen Person lange Zeit als Mittel für deren Zaubereien betrachtet. Man glaubte, dass die bösen Kräfte der Hexe in ihrem Blut lägen und so an ihre Kinder weitergegeben würden. Dieser Glaube lag möglicherweise auch der auf dem europäischen Festland verbreiteten Gepflogenheit zugrunde, Hexen zu verbrennen, statt sie, wie in England üblich, zu hängen. Zudem nahm man an, dass sie Hausgeister mit ihrem Blut nährte und mit diesem den > Teufelspakt unterzeichnete. Beim > Hexensabbat würde sie zur Stärkung ihrer Macht das Blut kleiner Kinder und von Säuglingen trinken. Diese Macht hoffte man daher durch das Zufügen einer Wunde oberhalb von Mund und Nase (> Hexenkratzen), aus der sie blutete, brechen zu können. Eine weitere Gegenmaßnahme, bei der Blut eine Rolle spielte, war die > Hexenflasche, die Blut, Haare und Urin einer vermeintlichen Hexe enthielt.
Schließlich gibt es auch die Vorstellung, dass Blut verunreinigend sei. So gelten vor allem Frauen, die menstruieren oder ein Kind geboren haben, weithin als unrein.
Durch die Entdeckung des Blutkreislaufes 1628 durch William Harvey (1578–1657), dem Entstehungszeitpunkt der modernen Physiologie, wurde das Blut zwar zur bloßen Trägersubstanz, seine Komplexität, Eigenart und Lebensbedeutung schmälern jedoch kaum seine mythische Bedeutung.

Lit.: Lexa, Francois: La magie dans l’Egypte antique de l’ancien empire jusqu’a l’epoque copte. Paris: Geuthner, 1925, Bd 1–3; 1.Concordance du Houang-T'ing King, Nei-king et Wai-king / Schipper, Kristofer M. Paris: École Française d'Extreme-Orient, 1975; Strack, Hermann L.: Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit. München: Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, 1979; Schlehe, Judith: Das Blut der fremden Frauen: Menstruation in der anderen und in der eigenen Kultur. Frankfurt a. M. [u. a.]: Campus Verl., 1987; Mythen des Blutes / Christina von Braun, Christoph Wulf [Hrsg.]. Frankfurt a. M.; New York: Campus, 2007.

Blutaar (altnord., „Ritzen des Blutes“), eine besonders grausame Art des Tötens. Dem Racheopfer wurden bei lebendigem Leib die Rippen vom Rückgrat abgetrennt, wie Adlerschwingen auseinandergefaltet und die Lungenflügel herausgenommen. Diese Art der Rache an einem Feind ist sowohl in den Skaldengedichten und Eddaliedern als auch in den Sagas überliefert. Sie könnte auf eine Form des Menschenopfers zurückgehen, da in der Orkneyinga saga 8 Jarl Einarr seinen Gegenspieler auf diese Weise töten ließ und ihn damit dem > Odin für den Sieg opferte. Andere Belege lassen jedoch vermuten, dass es sich dabei auch um eine spezielle Art der Vaterrache gehandelt haben könnte.

Lit.: Elbenbauer, B.: Blutaar. In: J. Hoops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Hrsg. von H. Beck u. a. Berlin: Walter de Gruyter, 21972–2006; Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarb. Aufl. Stuttgart: Kröner, 2006.

Blutachat, ist als blutroter, lilaroter bis rosaroter, fleischfarbener Quarz ein seltener Vertreter der Familie der > Achate, die zur Quarz-Gruppe und zur Mineralklasse der Oxide gehören. Im Gegensatz zu anderen roten Achaten oder zum > Carneol unterscheidet er sich durch seine satte, kaum durchsichtige, blutrote Färbung. Die Fundorte liegen in ehemaligen vulkanischen Gebieten in Deutschland, Mexiko, Brasilien, USA und Australien.
Neben seiner farblichen Eigenart hat den B. vor allem seine heilende Wirkung bekannt gemacht. Schon die germanischen Völker verehrten ihn als Heil- und Schutzstein. Die Wikinger brachten ihn nach Island, wo er Göttern geopfert wurde. Die Römer nahmen ihn mit nach Rom, um ihn zu den schützenden und heilenden Achat-Ringen zu verarbeiten. Mit den Griechen waren sie zudem der Ansicht, dass der rote Achat besonders potenzfördernd sei und den Männern Frauen gegenüber eine unwiderstehliche Ausstrahlung verleihe.
Der B. erfreut sich auch heute noch als Schmuck und magischer Kraftträger großer Beliebtheit. So wirke er energievoll auf das > Sexualchakra, verleihe Freude und Offenheit und aktiviere die Glückshormone. 

Lit.: Gienger, Michael: Lexikon der Heilsteine. Saarbrücken: Neue Erde Verlag, 1996; Methusalem: Das große Lexikon der Heilsteine, Düfte und Kräuter. Neu-Ulm: Methusalem, 2006; Achat-Schätze: alles über einen faszinierenden Stein. Haltern: Bode, 2009.

Blutacker (hebr. hakeldama), der Töpferacker, von dem beim Evangelisten Matthäus die Rede ist. Judas warf die 30 Silberlinge, für die er Jesus verraten hatte, in den Tempel: „6 Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran. 7 Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden. 8 Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker“ (Mt 27, 6-8).  Nach Apg 1,18-19 hatte Judas selbst den Acker gekauft, der fortan Hakeldamach (Blutacker) er genannt wurde. „Sie nahmen die 30 Silberstücke – das ist der Preis den er den Israeliten wert war – und kauften für das Geld den Töpferacker, wie der Herr befohlen hatte“ (Mt 27, 9). Damit erfüllte sich die Prophezeiung bei Jeremias (32, 6-8) und Sacharja (11,12-13): „Ich nahm die dreißig Silberstücke und warf sie im Haus des Herrn dem Schmelzer hin.“

Blutbesprechen, eine im Mittelalter vielgeübte Form des > Besprechens bei Blutungen.

Lit.: Ebermann, Oskar: Blut- und Wundsegen in ihrer Entwicklung. Berlin: Mayer & Müller, 1903; Jütte, Robert: Geschichte der Alternativen Medizin: von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. München: C. H. Beck, 1996.

Blüte, definiert als Spross begrenzten Wachstums im Dienste der Vermehrung; Symbol der Schönheit, aber auch der Unbeständigkeit bzw. Vergänglichkeit. Als Sinnbild des krönenden Abschlusses und Symbol vor allem der weiblichen Schönheit ist die B. seit Beginn der Menschheitsgeschichte ein besonderer Gegenstand der Liebe. Sie steht für Anmut und Schönheit des Lebens, ein unwägbares Jetzt unversehrter Fülle und Grazie. Sie ist in ihrer vollen Blüte ein Symbol ungetrübter Freude, die so viele Namen und Arten hat, wie es > Namen von Blumen gibt. Einmal schenkt jede B. diese strahlende Schönheit, die wie ein Schimmer des Ewigen ist. Doch nichts auf dieser Erde ist so flüchtig wie die Schönheit der Blume auf dem Felde. „Das Gras verdorrt, die Blume welkt“ (Jes 40, 7). Gelegentlich werden B., ebenso wie die sie besuchenden Schmetterlinge, symbolisch auch in Zusammenhang mit den Seelen Verstorbener gebracht.
Den Farben nach stehen gelbe Blüten in symbolischem Zusammenhang mit der Sonne, weiße mit Tod oder Unschuld, rote mit dem Blut und blaue mit Traum und Geheimnis. Die Akzente können in den einzelnen Kulturen verschieden sein. Im Taoismus sind goldene Blumen Symbole höchsten geistigen Lebens. In Japan entwickelte sich die Kunst des Blumensteckens (Ikebana) zu einer symbolischen Ausdruckskunst.

Lit.: Hecker, Jutta: Das Symbol der blauen Blume im Zusammenhang mit der Blumensymbolik der Romantik. Jena: Frommann, 1931; Rech, Photina: Inbild des Kosmos: eine Symbolik der Schöpfung. Bd. I. Salzburg-Freilassing: Otto Müller, 1966.

Blutegel (lat. Hirudo medicinalis), auch medizinischer Blutegel genannt, ist als Ringelwurm mit dem Regenwurm verwandt. An seinen beiden Enden befindet sich jeweils ein Saugnapf. Der rückwärtige Saugnapf dient dem B. lediglich zum Festhalten, während der Saugnapf vorne die Mundöffnung enthält.
Der B. ernährt sich von Blut. Einmal auf der Haut des Wirtes angekommen, sucht er eine geeignete Stelle zum Beißen. Hat er die optimale Stelle gefunden, hält er sich mit dem hinteren Saugnapf in der Nähe der Bissstelle fest und beginnt, sich mit seinem dreistrahligen Kiefer in die Haut zu sägen. Während des Saugvorganges scheidet er ein Sekret in die Wunde ab. Durch die u. a. histaminähnliche Substanz werden die Blutgefässe erweitert. Erleichtert wird sein Saugen durch das Hirudin, welches er aus seinen Speicheldrüsen in die Wunde absondert. Es hält das Blut flüssig, indem es die Blutgerinnung verhindert, weshalb nach dem Saugen von etwa 10 ml Blut, die Wunde noch länger nachblutet, was eine zusätzliche Blutabnahme bewirkt. Diese Eigenschaften wurden von der > Volksmedizin schon frühzeitig aufgegriffen und finden auch in der klassischen Medizin in der sogenannten > Blutegeltherapie eine therapeutische Anwendung.

Lit.: Herter, Konrad: Der medizinische Blutegel und seine Verwandten. 2., unveränd. Aufl., Nachdr. der 1. Aufl. Hohenwarsleben: Westarp-Wiss.-Verl.-Ges., 2006.

Blutegeltherapie, Ansetzen von 3–6 Blutegeln vor allem bei Thrombose, Thrombophlebitis oder Hypertonie für 1–3 Stunden (2–3mal wöchentlich) auf der Haut des Kranken, um einen örtlichen und /oder systemisch nutzbaren Blutentzug durch Absaugen und Nachblutung zu erreichen. Diese Methode wird heute allerdings von den meisten Ärzten abgelehnt, in den medizinischen Wörterbüchern aber nach wie vor genannt. > Schröpfen.

Lit. Roche Lexikon Medizin. München: Urban & und Schwarzenberg, 31993.

Blutklumpen (engl. blood clot), Kulturheros der Blackfoot-Indianer, in deren Sprache er Kutoyis heißt. Er war die Fehlgeburt einer Bisonkuh (daher sein Name) und wurde vom Ersten Mann und der Ersten Frau adoptiert. Als Held besiegte er Ungeheuer und wilde Tiere,  wie Bären und Klapperschlangen. Seine letzte Aufgabe war die Besiegung des Blutsaugers, eines Ungeheuers, das an einem großen See lebte. Er kämpfte damit unter Wasser, bis Blitz und Donner das Monster töteten und in die Prärie hinausschleuderten. Als B. starb, erhielt er, wie alle Helden, seinen Platz als Stern am Himmel.

Lit.: Jones, David M.: Die Mythologie der Neuen Welt: die Enzyklopädie über Götter, Geister und mythische Stätten in Nord-, Meso- und Südamerika / Molyneaux, Brian L. Reichelsheim: Edition XXV, 2002.

Blutkugel, Zaubergeschoss. Die B. oder auch > Freikugel bildet einen Kernpunkt in der Tiroler Sagenwelt und weit darüber hinaus. Sie musste während der Weihnachtsmette gegossen werden. Dafür gab es u. a. folgendes Rezept: In das Blei wurden ein Stück Haut einer verstorbenen Jungfrau, eine Bleikugel, die schon einmal ein Wild getroffen hatte, die zerriebenen Knöchelchen vom Kopf eines kleinen Kindes und die Asche eines Haselstockes gemischt, den der Bach zufällig angeschwemmt hatte.
Selbst blindlings im Wald abgefeuert, trifft die B. das Wild. Findet sie keines vor, fliegt sie gegen den Schützen und trifft diesen. Der Wilderer darf nur 24 Kugeln gießen, die in der Farbe etwas rötlich sind.

Lit.: Hartmann, Johann Ludwig: Neue Teufels-Stücklein, Passauer-Kunst, Vest-machen, Schieß- und Büchsen-Kunst, Feuerlöschung ... Nach Ihrer Abscheuligkeit ... betrachtet.  Nürnberg, 1721; Holzmann, Hermann: Weihnacht am Tiroler Bergbauernhof / M. e. Geleitw. v. Vera v. Grimm. Graz: Verlag für Sammler, 1979.

Blutmesse, satanisches Ritual, das den Höhepunkt der  > Schwarzen und > Roten Messe bildet. Bei diesen Messen werden Tiere getötet und deren Blut, zumeist vermischt mit menschlichen Gebeinen und Sperma, von den Teilnehmern getrunken. Im Liber Al vel legis gibt Aleister > Crowley Anweisungen, wie derartige B.n durchzuführen sind. Seiner Ansicht nach sind lebende Wesen Träger von Energie, die bei deren Tod freigesetzt wird; dabei sei der Mensch der größte Energieträger. Ein Ersatz für das menschliche Opfer könne die Nutzung des eigenen Blutes sein. Voraussetzung für das Gelingen der B. sei, dass das Opfertier völlig gesund ist. > Blutritual, > Ritualmord, > Kannibalismus, Rote Messe.

Lit.:  Zacharias, Gerhard: Satanskult und Schwarze Messe: ein Beitrag zur Phänomenologie der Religion. Wiesbaden: Limes, 21970; Marc-Roberts-Team: Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens. Graz: Verlag f. Sammler, 2004; The Book of the Law, Liber Al vel Legis, with a facsimile of the manuscript as received by Aleister and Rose Edith Crowley on April 8, 9, 10, 1904 e.v., York Beach, ME: Weiser Books in association with Ordo Templi Orientis, 2004.

Blutmystik, Liebeseinheit im Blut. In fast allen Kulturen ist seit unvordenklichen Zeiten die Vorstellung vom Blut als dem tiefsten einenden Band belegt und spielt bei > Geheimbünden und Sekten noch heute eine wesentliche Rolle. Bei den Zeremonien des Blutbundes werden Früchte mit dem Blut des Partners bestrichen und als lebensverbindendes Elixier konsumiert. Vermischtes Blut der beiden Partner – vermischt über die beigebrachte Wunde – sollte den Seelenbund festigen und den Beweis der ewigen Treue und Verbundenheit gewährleisten, die sogar über den Tod hinausweise.
Einen völlig neuen Aspekt der B. bildet die Kreuzigung Christi. > Christus opfert sich selbst zur Sühne und Erlösung der Menschheit dem himmlischen Vater und hinterlässt als Gedächtnis an seinen Tod und seine > Auferstehung das Messopfer in Form der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. So ist das Messopfer eine symbolische B., bei der das Blut Christi als Geheimnis des Glaubens zur sakralen Stärkung empfangen wird. Opferpriester und Opfermahl ist Christus selbst.

Lit.: Kretzenbacher, Leopold: Bild-Gedanken der spätmittelalterlichen Hl.-Blut-Mystik und ihr Fortleben in mittel- und südosteuropäischen Volksüberlieferungen. München: Beck, 1997; Mythen des Blutes / Christina von Braun; Wulf, Christoph [Hrsg.]. Frankfurt a. M.; New York: Campus, 2007.

Blutopfer, kultisches Blutritual. Dem > Blut als Sitz des Lebens von Tieren und Menschen kommt in den kultischen Handlungen große Bedeutung als stärkende, reinigende vorbeugende, schädliche wie auch sakramentale Wirkkraft zu.
Die stärkende Kraft zeigt sich vor allem beim B. an die Toten  bzw. beim Trinken des Blutes durch die Toten. So haben die Toten im 11. Kapitel der Odyssee das Verlangen, das Blut geopferter Schafe zu trinken, um so für einige Zeit Lebenskraft und Lebensgeist zurückzugewinnen. Aus dieser Opferungstradition hat sich auch die religiöse Form der Schlachtung entwickelt, die nach jüdischem und islamischem Ritus abläuft.
Die reinigende Wirkung besteht im Wegschaffen des Bösen und im Vorbeugen gegen künftiges Übel, insbesondere bei Personen, die mit fremden oder eigenem Blut in Berührung kamen (Krieger, die in der Schlacht waren). Frauen nach der Geburt oder nach der Menstruation mussten, um die Kultreinheit zu erlangen, gereinigt werden. In den Mysterienreligionen wurden die Mysten durch die Blutstaufe entsühnt.
Vorbeugende Wirkung wird dem Bestreichen der Türpfosten mit Blut zugesprochen, um von Haus, Hof und Familie Schaden fernzuhalten.
Das B. kann aber auch schädliche Wirkung haben. So soll das Blut Erschlagener zu Wahnsinn und Tod führen.
Eine sakramentale Verwendung des Blutes zeigt sich im Trinken des Blutes zur Gewinnung der Wahrsagekunst, zur Aufnahme in eine Gemeinschaft zwischen Mensch und Gottheit bzw. zwischen Mensch und Mensch.
Als B. sind neben dem > Menschenopfer, vor allem die > Tieropfer zu nennen. Vom Übergang Menschenopfer – Tieropfer erzählt z. B. die Geschichte von Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern will (Gen 22, 2–22).

Lit.: Link Lück, Heike: Khwan, Blutopfer und Besessenheit: präbuddhistische Elemente der religiösen Vorstellungen der Tai in ausgewählten Ritualen [hrsg. von der SEACOM Südostasiengesellschaft Berlin]. Berlin: SEACOM, 1996; Gilders, William K.: Blood Ritual in the Hebrew Bible. Baltimore, Md. [u. a.]: Johns Hopkins University Press, 2004; Lewis, Brenda Ralph: Ritual Sacrifice: Blood and Redemption. Paperback ed. Stroud: Sutton Publ., 2006; Mythen des Blutes / Christina von Braun; Wulf, Christoph [Hrsg.]. Frankfurt a. M.; New York: Campus, 2007. 

Blutprobe > Bahrprobe.

Blutrache (engl. blood feud; it. vendetta), Tötung eines Mörders bzw. Totschlägers durch einen Angehörigen des Getöteten oder eine ihm nahestehende Person.
Die B. ist eine Urform des Rechtslebens zum Schutz der Sippschaft. Sie zieht sich oft durch ganze Geschlechterfolgen hin und erhält sich, bis die staatliche Organisation dem Einzelnen und der Gesamtheit Schutz gewährleistet.
So fiel es in Israel im Falle von Mord, Totschlag und Vergewaltigung (Gen 34; 2 Sam 13, 1-17) in Ermangelung einer zentralen Gerichtsinstitution der Sippe zu, durch Tötung des Täters die Tat zu rächen (Ex 21, 12; Lev 24, 17; 2 Sam 21, 1-14).
Nach dem islamischen Gesetz ist der nächste Verwandte des Getöteten (walī-ad-dam) grundsätzlich zur B. berechtigt. So steht im Koran Sure 2, 179: „In der Wiedervergeltung ist für euch Leben“.
Im verbreiteten Bestreben, den zürnenden Geist des Toten zu beschwichtigen, hat B. auch einen religiösen Hintergrund. Wurde der Tod durch > Magie hervorgerufen, sollte das Totenorakel zeigen, ob die B. an einem nahen Angehörigen oder einem entfernten Stammesgenossen durchzuführen war.

Lit.: Strehlow, Wighard: Wüstentanz: Australien spirituell erleben durch Mythen, Sagen, Märchen und Gesänge. Allensbach am Bodensee: Strehlow Verlag, 1997; Wahl, Detlev: Blutrache – Kopfjagd – Raubüberfall: Kriege und Waffen der Naturvölker. Rostock: Meridian-Verl., 1999; Baumeister, Werner: Ehrenmorde: Blutrache und ähnliche Delinquenz in der Praxis bundesdeutscher Strafjustiz. Münster [u. a.]: Waxmann, 2007.

Blutregen, Staubabfall, der durch Saharastaub, tierische oder pflanzliche Beimengungen rötlich gefärbt ist. Er galt in der Antike, bei den Indern, Griechen, Arabern, Römern und bis ins Mittelalter hinein als böses Vorzeichen, wie aus der Prodigienliste des Livius (XXII 1; XLIII 13) hervorgeht. Der B. war des öfteren mit Meteorfall und Erdbeben verbunden, was als Wunderzeichen des Himmels interpretiert wurde, das entweder auf den Zorn der Gottheit oder ein anderes Unglück für den Staat hindeutete.
In Deutschland stammt die erste Nachricht von einem B. aus dem Jahre 640. Auch dort wurde B. im Allgemeinen als böses Omen gedeutet.

Lit.: Rungius, Fridericus: Vom Bludtregen in Pommern: Eine Erinnerung an alle daselbst Prediger Wolgastisches orths. Gryphiswaldt: Ferber, 1597; Ehrenberg, Christian Gottfried: Passat-Staub und Blut-Regen, ein großes organisches unsichtbares Wirken und Leben in der Atmosphäre. Berlin: Druckerei der Kgl. Akademie der Wissenschaften, 1849; Livius, Titus: Römische Geschichte: In Auswahl mit Proben aus d. frühlat. Schrifttum / Hrsg. Franz Salomon. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 1961.

Blutritual, Bluttrinken. Die Vorstellung, dass sich im Blut die Lebenskraft des Menschen befinde, führte bei archaischen Völkern und Frühkulturen als ein Teil der Menschenfresserei (> Anthropophagie) zum Trinken menschlichen Blutes. Aus diesem Grund wurde den Gottheiten als Ersatz für Menschenopfer Blut dargebracht. Eines der frühesten bezeugten B.e findet sich in Homers Odyssee (11 Gesang, V. 90–96), wo die Zauberin > Circe am Rand des > Hades ein Loch gräbt, Schafe schlachtet und das Blut hineinfließen lässt. Nachdem die toten Seelen das Blut getrunken haben, werden sie mit Lebenskraft erfüllt und sagen Odysseus die Zukunft voraus.
Bei einigen Gruppen der russischen Sekten der > Chlysten und > Skopzen waren B.e noch bis ins 19. Jh. üblich.
Bei der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland gehörte das Bluttrinken noch bis 1932 zum Ritual, so bei der Aufnahme in den XI. Grad. Dem Neuaufgenommenen wurde Blut aus dem Daumen entnommen und in eine Flasche gegeben, in der sich das Blut aller Angehörigen diese Stufe befand. Sodann wurde aus der Flasche Blut entnommen, mit Wein vermischt, daher auch Blutmischung genannt, und getrunken (> Blutsbrüderschaft). Dieser von den Mysterienbünden in das Ritual einzelner freimaurerischer Systeme aufgenommene Vorgang symbolisierte die Verbrüderung, die Bundesschließung.

Lit.: Frick, Karl R.H.: Das Reich Satans: Luzifer/Satan/Teufel und die Mond- und Liebesgöttinnen in ihren lichten und dunklen Aspekten – eine Darstellung ihrer ursprünglichen Wesenheiten in Mythos und Religion.   Graz: ADEVA, 1982, S. 217–226; Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon / Posner, Oskar; Binder, Dieter A. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000;  Marc-Roberts-Team: Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens. Graz: Verlag f. Sammler, 2004.

Blutsbrüderschaft, eine Art verwandtschaftlicher Beziehung zweier nicht blutsverwandter Männer durch Trinken ihres vermischten Blutes. Dies erfolgte nach einem festgelegten Ritual mit Blutmischung und „Rasengang“. Letzterer beruhte auf dem Brauch, aus der Erde ein Stück Rasen herauszuschneiden und in der Mitte emporzuheben, um in einer Grube darunter die Zeremonie der Blutsbrüderschaft zu vollziehen. Auf diese Weise wurde auch die Verbindung mit der > Erdmutter, von der alles Leben kommt, hergestellt. Die so entstandene Verbindung war rechtlich der leiblichen Bruderschaft gleichgestellt, etwa bei Erbfolge, Besitz, Heiratsregeln sowie > Blutrache. Im Zentrum der B. stand eine starke Hilfe- und  Beistandsallianz zwischen den Blutsbrüdern, die auch deren Familiengruppen einschloss. Sie bewährte sich besonders dort, wo mangelnde Rechtsicherheit bestand. B. erzeugte das engste Freundschaftsband, das bis über den Tod hinaus verpflichtete.
Blutmischung bildete bei den Germanen wie auch anderswo das gebräuchliche Zeremoniell des Friedens- und Freundschaftsschlusses (Simrock, 226). Wer ein enges Friedens- und Freundschaftsverhältnis mit einer Einzelperson, einer Sippe oder einem Volk wünschte, musste künstlich durch den Blutbund gleichen Blutes gemacht werden, der das wichtigste und älteste Element der Gruppenbildung war (Herodot 4, 70).
Einen Nachklang der B. ist das „Bruderschaftstrinken“, wobei studentische Kreise noch in späterer Zeit den Blutzusatz nicht vergaßen.

Lit.: Hartland, Edwin Sidney: Primitive Paternity. The Myth of Supernatural Birth in Relation to the History of the Family / By Edwin Sidney Hartland. Bd. 1.2 [in 1 Bd.]. Nendeln: Kraus Reprint, 1967; Strack, Hermann L.: Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit. München: Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, 1979; Simrock, Karl: Handbuch der Deutschen Mythologie mit Einschluss der nordischen. Nachdr. d. Ausg. Bonn 1874. Genève: Slatkine Reprints, 1979; Herodot: Historien: Griechisch/Deutsch / Herodot. Übers. von ...Hrsg. Kai Brodersen. Stuttgart: Reclam, 2004.

Blutschande, Verletzung der von der Gesellschaft vorgeschriebenen geschlechtlichen Beziehungen. Dazu gehört vor allem der Geschlechtsverkehr zwischen Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie und zwischen Geschwistern. Allerdings gibt es bei einzelnen Volksgruppen und Völkern große Unterschiede in der Sanktionierung der Beziehungen.
So ist eine Vetternehe ersten Grades (gemeinsame Großeltern) in den meisten Bundesstaaten der USA, in Korea, auf den Philippinen und in vielen Balkan-Ländern verboten, während sie vor allem im Kulturgebiet des Islam, also in Nordafrika, im orientalischen Raum und in Südasien, als bevorzugte Form der Heirat gilt. Für entfernte Verwandte wie Vetter und Kusine zweiten Grades (gemeinsame Urgroßeltern) besteht hingegen in keinem Land ein Ehehindernis.
Neben der Absicherung des unbelasteten Zusammenlebens im Familienbereich wurde die B. von der Vorstellung getragen, dass es zur Erhaltung der Natur notwendig sei, dass immer ein Glied der einen Stammeshälfte ein Glied der anderen Stammeshälfte heirate, damit der entsprechende magische Einfluss auf den Kosmos ausgeübt würde, da der Stamm mit seinen verschiedenen Unterabteilungen den Kosmos repräsentiere. B. beeinflusse die Harmonie des Weltalls und die Wohlfahrt des Stammes (Frazer, 44ff). Eine solche B. wird bei primitiven Völkern mit grausamen Mitteln getilgt: die Frevler werden verbrannt (Lev 20, 14), ertränkt, lebendig begraben.
Verwandtschaft verbietet aber nicht nur inzestuöse Ehen, sondern kann sie nach Vorstellungen anderer Kulturkreise auch gebieten. So kann in hoher sozialer Position der Geschlechtsverkehr zwischen Geschwistern die Regel sein – wie in den Pharaonendynastien, vor allem der Ptolemäer (304 v. Chr. bis 30 v. Chr.). Auch in polytheistischen Gesellschaften,  wie im antiken Griechenland und bei den Germanen, waren Geschwisterehen von Götten nichts Ungewöhnliches. Nach deutschem Glauben war man allerdings der Ansicht, dass B. nicht nur denen Unglück bringt, die sie begehen, sondern auch jenen, die nach ihnen das Haus bewohnen. Die Strafe war der Tod durch Einmauern (Kuhn-Schwartz, 437).

Lit.: Frazer, James George: Psyche's Task: A Discourse Concerning the Influence of Superstition on the Growth of Institutions. London: Macmillan, 1909; Hunold, Günther: Das Inzest-Tabu: eine Anatomie d. Blutschande. München: Heyne, 1970; Fisch, Manuel: Blutschande: Vater, Tochter; Stiefvater, Stieftochter; eine Dokumentation praktischer Fälle. Frankfurt a. M.: Gemini-Press, 1971; Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen / aus dem Munde des Volkes ges. und hrsg. von Adalbert Kuhn und Wilhelm Schwartz. 2. Nachdruckaufl. der Ausg. Leipzig 1848. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1983.

Blutschink. Tiergestaltiger Wasserdämon. Er erscheint in Tirol und Kärnten als Bär, auch halb Bär, halb Mensch. Den Namen hat er von seinen stets blutigen Füßen. B. überfällt die Menschen im Schlaf, würgt sie und schleppt sie in den See. Kinder werden vor ihm gewarnt.

Lit.: Alpenburg, Johann Nepomuk von: Mythen und Sagen Tirols. Zürich: Meyer und Zeller, 1857.

Blutschweiß (auch Hämhidrose, hemhidrosis, hemathidrosis; von griech. häm, Blut, hydros, Schweiß; engl. bloody sweat; ital. sudorazione di sangue), Rotfärbung des Schweißes durch äußerliche Blutbeimengung.
B. kann im Falle einer angeborenen oder erworbenen leichten Verletzbarkeit und/oder Schwäche der Gefäßwände, seltener bei großer, individuell empfundener Angst (z. B. Todesangst), auftreten. Dabei kann das mit der hohen inneren Anspannung verbundene Platzen von Hautäderchen und dem Abfließen des austretenden Blutes über die Poren zusammen mit dem Angst-, Anstrengungs- und Ekstaseschweiß auftreten.
Von Blutschweiß sprechen bereits Aristoteles (De partibus animalibus II,V.; De animalibus historiae III, XIX,3) und sein Schüler und Nachfolger Theophrast (372?–287?). Auch im Leben Jesu wird von B. gesprochen: „Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte“ (Lk 22, 44). Lukas, ein syrisch-griechischer Arzt (Kol 4, 14) griff hier sicher bewusst diesen medizinischen Aspekt auf, um die Intensität der Anspannung zu unterstreichen. Von B. ist ferner bei den Ekstasen der hl. Lutgardis van Tongeren (1182–1246), bei Therese Puttigny (1803–1885) und vielen anderen die Rede; des weiteren auch im Zusammenhang mit sportlichen und sonstigen Anstrengungen.

Lit.: Theophrasti Eresii opera, quae supersunt, omnia. Parisiis: Firmin Didot, 1866; Biot, René: Das Rätsel der Stigmatisierten / Herbert Peter Maria Schaad [Übers.]. Aschaffenburg: Paul Pattloch, 1957; Leone, Salvino: La medicina di fronte ai miracoli. Bologna: Edizioni Dehoniane, 1996; Verschijningen uit het hiernamaals in de Vita Lutgardis/Stolfi, Emilia. Leuven: Bibliotheek van de Fac. Godgeleerdheid, 1998.

Blutsegen. Es geht dabei um eine Art des Besprechens zur Stillung von Blutungen aus Wunden, Nase, Menstruation usw. Solche B., oft auch als Wundsegen bezeichnet, liegen in lateinischer und deutscher Sprache vor. Der lateinische, der sogenannte  „Jordansegen“, geht auf 900, der deutsche, der Trierer Segen, auf das 10. Jh. zurück. Das Blut soll stille stehen wie der Jordan (Jordansegen) oder wie Christus am Kreuz (Ebermann, 75ff): „Blude du mußt stille stan, wie Jesus am Kreuze stand“. Der weithin bekannte Bamberger Segen aus dem 13. Jh. (Bamberger Staatsbibliothek Bibl.cod.L III 9 S.139r) liegt in zwei Fassungen vor. Die erste lautet in der heutigen Sprachfassung:
Christus und Judas wetteiferten mit Spießen.
Da wurde der heilige Christ wund an seiner Seite.
Da nahm er den Daumen und verpreßte sie vorne.
So blieb das Blut stehen, so (wie) des Jordans Ache stehenblieb,
als der heilige Johannes den Heiland Christus in ihr taufte.
Das dir zur Buße.“ (Reclam)

Lit. Ebermann, Oskar: Über Blut- und Wundsegen. Berlin: Salewski, 1902; Althochdeutsche poetische Texte: althochd./neuhochd. ausgew., übers. und kommentiert von Karl A. Wipf. Stuttgart: Reclam, 1992.

Blutstein > Hämatit.

Blutstillen (engl. blood-staunching, ital. emostasi), Beendigung einer Blutung. Neben der mittelbaren und unmittelbaren Kompression von Blutgefäßen und anderen medizinischen Maßnahmen kommen in der Volksmedizin vor allem Mittel aus dem Pflanzen-, Tier- und Steinreich zum Einsatz.
Von den > Pflanzen werden > Schafgarbe (Achillea millefolium), > Blutwurz (Potentilla erectis L.), > Zunderschwamm (Polyporus fomentarius), > Eichenschwamm (Daedalae quercina), > Wegerich (Plantago), > Alantwurzel (Radix Heleni), zu Pulver verriebene > Nesselsamen (Urtica urens L.) und > Hirtentäschelkraut (Herba bursae pastoris) verwendet. Die wundheilende Kraft der Schafgarbe hebt bereits Plinius d. Ä. (Naturalis historia, 25, 42) hervor. Er erklärt den Namen Achilleos („Kraut des Achilles“) damit, dass der Held > Achilleus als Schüler des pflanzen- und heilkundigen Kentauren > Chiron die wundheilende Kraft des Krautes entdeckt und damit den König der Myser, Telephus, von seiner Verwundung geheilt habe.
Aus dem Tierreich werden als blutstillende Mittel > Spinnweben, die Wolle junger Katzen, zu Pulver gestoßene Kröten usw. genannt.
Bei den > Steinen spielt vor allem der Blutstein, > Hämatit, eine nicht unwichtige Rolle. Auch > Blutachat, > Jaspis und > Siegelerde sind hier zu nennen.
Weitere Formen des B. sind > Beschwörung, > Besprechen, > Zaubersprüche, > Gebet und > Segen. Von Beschwörung spricht bereits Homer in der Odyssee: „Diese verbanden dem edlen, dem göttlichen Odysseus sorgsam die Wund’ und stillten das schwarze Blut mit Beschwörung.“ (Odyssee XIX, 457).

Lit.: Noelting, J: Blutstillen und Krankheitsbesprechen: ein Beitrag zur Volksmedizin. Hamburg: Lütcke & Wulff, 1900; Kronfeld, E. M.: Der Krieg im Aberglauben und Volksglauben: kulturhistorische Beiträge.   München: Hugo Schmidt, 1915; Lammert, G.: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur / Mit historischer Einleitung und einer lithographierten Tafel. Neudruck d. Ausg. Würzburg 1869. Regensburg : Johannes Sonntag, 1981; Most, Georg Friedrich: Encyklopädie der Volksmedizin / Einleitung Karl Frick und Hans Biedermann. Neuauflage der Ausgabe Graz 1973 (durch eine neue Einleitung vermehrter Nachdruck der 1843 bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Ausgabe). Graz: ADEVA, 1984; Grabner, Elfriede: Krankheit und Heilen: eine Kulturgeschichte der Volksmedizin in den Ostalpen. Wien: Österr. Akademie d. Wissenschaften, 1997; Plinius Secundus, Gaius: Naturalis historia: lateinisch/deutsch = Naturgeschichte. Ausgew., übers. und hrsg. von Marion Giebel. Stuttgart: Reclam, 2005.

Blutsverschreibungen, Verschreiben der Seele an den Teufel mittels des eigenen Blutes auf einem Blatt Papier. > Teufelspakt.

Lit.: Koch, Kurt E.: Seelsorge und Okkultismus. Basel: Brunnen Verlag, 1982.

Blutsverwandtschaft (engl. consanguinity; ital. consanguinità), Verwandtschaft durch Abstammung in auf- und absteigender Linie. Der engste Kreis der B. umfasst in der Regel diejenigen Mitglieder, zwischen denen ein Inzestverbot besteht. Wer diese Schranke übertritt, begeht > Blutschande. C. Levi-Strauss bezeichnete das Inzesttabu als ein Grundelement menschlichen sozialen Handelns.
Nach Vorstellungen anderer Kulturkreise kann B. sogar geboten sein, etwa in hoher sozialer Position, wie dies in den Pharaonendynastien, zumal der Ptolemäer (304 v. Chr.- 30 v. Chr.), der Fall war. Auch in polytheistischen Gesellschaften, wie im antiken Griechenland und bei den Germanen, waren Geschwisterehen von Göttern nichts Ungewöhnliches.
Mit Blut wird aber auch Ungleichheit begründet. So hätten „Adelige“ blaues Blut, gewöhnlich Sterbliche hingegen rotes. 
B. spielt schließlich im Ehe- und Erbrecht eine besondere Rolle. Auch für die Staatszugehörigkeit kann B. von Bedeutung sein.

Lit.: Lévi-Strauss, Claude: Le structure élémentaires de la parenté. Paris: Mouton, 1949; Pöschl, Arnold: Die Blutsverwandtschaft und der Drei-Generationen-Rhythmus in der Menschheitsentwicklung als sozialbiologisches Grundgesetz: Ein Beitrag zum natürlichen Recht sowie zur exakten Bevölkerungs- u. Abstammungslehre. Innsbruck: Wagner, 1951; Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen / aus dem Munde des Volkes ges. und hrsg. von Adalbert Kuhn und Wilhelm Schwartz. 2. Nachdruckaufl. der Ausg. Leipzig 1848. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1983; Hummel, Konrad: Erblich-polymorphe Eigenschaften des Blutes zur Klärung strittiger Blutsverwandtschaft und fraglicher Identität: hierzu benutzte biometrische Verfahren. Hamburg: Kovac, 1997; Brigitte Hauser-Schäublin: Blutsverwandtschaft. In: Mythen des Blutes / Christina von Braun; Wulf, Christoph [Hrsg). Frankfurt a. M.; New York: Campus, 2007.

Blut-Telegrafie (engl. telegraphy of blood; ital. telegrafia di sangue), Fernwirkung des Blutes. Diese Geheimnis wird in vielen hermetischen Schriften erwähnt. Prof. Dr. med. Georg Kieser (1779–1862) gibt nach Thomas Bartholin (1616–1680) folgende Anleitung:
„Die eine Person ritzt sich mit einer Messerspitze den linken Arm blutig und wäscht das Blut mit einem Sehwamme säuberlich ab; die andere macht sich gleichfalls eine Ritze im Gold- oder Ringfinger und lässt aus dieser einen Trop­fen Blut in die Wunde der ersteren fallen, worauf diese den Arm und jene den Finger verbindet, bis beider Wunden vollkommen ge­heilt sind. Darnach verwundet sich die zweite Person den Arm, die erste den Finger, und nachdem ein Tropfen Blutes aus der Finger­ritze in die Wunde des Armes getröpfelt ist, wird wieder beides bis zur völligen Heilung verbunden gehalten. Wenn nun eine dieser Personen, wie weit sie auch immer von der anderen entfernt seyn mögen, sich mit einer Nadel in die Narbe der zugeheilten Wunde sticht, so fühlt die andere gleichzeitig denselben Stich. Ist noch überdies im voraus verabredet worden, was der erste, zweite, dritte Stich usw. bedeuten solle: so kann auf diese Weise der eine Mensch dem anderen, in jedem beliebigen Augenblicke, von seinem Befinden und anderen Umständen immer sogleich Nachricht erteilen“ (Kieser, 154/155). Die gleiche Anweisung findet sich auch bei > Papus (1865–1916).

Lit. Kieser, Dietrich Georg: Archiv für den tierischen Magnetismus. Bd. 8, 3. Stück. Leipzig: Herbig, 1821; Papus: Traité méthodique de Magie pratique. Paris, 1937.

Bluttrinken > Blutritual.

Bluttropfentest, holistischer (HBT-Test), holistische Blutuntersuchung an einem Blutstropfen. Die Untersuchung fußt auf der Annahme, dass alle Informationen des Körpers im > Blut vorhanden sind und an einem Blutstropfen Auskunft über die energetische Gesamtsituation und die erkrankten Körperteile gewonnen werden kann. Nach einem Lancettenstich in die Fingerbeeren-Mitte des vierten Fingers der dominanten Handseite wird der dritte Bluttropfen mit einer Pipette entnommen, auf die Mitte eines Diaglases aufgebracht und mit einem zweiten Diaglas abgedeckt. Sodann werden in Verbindung mit den Kenntnissen der > Traditionellen Chinesischen Medizin und der dort bekannten sog. > Organuhr Morphologie und Richtung des ausgeflossenen Bluttropfens gedeutet. Wissenschaftlich ist das Verfahren nicht nachvollziehbar.

Lit.: Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde: und alternative Heilverfahren / Bearb. v. d. Wörterbuch-Redaktion d. Verlages unter d. Leitung v. Helmut Hildebrandt. Berlin; New York: de Gruyter, 1996.

Blutung, postmortale (engl. bleeding, posthumous; it. emorragia postmortale ). Anhaltende Blutungen nach dem Tod sind zwar selten, doch gibt es ein gut bezeugtes Beispiel bei dem hl. Jesuitenpater Franz de Hieronymo (1642–1716) nach den eidlichen Aussagen in den Prozessakten durch den Laienbruder Johann von Giore, der den Heiligen pflegte und für die Begräbnisfeier aufbahrte. Im Zuge dessen beschloss er mit zwei weiteren Brüdern, Peter Miglietti und Franz Sala, „die harte Haut an den Fußsohlen abzuschneiden, um sie als Reliquie aufzubewahren. Als wir damit begannen ... , floss Blut heraus, leuchtend rotes Blut, und das in so großer Menge, dass wir zum Abwischen mehrere Tücher brauchten... Es wollte nicht zu fließen aufhören...Tatsächlich floss es von ungefähr halb elf Uhr vormittags bis sieben Uhr abends“ (Thurston, 347–348). Ein solcher Blutfluss von bis zu neun Stunden nach dem Tod ist sicher ein außergewöhnliches Phänomen. > Blutwunder.

Lit.: AASS, März, Bd. 2. S. 81 E; Muzzarelli, Alfonso: Raccolta di avvenimenti singolari e documenti autentici spettanti alla vita del B. Francesco di Geronimo. Roma: Stamperia Pagliarini, 1806; Thurston, Herbert: Die körperlichen Begleiterscheinungen der Mystik / M. e. Vorw. v. Gebhard Frei. Luzern: Räber & Cie., 1956.

Blutwunder (engl. blood miracle; ital. miracolo di sangue), außergewöhnliche Blutphänomene in Zusammenhang mit > Hostien, > Korporalien, > Kruzifixen, > Heiligenbildern, > Heiligen und > Seligen, Lebenden und Verstorbenen, Statuen und anderen Gegenständen, die seit dem 12. Jh. viele Wallfahrtskulte entstehen ließen. Doch bereits in der von Paulinus von Mailand († nach 422) verfassten Lebensbeschreibung des hl. Ambrosius heißt es: „In dieser Zeit ließ er (Ambrosius) den Leib des heiligen Nazarius... in die Apostelbasilika... überführen. Wir haben aber in dem Grab, in dem der Märtyrer lag, so frisches Blut gesehen, als wäre es am selben Tage vergossen.“ Nazarius erlitt jedoch schon um 304 den Martyrertod. Vom Eremiten > Godrich von Finchale, der 90-jährig am Morgen des 21. Mai 1170 verstarb, schreibt Reginald von Durham, dass am Abend, als man beim Abschneiden der Zehennägel zu tief hineinschnitt, Blut herausspritzte, „wie bei einem lebenden Menschen“. Ähnliches wird von Johannes vom Kreuz und vielen anderen berichtet (Thursten, 343-355).
In diesem Zusammenhang ist auch die periodische Verflüssigung von geronnenem Blut in Blutreliquien zu nennen, wie der des hl. > Januarius. Ebenso zahlreich sind die Blutphänomene an Kreuzen, Herz Jesu-Bildern, konsekrierten Hostien und konsekriertem Wein.
In den meisten Fällen sind die historische Faktizität und der theologische Wundercharakter jedoch nicht gesichert. So kann zum Glauben an blutende Hostien auch das Vorkommen des Hostienpilzes (bacterium prodigosum) beigetragen haben.
B. an Kultbildern wurden nicht zuletzt mit Frevelgeschichten gegen Juden, Türken und Ketzer verbunden. Wurde das Kultbild verletzt, vergoss es Tränen oder Blutschweiß. Dieses Motiv ist  bis zu den blutenden Kruzifixen von Beirut und Konstantinopel in der Zeit des Bilderstreites zurückzuverfolgen, der 843 beendet wurde. Bekannt wurde auch das blutende Kreuz von Asti in Italien.
In neuerer Zeit hat eine Holzstatue in Akita, Japan, die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wo im Juli 1973 von Antlitz und Hals sowie von Händen und Füßen der Marienstatue Blut floss. 1995 sonderte eine Statue in Civitavecchia bei Rom Blut ab, wovon der Bischof selbst Augenzeuge wurde. > Stigmatisation.

Lit.: Reginaldus Dunelmensis: Libellus de vita et miraculis S. Godrici, heremitae de Finchale. London: Nichols, 1845; Vita di S. Caterina da Bologna: seguita da divote ed affettuose preghiere ad essa gloriosissima Santa. Bologna, 1863; Thurston, Herbert: Die körperlichen Begleiterscheinungen der Mystik. Luzern: Räber & Cie., 1956; Paolino: Vita di S. Ambrogio, ed. M. Pellegrino. Roma, 1961, S. 98–100; Kretzenbacher, Leopold: Das verletzte Kultbild: Vorraussetzungen, Zeitgeschichten und Aussagewandel eines abendländischen Legendentypus. München: Akad, 1977; Kolb, Karl: Vom heiligen Blut: e. Bilddok. d. Wallfahrt u. Verehrung. Würzburg: Echter Verl, 1980; TRE. Theologische Realenzyklopädie, Studienausgabe, 6. Berlin: Walter de Gruyter, 1980, S. 727–742.

Blutwurz (lat. potentilla erecta / reptans), auch Birkwurz, Blutwurz-Tormentill, Feigwurz, Bauchwehwurz, Ruhrwurz, Siebenfingerkraut, Schnürwurz, Tormentillkraut, Tormentillwurz genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie wächst auf feuchten Plätzen, wird 10–30 cm hoch, hat einen knolligen Wurzelstock, der Stängel ist ästig und trägt gezahnte 3–5teilige gelb leuchtende Blütenblätter. Die Blütezeit ist Mai bis August. Man sammelt die Wurzeln im Frühjahr und Herbst.
Wegen ihrer Tormentillsäure wirkt der Wurzelstock der B. (Tormentillae rhizoma)  zusammenziehend und kommt, wie schon der Name sagt, bei starken Blutungen, Durchfall, Wundfieber und Entzündungen als Tee, Pulver oder Gurgelwasser zum Einsatz. B regt zudem  den Appetit an und wirkt krampfstillend. Bei empfindlichen Patienten können Magenbeschwerden auftreten.
In mythologischer und magischer Beziehung soll B., an der Schlafzimmertür aufgehängt, gegen >  Schadenzauber und magisch verursachte Krankheiten helfen. B. ist dem Gott > Donar bzw. Thor geweiht. Die Samenkugel kann mit Energie aufgeladen werden, während die Wurzeln Heilenergie speichern, die auch für den Heilzauber verwendet werden kann.

Lit.: Schmid, Max: Beitrag zur Kenntnis einheimischer Gerbstoffdrogen unter besonderer Berücksichtigung der Blutwurz. München, Med. F., Diss. v. 8. Juli 1952; Magister Botanicus. Speyer: Die Sanduhr, 1995; Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde. Berlin: de Gruyter, 1996.

Blutzauber, Verwendung von Blut zu magischen Zwecken. > Blut als „Lebenssaft“ spielt bei magischen Praktiken seit Urzeiten eine zentrale Rolle. Es galt als Mittel für die Zaubereien der Hexen und Hexer. Als Gegenzauber diente die > Hexenflasche, die mit Blut, Haaren und Urin einer vermeintlichen > Hexe gefüllt war. Jugendliches Blut dient angeblich der Verjüngung und eigenes Blut soll den > Teufelspakt besiegeln. Insbesondere dient das Blut der Stärkung der eigenen Kräfte und zur Abwehr feindlicher Angriffe. Dazu nimmt man z. B. Blut vom Handgelenk, schreibt damit den eigenen Namen auf ein Pergamentpapier und trägt dieses über dem Herzen. Letztlich lässt sich Blut mit unzähligen Zauberformeln verbinden. Dabei geht es stets um Macht, Schutz und Vernichtung, kann Blut doch Gutes wie Gefährliches, Leben wie Tod bedeuten.

Lit.: Atkinson-Scarter, H.: Sympathie-Magie und Zaubermedizin: ein Handbuch zur magischen Krankheitsbehandlung. Berlin: Richard Schikowski, 1960.

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